{"id":99237,"date":"2021-04-30T08:27:08","date_gmt":"2021-04-30T08:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/04\/les-deux-questions-incontournables-en-matiere-de-finance-durable\/"},"modified":"2023-08-23T22:49:49","modified_gmt":"2023-08-23T20:49:49","slug":"sustainable-finance-die-zwei-grossen-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/04\/sustainable-finance-die-zwei-grossen-fragen\/","title":{"rendered":"Sustainable Finance: Die zwei grossen Fragen"},"content":{"rendered":"<p>Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Thema auf dem Finanzmarkt geworden. Auch in der Schweiz ist der Markt f\u00fcr nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren stark gewachsen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Allein zwischen 2018 und 2019 legte der Markt um 62 Prozent zu. Nachhaltige Investmentfonds machen inzwischen 38 Prozent des gesamten Fondsmarkts in der Schweiz aus. Zwei immer wiederkehrende Fragen dominieren die Sustainable-Finance-Debatte. Die erste lautet: Wie definiert man nachhaltige Investments?&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nMit nachhaltigen Investments sind Investitionen gemeint, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (\u00abenvironmental, social and governance\u00bb; ESG) in die Anlageentscheidungen mit einbeziehen. ESG findet sich in zahlreichen Marktberichten und bezeichnet dort jede Art von Investition, die diese Nachhaltigkeitsaspekte \u00fcber reine Risiko-Rendite-\u00dcberlegungen hinaus einbezieht \u2013 unabh\u00e4ngig vom Umfang und der Tiefe dieser Einbindung. Der Begriff \u00abnachhaltige Investments\u00bb lehnt sich zudem an das Nachhaltigkeitskonzept der Vereinten Nationen an, wie es etwa im Brundtlandbericht von 1987 vertreten wird.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nLetztlich gilt aber: Die Diskussion dar\u00fcber, was genau ein wirklich nachhaltiges Investment ist und was nicht, ist fruchtlos. Jede wirtschaftliche Aktivit\u00e4t wird potenziell negative \u00f6kologische oder soziale Nebeneffekte oder unbeabsichtigte Folgen erzeugen. Stattdessen muss man feststellen, welche Investitionen eine h\u00f6here oder eine niedrigere Wirkung (Impact) haben.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Welche Strategie?<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie ESG-Investments lassen sich in vier Strategien einteilen (siehe <em>Tabelle<\/em>). Den geringsten Aufwand erfordern sogenannte ESG-gescreente Investitionen, die bestimmte Risiken und ethische Bedenken mindern wollen. Sie konzentrieren sich typischerweise auf bestimmte Ausschlusskriterien. Beispielsweise kann man risikobehaftete Branchen wie Rohstofffirmen oder Erd\u00f6lfirmen vom Portfolio ausschliessen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEinen Schritt weiter gehen die ESG-gemanagten Investitionen: Sie beinhalten ebenfalls Ausschlusskriterien, der Ansatz ist aber insgesamt umfassender als bei den ESG-gescreenten Investitionen. So kommt hier mindestens ein weiterer Bewertungsansatz zum Zuge \u2013 ein Beispiel ist der sogenannte Best-in-Class-Ansatz, bei dem bewusst in die ESG- Vorreiter in einem Industriesektor investiert wird. Typischerweise liefern ESG-gemanagte Anlagen \u2013 basierend auf einem Rating oder einem Score \u2013 dem Kunden eine Grundlage f\u00fcr seine Anlagebeurteilung. Idealerweise sollten entsprechende Anlageprodukte extern verifiziert werden, etwa durch ein Audit oder ein Label.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nNeben diesen beiden Strategien gibt es auch sogenannte Impact-bezogene Investments. Diese haben zum Ziel, die Nachhaltigkeit messbar zu steigern und gleichzeitig eine finanzielle Rendite zu erzielen. In einer aktuellen Studie unterscheiden wir zwischen \u00abwirkungskompatiblen\u00bb und \u00abwirkungseffektiven\u00bb Investitionen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> W\u00e4hrend wirkungskompatible Investitionen ein umfassendes Set von Ausschlusskriterien anwenden und mindestens einen Vor- und einen Nach-Investitionsentscheidungs-Ansatz kombinieren, setzen wirkungseffektive Investitionen auf unterschiedliche Strategien, um eine tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren. Beispielsweise k\u00f6nnen Investoren bei wirkungseffektiven Investitionen zus\u00e4tzliches Kapital bereitstellen, das es Firmen oder Projekten erm\u00f6glicht, eine soziale oder eine \u00f6kologische Wirkung zu erzielen. Weiter k\u00f6nnen sich die Investoren auf Firmen konzentrieren, die zukunftsweisende Ziele zur Erzeugung von Auswirkungen festlegen. Ebenfalls k\u00f6nnen Investoren Firmen zu Ver\u00e4nderungen veranlassen, indem sie sich aktiv als Aktion\u00e4re einbringen: An Jahreshauptversammlungen k\u00f6nnen sie beispielsweise soziale und \u00f6kologische Themen adressieren sowie ein entsprechendes Engagement (d. h. aktiver Dialog) initiieren.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nF\u00fcr beide Arten von Impact-bezogenen Investments muss ein Nachweis der sozialen beziehungsweise der \u00f6kologischen \u00abWesentlichkeit\u00bb erbracht werden. Sprich: Es gilt greifbare, reale Nachhaltigkeitsindikatoren \u2013 wie etwa Treibhausgasemissionen oder die Vertretung von Frauen in den Verwaltungsr\u00e4ten von Unternehmen \u2013 zu definieren und diese zu messen.\u00a0 Entscheidend f\u00fcr wirkungskompatible Investitionen ist, dass die bereits realisierte Wirkung gegen\u00fcber einem Benchmark dokumentiert wird. Bei wirkungseffektiven Investitionen wiederum muss die intendierte Wirkung klar definiert werden.&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Nachhaltige Investments: Vier Strategien<\/h3>\n<p>&#013;<\/p>\n<table width=\"0\">&#013;<\/p>\n<tbody>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td rowspan=\"2\" width=\"154\"><strong>ESG-gescreente Investments<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td rowspan=\"2\" width=\"123\"><strong>ESG-gemanagete Investments<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td colspan=\"2\" width=\"276\"><strong>Impact-bezogene Investments<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td width=\"138\"><strong>Wirkungs-kompatible Investments<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td width=\"138\"><strong>Wirkungs-effektive Investments<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td width=\"154\">Minderung von ESG-bezogenen Risiken und\/oder Ber\u00fccksichtigung von ethischen \u00dcberlegungen im Rahmen von Ausschl\u00fcssen.<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td width=\"123\">Systematische Reflexion \u00fcber ESG-bezogene Risiken und Chancen anhand von ESG-Scores und -Ratings.<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td width=\"138\">Ausrichtung an sozialen und \u00f6kologischen Herausforderungen und Zielen. Vergleich der erreichten Wirkung anhand eines Benchmarks.<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td width=\"138\">Aktiver Beitrag zu sozialen und \u00f6kologischen L\u00f6sungen und Transformationen. Zielformulierung: Welche Wirkung soll erreicht werden?<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#013;<\/p>\n<h2><strong>Es lohnt sich<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie zweite wichtige Frage der Sustainable-Finance-Debatte lautet: Zahlt sich Nachhaltigkeit finanziell aus? In einer Metaanalyse aus dem Jahr 2015 \u00a0haben wir mehr als 2000 empirische Studien analysiert, die seit den 1970er-Jahren zum Zusammenhang zwischen ESG-Kriterien und der Finanzperformance ver\u00f6ffentlicht wurden (siehe <em>Abbildung<\/em>).<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Sustainable Finance und Performance<\/strong><\/h3>\n<p>&#013;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"Busch_5-2021_Abbildung_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#Busch_5-2021_Abbildung_DE').highcharts({     \n\n chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {\n        categories: [\n            'Positiver Zusammenhang (Anteil)',\n            'Negativer Zusammenhang (Anteil)'\n          \n        ],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n    labels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n        min: 0,\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         \n    },\n    \n    plotOptions: {\n        column: {\n            pointPadding: 0.2,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    tooltip: {\n     \n     valueSuffix: '%'\n   \n   \n        },\n    series: [{\n        name: 'Vote-Count-Studien',\n        data: [47.9, 6.9]\n\n    }, {\n        name: 'Metaanalysen',\n        data: [62.6, 8.0]\n\n    }, ]\n});\n});\n\n<\/script>\n&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Dargestellt sind die Daten einer Metaanalyse zwischen 1970 und 2014. Ber\u00fccksichtigt sind einerseits Vote-Count-Studien (\u00abZ\u00e4hlstudien\u00bb), welche die Zahl der Prim\u00e4rstudien z\u00e4hlen, die einen signifikant positiven, negativen oder nicht signifikanten Zusammenhang zeigen. Anderseits sind \u00f6konometrische \u00dcbersichtsstudien, sogenannte Metaanalysen, ber\u00fccksichtigt.<\/span>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Friede et al. (2015) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Ergebnisse der Analyse veranschaulichen eingehend: Knapp die H\u00e4lfte aller untersuchten Studien findet einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen ESG und Finanzperformance \u2013 demgegen\u00fcber finden weniger als 10 Prozent einen negativen Zusammenhang. Bei den verbleibenden Studien gibt es keinen beziehungsweise einen nicht signifikanten Zusammenhang.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Geringerer Effekt bei Aktien<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nEine genauere Betrachtung nach Anlageklassen zeigt: \u00dcberproportional positive Resultate mit ESG-Kriterien erzielt man mit festverzinslichen Anlagen und Immobilien. Bei Aktien ist die Rendite hingegen leicht tiefer. Ob eines der drei ESG-Kriterien einen vermeintlich gr\u00f6sseren Einfluss auf die Finanzperformance hat, l\u00e4sst sich allerdings nicht eindeutig ermitteln: \u00dcber 60 Prozent aller Studien finden einen positiven Zusammenhang zwischen Governance und der Finanzperformance. Dicht darauf folgen allerdings die Studien zu den Umwelt- und Sozialkriterien, somit spielt es keine Rolle, ob man nun einzeln auf Umwelt-, Sozial- oder Governance-Aspekte fokussiert. Aus Sicht der Finanzperformance sind alle gleich relevant.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Ergebnisse belegen, dass sich nachhaltiges Investieren finanziell lohnt. Dieses Ergebnis widerlegt eine weitverbreitete Wahrnehmung unter Investoren. Das Vorurteil, Nachhaltigkeit und Finanzperformance st\u00fcnden in keinem positiven Zusammenhang, resultiert vermutlich vor allem aus Portfolio-basierten Studien, die vermehrt zu neutralen Ergebnissen gekommen sind. Im Gegensatz zu Studien, die Unternehmenskennzahlen wie Umsatz- oder Eigenkapitalrentabilit\u00e4t als Mass f\u00fcr die Finanzperformance anschauen, fokussieren Portfolio-basierte Studien rein auf Marktentwicklungen an den B\u00f6rsen. Diese Ergebnisse sollten daher nicht vorschnell als Gesamtzusammenhang verallgemeinert werden.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nZusammenfassend kann festgehalten werden: Der Nutzen von Nachhaltigkeit ist unbestritten. Nachhaltiges Investieren ist f\u00fcr alle Arten von Investoren relevant, um sie bei der Erf\u00fcllung ihrer treuh\u00e4nderischen Pflichten zu unterst\u00fctzen und gleichzeitig die Interessen von Investoren mit gesellschaftlichen Zielen im Einklang zu halten. Die Herausforderung liegt darin, Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien so in den Anlageprozess zu integrieren, dass einerseits das volle Potenzial von wertsteigernden ESG-Faktoren nutzbar gemacht wird und andererseits reale Impacts generiert werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. hierzu und im Folgenden: SSF (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Busch et al. (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Friede, Busch, Bassen (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Thema auf dem Finanzmarkt geworden. Auch in der Schweiz ist der Markt f\u00fcr nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Allein zwischen 2018 und 2019 legte der Markt um 62 Prozent zu. Nachhaltige Investmentfonds machen inzwischen 38 Prozent des gesamten Fondsmarkts in der Schweiz aus. 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Swiss Sustainable Finance, Zurich.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":99240,"main_focus":[155897,156732],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":99244,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"102217","post_abstract":"Nachhaltige Investments ber\u00fccksichtigen bei den Anlageentscheiden Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG). Sie lassen sich, nach aufsteigender Intensit\u00e4t, in vier Strategien einteilen: ESG-Screening, ESG-Management, wirkungskompatible Investitionen und wirkungseffektive Investitionen. Sustainable Finance lohnt sich auch finanziell, wie eine Metastudie zeigt. 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