{"id":99311,"date":"2021-04-30T08:27:07","date_gmt":"2021-04-30T08:27:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/04\/les-agences-publiques-de-credit-a-lexportation-en-concurrence\/"},"modified":"2023-08-23T22:50:10","modified_gmt":"2023-08-23T20:50:10","slug":"staatliche-exportkreditagenturen-im-wettbewerb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/04\/staatliche-exportkreditagenturen-im-wettbewerb\/","title":{"rendered":"Staatliche Exportkreditagenturen im Wettbewerb"},"content":{"rendered":"<p>Der Aussenhandel ist f\u00fcr die Schweiz zentral: Warenexporte machen gem\u00e4ss dem Bundesamt f\u00fcr Statistik \u00fcber 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Nicht nur multinationale Konzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) agieren in einem immer dynamischeren und herausfordernderen globalen Umfeld. Sie m\u00fcssen sich einem vermehrt durch die Digitalisierung gepr\u00e4gten Konkurrenzkampf stellen. Daneben geben die Besteller in den Absatzm\u00e4rkten verst\u00e4rkt den Ton an, insbesondere was Finanzierungskonditionen betrifft. Gleichzeitig ist Protektionismus in den ausl\u00e4ndischen Absatzm\u00e4rkten auf dem Vormarsch: Zum Schutz der Wirtschaft werden dort immer h\u00e4ufiger Importe beschr\u00e4nkt, oder die eigene Exportwirtschaft wird durch gezielte staatliche Massnahmen gef\u00f6rdert. Beispiele hierf\u00fcr sind neben Importz\u00f6llen quantitative Einfuhrbeschr\u00e4nkungen, unn\u00f6tig komplizierte technische Standards und Subventionen.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Finanzierung als Wettbewerbsfaktor<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDas Thema Finanzierung ist im Aussenhandel ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Grosse Bedeutung haben nicht nur Finanzierungskosten, sondern auch Laufzeit, Zeitpunkt der Kreditzusage sowie Sicherheiten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Indem Exportunternehmen ihren ausl\u00e4ndischen Kunden Kredite anbieten, erh\u00f6hen sich die Chancen auf einen Auftrag. Der ausl\u00e4ndische K\u00e4ufer kann die Zahlung des Kaufpreises \u00fcber einen dem Investitionsvolumen und der wirtschaftlichen Nutzungsdauer angemessenen Zeitraum leisten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEine zentrale Rolle spielen staatliche Exportfinanzierungen. Regierungen f\u00fcllen mit Exportkreditagenturen (ECA) Liquidit\u00e4tsl\u00fccken bei Marktversagen oder mindern Risiken aus dem Auslandsgesch\u00e4ft. Exportkreditagenturen erm\u00f6glichen h\u00e4ufig erst den Zugang zu neuen M\u00e4rkten, indem sie exportierende Unternehmen gegen Forderungsausf\u00e4lle absichern. Dadurch k\u00f6nnen Exporteure Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder erschliessen, ihre Marktabh\u00e4ngigkeiten reduzieren und Wirtschaftsbeziehungen auch in schwierigen Situationen aufrechterhalten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nStaatliche Exportkreditagenturen sind daher ein zentrales Instrument der Aussenwirtschaftsf\u00f6rderung, auch wenn sie meist als sogenannter Insurer of Last Resort betrachtet werden und insbesondere in der Schweiz subsidi\u00e4r agieren.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Sie sind antizyklische Instrumente und haben beispielsweise in der globalen Finanzkrise 2008 eine zentrale Rolle gespielt. Die f\u00fcr die Exportwirtschaft sp\u00fcrbaren Auswirkungen der Corona-Krise haben viele Regierungen erneut dazu bewogen, teilweise erhebliche Ver\u00e4nderungen an den Instrumenten vorzunehmen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem der Ausbau von Finanzierungsm\u00f6glichkeiten, Produktverbesserungen und mehr Garantien f\u00fcr Betriebsmittelkredite. Innovationsdruck im Bereich Exportfinanzierung entsteht auch durch die wachsende Bedeutung der Klimapolitik.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Benchmarking gewinnt an Bedeutung<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nStaatliche Exportrisikoversicherungen sind Dienstleistungen mit Monopolcharakter.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Da der Wettbewerb fehlt oder nur eingeschr\u00e4nkt spielt, ist es \u2013 im Vergleich zu einem Markt, wo der Wettbewerb spielt \u2013 schwieriger, Aussagen zu Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu machen. Einen Ausweg aus dieser Situation bietet das sogenannte Benchmarking, bei welchem Strategie, Organisationsstrukturen, Produkte oder Prozesse international verglichen werden.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nStatt an einem idealen Zielbild orientieren sich moderne Benchmarking-Verfahren an der \u00abrelativen Effizienz\u00bb. Das heisst, sie ber\u00fccksichtigen wichtige Faktoren auf Input- und Output-Ebene und bewerten diese im Vergleich zu den erfolgreichsten teilnehmenden Organisationen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Zum Beispiel wird verglichen, mit wie vielen Mitarbeitenden (Input) wie viele Transaktionen und Volumina (Output) j\u00e4hrlich abgewickelt werden. Bei zahlreichen Exportkreditagenturen geh\u00f6ren externe Benchmarkingstudien inzwischen zum Standard. Zur Erfolgsmessung ihrer Exportrisikoversicherungen haben beispielsweise D\u00e4nemark, die Niederlande und Spanien seit 2017 umfassende Analysen durchf\u00fchren lassen. Dazu verglichen sie Daten wie Mitarbeiterzahl, Versicherungsvolumen, gef\u00f6rderte Exporte oder Anzahl der unterst\u00fctzten KMU mit Exportkreditagenturen anderer Industriestaaten.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#013;<\/p>\n<h2><strong>Strategische Ziele als Ausl\u00f6ser<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nIm Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen Exportkreditagenturen agiert die <a href=\"https:\/\/www.serv-ch.com\/organisation\/ueber-die-serv\/\">Schweizerische Exportrisikoversicherung (Serv)<\/a> ordnungspolitisch zur\u00fcckhaltend. So bietet sie keine direkte Finanzierung und keine Investitionsrisikoversicherung an. In ihrem Kerngesch\u00e4ft, der Exportversicherung, agiert sie subsidi\u00e4r. In den strategischen Zielen des Bundesrates f\u00fcr die Serv 2020 bis 2023 ist die langfristige Erhaltung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zentral. Wettbewerbsvorteile sind immer relativ und h\u00e4ngen davon ab, wie die Mitspieler sich entwickeln.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUm die Frage der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizerischen Exportrisikoversicherung zu kl\u00e4ren, hat das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) gemeinsam mit der Serv das Beratungsunternehmen TradeRx mit der Durchf\u00fchrung einer Benchmarkinganalyse beauftragt. Eine Zusammenfassung wurde im Februar 2021 ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Das Seco definierte gemeinsam mit TradeRx eine repr\u00e4sentative Auswahl von Ansprech- und Vergleichspartnern. Darunter finden sich beispielsweise Deutschland, Frankreich, Italien, \u00d6sterreich, D\u00e4nemark, die Niederlande, Grossbritannien, Spanien, S\u00fcdkorea und Japan. F\u00fcr das Benchmarking wurden auch viele nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Prim\u00e4rdaten erhoben, um ein m\u00f6glichst umfassendes Bild zu erhalten.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Serv mit guten Noten<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nWie steht es um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Serv? Im Vergleich mit anderen Exportkreditagenturen erzielt die Serv in zahlreichen Feldern sehr gute bis exzellente Ergebnisse. So sind ihre Ziele auf die \u00fcbergeordnete Aussenwirtschaftsstrategie der Schweiz abgestimmt. F\u00fchrung und Mitarbeitende gelten als kompetent und zukunftsorientiert. Der Serv-Verpflichtungsrahmen wurde auch angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie als ausreichend bewertet, um schweizerische Exporteure angemessen zu unterst\u00fctzen. Weiter sind auch die Neuregelungen zur nationalen Wertsch\u00f6pfung, welche der Bundesrat im Rahmen der Covid-Massnahmen auf 1. September 2020 eingef\u00fchrt hat, im globalen Vergleich angemessen. Bei Transaktionszahlen und Versicherungsvolumina beweist die Serv besondere Leistungsst\u00e4rke.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nVerbesserungsf\u00e4hig sind hingegen die Prozesse, welche die operationelle Ebene sowie die erfolgreiche Erneuerung der IT-Infrastruktur einschliessen. Bei der Kundenfeedback-Kultur werden ebenfalls Verbesserungen angeregt. Da das beschr\u00e4nkte Produktangebot der Serv im internationalen Vergleich im Mittelfeld einzuordnen ist, sollten einzelne Versicherungsprodukte stetig \u00fcberpr\u00fcft und angepasst werden. Die Gutachter empfehlen zudem neue und innovative Ans\u00e4tze zur Kommunikations- und Distributionspolitik der Schweizerischen Exportrisikoversicherung.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Ordnungspolitisches Dilemma<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nAbschliessend l\u00e4sst sich sagen: Die Serv hat im internationalen Vergleich mit anderen Exportkreditagenturen in zahlreichen Feldern sehr gute bis exzellente Ergebnisse erzielt. Will die Schweiz auch k\u00fcnftig nationale Unternehmen beim Export von G\u00fctern und Dienstleistungen optimal unterst\u00fctzen, wird sie allerdings zunehmend in einen Zielkonflikt geraten. Auf der einen Seite gilt es, den in der Schweiz breit anerkannten und tief verankerten Grundsatz der Subsidiarit\u00e4t zu wahren und damit Exportunterst\u00fctzung als \u00abInsurer of Last Resort\u00bb in einem sehr begrenzten, nicht wettbewerbsverzerrenden Rahmen zu leisten. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass Schweizer Exportunternehmen aufgrund der stark ausgebauten Unterst\u00fctzungsmassnahmen anderer Staaten einen systematischen Nachteil gegen\u00fcber ihrer ausl\u00e4ndischen Konkurrenz erleiden.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAus Sicht des Bundesrates ist die langfristige Erhaltung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Serv zentral. Es ist ein strategisches Ziel der Schweiz, dass die Serv die Schweizer Exportwirtschaft und insbesondere KMU effizient unterst\u00fctzt und auch in Zukunft international zur Spitzengruppe geh\u00f6rt. Das Benchmarking bietet daher eine wertvolle Grundlage, um am Anfang der strategischen Zielperiode 2020 bis 2023 die Weichen f\u00fcr notwendige Vertiefungen zu legen sowie operationelle Optimierungen durch die Serv selbst einzuleiten.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. Chor und Manova (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Im Detail Gianturco (2001).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Schweizerische Eidgenossenschaft (2009).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Bogetoft (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe hierzu Klasen und B\u00e4rtl (2019) sowie EFQM (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">TradeRx (2021). Der Co-Autor dieses Beitrags, Andreas Klasen, ist massgeblich an der Studie beteiligt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aussenhandel ist f\u00fcr die Schweiz zentral: Warenexporte machen gem\u00e4ss dem Bundesamt f\u00fcr Statistik \u00fcber 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Nicht nur multinationale Konzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) agieren in einem immer dynamischeren und herausfordernderen globalen Umfeld. Sie m\u00fcssen sich einem vermehrt durch die Digitalisierung gepr\u00e4gten Konkurrenzkampf stellen. 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Strategic Benchmarking \u2013 an ECA and Exim-Bank Best Practice Approach.\u00a0Berne Union Yearbook. 2019, 148\u2013151.<\/li>&#13;\n \t<li>Schweizerische Eidgenossenschaft (2009). Umsetzungsplanung zum Corporate-Governance-Bericht des Bundesrates.<\/li>&#13;\n \t<li>TradeRx (2021). SERV-Benchmarking 2020, Zusammenfassung. Studie im Auftrag von Seco und Serv.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":99314,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":99318,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"102577","post_abstract":"Staatliche Exportkreditagenturen spielen in allen Industriel\u00e4ndern eine wichtige Rolle. Ziel ist es, Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der eigenen Exportwirtschaft in einem sich rasant wandelnden globalen Umfeld zu erhalten. Um Effizienz und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Exportversicherungen absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, ist es in vielen L\u00e4ndern \u00fcblich, ihre Instrumente im Rahmen eines internationalen Benchmarkings zu evaluieren. Ergebnisse einer Studie f\u00fcr die Schweiz zeigen, dass die Schweizerische Exportrisikoversicherung (Serv) im globalen Vergleich in vielen Bereichen sehr gute bis exzellente Effizienzwerte erzielt. 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