{"id":99222,"date":"2021-04-30T08:27:08","date_gmt":"2021-04-30T08:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/04\/essai-couronne-de-succes-pour-un-fonds-dimpact-soutenu-par-le-seco\/"},"modified":"2023-08-23T22:50:33","modified_gmt":"2023-08-23T20:50:33","slug":"impact-fonds-mit-seco-beteiligung-pilotversuch-erfolgreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/04\/impact-fonds-mit-seco-beteiligung-pilotversuch-erfolgreich\/","title":{"rendered":"Impact-Fonds mit Seco-Beteiligung: Pilotversuch erfolgreich"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2006 er\u00f6ffnete \u00abAuntie\u00bb Esther, wie sie in ihrem Dorf in Ghana von allen genannt wird, einen Lebensmittelladen in einem Container. Zwei Jahre sp\u00e4ter, als ihr Gesch\u00e4ft immer besser lief, kaufte sie das Land, auf dem ihr Container stand, und baute einen kleinen Gemischtwarenladen. Doch die Unternehmerin stand vor einem Problem: Sie wollte weiter expandieren, ihr fehlte aber das daf\u00fcr n\u00f6tige Geld.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nIm Jahr 2017 erhielt sie schliesslich von Advans Ghana, einem Anbieter mobiler Finanzdienstleistungen, einen Kredit in der H\u00f6he von 2000 Dollar. Mit diesem Geld erweiterte sie ihr Produktangebot, und inzwischen beliefert sie auch andere Gesch\u00e4fte in der Gegend. Heute besch\u00e4ftigt sie f\u00fcnf Vollzeitangestellte, und bald will sie Caterings f\u00fcr Hochzeiten anbieten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nWie \u00abAuntie\u00bb Esther k\u00f6nnen viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in L\u00e4ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen nicht expandieren, weil es an Finanzierungen fehlt. Das Problem: Oft sind die Firmen zu gross f\u00fcr Kredite von Mikrofinanzinstitutionen, aber zu klein oder zu risikoreich f\u00fcr herk\u00f6mmliche Banken. Diese Finanzierungsl\u00fccke bei KMU wird auch als \u00ab<a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/smefinance\">fehlende Mitte<\/a>\u00bb bezeichnet. Erschwerend wirken zudem die oft mangelhaften Finanzkenntnisse der Betroffenen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDas Problem der KMU-Finanzierung zu l\u00f6sen, ist wichtig, denn diese Betriebe bilden das R\u00fcckgrat der Wirtschaft: Neun von zehn Arbeitspl\u00e4tzen in Schwellenl\u00e4ndern befinden sich in KMU, und eine solide Besch\u00e4ftigung ist der sicherste Weg aus der Armut. Das Wachstumspotenzial von KMU sollte deshalb nicht durch fehlende Finanzierungen \u00abverspielt\u00bb werden.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nWenn die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Zugang von KMU zu Finanzprodukten stimmen und auf Empf\u00e4ngerseite ein gewisses Finanzwissen vorhanden ist, bieten auf KMU spezialisierte Finanzinstitute vielerorts tragf\u00e4hige L\u00f6sungen. Kreditgeber sind oft Investoren aus Industriestaaten.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Hebelwirkung erzielen<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie spezialisierten Finanzinstitute bekunden vermehrt M\u00fche, den steigenden Kreditbedarf der KMU zu decken. Mit der Corona-Krise hat sich diese Problematik versch\u00e4rft. Partnerschaften zwischen staatlichen Akteuren und privaten Investoren k\u00f6nnen hier eine Hebelwirkung erzielen. Denn viele private Investoren sind bereit, ihr Geld in nachhaltige Projekte zu investieren, wenn sie es in guten H\u00e4nden wissen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEin Beispiel f\u00fcr eine solche \u00f6ffentlich-private Partnerschaft in der Entwicklungszusammenarbeit ist der \u00abLoans for Growth Fund\u00bb. Der 2016 gegr\u00fcndete und auf vier Jahre beschr\u00e4nkte Fonds ist ein gemeinsames Projekt des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco), der Grossbank UBS und des Genfer Fondsanbieters Symbiotics.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDank dem Loans for Growth Fund konnte der Zugang von KMU zu Finanzdienstleistungen verbessert, Arbeitspl\u00e4tze geschaffen und Firmengr\u00fcndungen gef\u00f6rdert werden. Der Fonds hat w\u00e4hrend seiner Laufzeit Kredite an \u00fcber 3700 KMU in 24 L\u00e4ndern \u2013 unter anderem in Peru, Georgien, in der Republik Moldova und Ghana \u2013 vermittelt. Diese Unternehmen besch\u00e4ftigen \u00fcber 22\u2019000 Mitarbeitende, von ihnen sind 40\u00a0Prozent Frauen. Die KMU zahlen ihren Mitarbeitenden \u2013 gemessen an den wirtschaftlichen Bedingungen in den jeweiligen L\u00e4ndern \u2013 einen fairen Lohn. Zu den KMU, die Zugang zu Finanzmitteln erhielten, geh\u00f6ren AGP Semillas in Peru, ein Unternehmen f\u00fcr Qualit\u00e4tssaatgut und Getreide, sowie eine Werbeagentur in der Republik Moldova, die leistungsst\u00e4rkere und modernere Druckmaschinen finanziert.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Verh\u00e4ltnis 1:10<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDer Fonds fungierte als Bindeglied zwischen privaten Investoren und den KMU: Indem er die Risiken abfederte, waren die Anleger eher bereit, Kapital zu investieren. Das Seco und die UBS teilten sich je h\u00e4lftig eine \u00abFirst-Loss-Tranche\u00bb von 5 Millionen Franken. Dieses Risikokapital war so ausgestaltet, dass es Anlageverluste bis zu 10 Prozent des Gesamtfondsverm\u00f6gens von 50 Millionen Franken auff\u00e4ngt. So konnte der Fonds privates Kapital im Verh\u00e4ltnis von 1:10 mobilisieren und auf KMU spezialisierten Banken in Entwicklungsl\u00e4ndern dringend ben\u00f6tigtes Kapital bereitstellen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nMit seiner Beteiligung am Fonds erf\u00fcllt das Seco seinen Auftrag, die Wirkung von Entwicklungsans\u00e4tzen zu pr\u00fcfen und die Mobilisierung von privatem Kapital zugunsten der Entwicklung zu f\u00f6rdern.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> So h\u00e4lt die Agenda 2030 der UNO ausdr\u00fccklich fest, dass zum Erreichen der Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung privates Kapital mobilisiert werden muss, wobei \u00f6ffentlich-private Partnerschaften zu den wichtigsten Instrumenten z\u00e4hlen. Ein Beweggrund f\u00fcr die Beteiligung des Seco war auch folgende \u00dcberzeugung: Wenn eine Grossbank wie die UBS gute Erfahrungen mit einem Impact-Investment-Fonds sammelt, kann sie sp\u00e4ter einen weiteren Fonds in einem gr\u00f6sseren Massstab lancieren. Dadurch fliessen mehr Mittel in Investitionen, die messbare positive gesellschaftliche und \u00f6kologische Auswirkungen erzielen.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Umfassender Bericht<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDurch die Kombination der Expertise und der Ressourcen der drei Schweizer Akteure konnte mit dem Loans for Growth Fund ein Finanzinstrument konzipiert werden, mit dem erhebliche Risiken akzeptiert werden. Das Seco und die UBS \u00fcbernahmen die Rolle als Katalysator f\u00fcr privates Kapital. Das Seco brachte zudem seine langj\u00e4hrige Erfahrung in den Bereichen Schwellenl\u00e4nder und Entwicklungseffekte ein, und die UBS \u00fcbernahm die Aufgabe des Fundraisings. Der Fondsanbieter Symbiotics wiederum steuerte sein Fachwissen zur Wirkungsmessung, zur Kreditpr\u00fcfung und zur Verm\u00f6gensverwaltung in Schwellenl\u00e4ndern bei.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nSeit der Fondser\u00f6ffnung im Jahr 2016 hat Symbiotics j\u00e4hrlich einen umfassenden Wirkungsbericht ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Dieser enth\u00e4lt Indikatoren wie beispielsweise Gesch\u00e4ftsergebnisse, Inklusivit\u00e4t in der Besch\u00e4ftigung und Sicherheit am Arbeitsplatz. Indem der Bericht wertvolle Erkenntnisse \u00fcber beabsichtigte oder allenfalls auch unbeabsichtigte Wirkungen auf Stufe Finanzinstitute und KMU liefert, bringt er die Debatte zur Wirkungsmessung im Impact-Investement weiter.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Corona als Bremse<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nIn seiner vierj\u00e4hrigen Laufzeit erzielte der Fonds eine stabile finanzielle Performance. Die erw\u00e4hnte First-Loss-Tranche wurde dieses Jahr vollumf\u00e4nglich ans Seco und die UBS zur\u00fcckbezahlt, und die Rendite an die Anleger d\u00fcrfte insgesamt positiv ausfallen, wobei das definitive Ergebnis noch von der R\u00fcckzahlung der verbleibenden Investments abh\u00e4ngt. Dank ad\u00e4quater Diversifizierung und niedriger Ausfallraten sind insgesamt Dividendenaussch\u00fcttungen in der H\u00f6he von bis zu 4,4 Millionen Dollar m\u00f6glich. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld bot der Fonds somit eine valable Anlageoption \u2013 trotzdem d\u00fcrfte die definitive Rendite aus einer reinen Investmentperspektive am unteren Ende der Erwartungen liegen. Allerdings darf nicht vergessen werden: Viele Anleger entschieden sich insbesondere wegen des Entwicklungseffekts f\u00fcr den Fonds.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Covid-Krise hat die Zeitplanung des Fonds f\u00fcr die Abwicklung und die R\u00fcckzahlung beeintr\u00e4chtigt. So mussten im September 2020 einige Darlehen verl\u00e4ngert werden, um die R\u00fcckzahlungschancen zu erh\u00f6hen. Auch robuste KMU verzeichneten aufgrund des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds und der Lockdown-Massnahmen einen Gesch\u00e4ftsr\u00fcckgang. In Zusammenarbeit mit anderen internationalen Geldgebern wurden daher gewisse Investments verl\u00e4ngert, damit Institute mit Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen die Situation bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Die ausstehenden Gelder werden voraussichtlich bis Juni 2021 zur\u00fcckbezahlt.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Wie weiter?<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie 50 Millionen Dollar, die der Loans for Growth Fund f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung bereitstellte, sind nur ein winziger Teil dessen, was zum Erreichen der UNO-Nachhaltigkeitsziele ben\u00f6tigt wird. Laut den Vereinten Nationen w\u00e4ren j\u00e4hrlich <a href=\"https:\/\/unsdg.un.org\/resources\/unlocking-sdg-financing-findings-early-adopters\">2,5 Billionen Dollar<\/a> n\u00f6tig. Die Partnerschaft hat jedoch gezeigt, dass risikomindernde Strukturen positive Effekte haben und dass die Bereitstellung von Kapital f\u00fcr KMU die Entwicklung f\u00f6rdert und Wertsch\u00f6pfung generiert.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nMit Blick auf die Zukunft beabsichtigen alle drei Schweizer Partner, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Symbiotics erarbeitet derzeit mehrere Initiativen f\u00fcr Fonds, bei denen \u00f6ffentliche Gelder genutzt werden, um das Risiko von privaten Investments zu reduzieren. Diese Absicherung wird f\u00fcr die weitere Mobilisierung von Kapital zentral sein. Die UBS wiederum hatte sich 2016 \u00f6ffentlich dazu verpflichtet, innerhalb von f\u00fcnf Jahren 5\u00a0Milliarden Dollar f\u00fcr Impact-Investments zu mobilisieren. Sie hat dieses Ziel dieses Jahr erreicht.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDas Seco schliesslich verst\u00e4rkte ab 2016 seine Anstrengungen, mehr privates Kapital f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit zu mobilisieren. Dabei verlagerte es den Fokus auf einen wettbewerbsbasierten Ansatz. Dieser Ansatz wurde 2017 mit einer offenen internationalen Ausschreibung f\u00fcr Projektvorschl\u00e4ge zur Unterst\u00fctzung von Impact-Investment-Fonds erfolgreich lanciert. Das Seco will den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und in gr\u00f6sserem Umfang privates Kapital f\u00fcr die Nachhaltigkeitsziele mobilisieren. Dazu werden in den n\u00e4chsten Jahren branchen- und \u00f6kosystembasierte Projekte initiiert und die Partnerschaften mit Akteuren in der Schweiz und im Ausland gest\u00e4rkt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe auch Beitrag von Liliana de S\u00e1 Kirchknopf in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Abrufbar unter <a href=\"https:\/\/symbioticsgroup.com\/publications\/\">Symbioticsgroup.com<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2006 er\u00f6ffnete \u00abAuntie\u00bb Esther, wie sie in ihrem Dorf in Ghana von allen genannt wird, einen Lebensmittelladen in einem Container. 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Der Impact-Fonds vernetzte w\u00e4hrend seiner vierj\u00e4hrigen Laufzeit private Investoren mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Schwellenl\u00e4ndern und konnte so privates Kapital zur F\u00f6rderung der wirtschaftlichen Entwicklung mobilisieren. Dank der Partnerschaft wurden 3700 KMU mit 22\u2019000 Mitarbeitenden unterst\u00fctzt. 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