{"id":99326,"date":"2021-04-30T08:27:07","date_gmt":"2021-04-30T08:27:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/04\/investissements-a-impact-social-comment-ameliorer-la-transparence\/"},"modified":"2023-08-23T22:50:17","modified_gmt":"2023-08-23T20:50:17","slug":"impact-investment-wie-erhoeht-man-die-transparenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/04\/impact-investment-wie-erhoeht-man-die-transparenz\/","title":{"rendered":"Impact-Investment: Wie erh\u00f6ht man die Transparenz?"},"content":{"rendered":"<p>Die UNO-Nachhaltigkeitsziele haben die Finanzbranche aufger\u00fcttelt: Nachhaltigkeit ist inzwischen f\u00fcr viele Investoren zu einem wichtigen Faktor geworden. Einige \u00abImpact\u00bb-orientierte Investoren sind daf\u00fcr gar bereit, Zugest\u00e4ndnisse beim Ertrag hinzunehmen. Andere Investoren wiederum ber\u00fccksichtigen Nachhaltigkeits\u00fcberlegungen mehr aus Risikosicht: Wer beispielsweise aufgrund der Klimapolitik eines Staates damit rechnet, dass ein Kohlekraftwerk in absehbarer Zeit schliesst, wird dieses als Investitionsobjekt meiden.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nIn der Summe entfalten beide Investitionsstrategien eine Wirkung: So d\u00fcrften klimasch\u00e4dliche Firmen vermehrt M\u00fche haben, Investoren zu finden \u2013 weshalb sie etwa Kohlekraftwerke wom\u00f6glich fr\u00fcher als geplant stilllegen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nNachhaltige Investitionen umfassen allerdings mehr als nur den Umweltschutz. Je nach Absicht eines Investors k\u00f6nnen auch soziale Aspekte sowie die Governance eines Unternehmens im Vordergrund stehen. Daher fasst man die Nachhaltigkeitsziele meist unter den Aspekten \u00abenvironmental\u00bb, \u00absocial\u00bb und \u00abgovernance\u00bb (ESG) zusammen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nNeben verm\u00f6genden Privatkunden und institutionellen Investoren ber\u00fccksichtigen zunehmend auch Kleinkunden Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Investitionsentscheiden. Somit beschr\u00e4nkt sich Impact-Investment nicht mehr auf Impact-Fonds f\u00fcr spezialisierte Investoren, sondern umfasst auch Portfolios durchschnittlicher Anleger.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEine Schwachstelle ist jedoch die Messbarkeit der Nachhaltigkeitskriterien. Damit die Investoren die Wirkung besser messen k\u00f6nnen, muss die Transparenz verbessert werden. Deren Bedeutung wird dadurch verst\u00e4rkt, dass die Preise f\u00fcr G\u00fcter und Dienstleistungen die negativen externen Effekte durch klimasch\u00e4dliche CO<sub>2<\/sub>-Emissionen noch nicht ausreichend ber\u00fccksichtigen. Nur die Internalisierung von solchen negativen Effekten erlaubt eine effiziente Preisbildung auf den M\u00e4rkten.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Staat h\u00e4lt sich zur\u00fcck<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nWie l\u00e4sst sich also die Transparenz erh\u00f6hen? Gem\u00e4ss dem <a href=\"https:\/\/www.sif.admin.ch\/sif\/de\/home\/dokumentation\/medienmitteilungen\/medienmitteilung.msg-id-79606.html\">Bericht vom 26 Juni 2020<\/a> kommt dem Staat bei Sustainable Finance eine subsidi\u00e4re Rolle zu: Regulatorische Instrumente soll er nur dann einsetzen, wenn dadurch ein effizienteres Handeln der Marktakteure m\u00f6glich wird als ohne staatlichen Eingriff. Es gilt dabei die verschiedenen Initiativen und Arbeiten, die insbesondere von den massgebenden Verb\u00e4nden unternommen werden, zu ber\u00fccksichtigen beziehungsweise zu komplementieren.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEin Beispiel f\u00fcr einen regulatorischen Eingriff ist der Gegenvorschlag zur j\u00fcngst abgelehnten Konzernverantwortungsinitiative. Demnach sollen gr\u00f6ssere Unternehmen einen j\u00e4hrlichen Bericht zu nicht finanziellen Belangen publizieren. Das heisst, sie m\u00fcssen unter anderem auch Rechenschaft \u00fcber Umweltbelange wie etwa ihre CO<sub>2<\/sub>-Ziele ablegen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUm die Transparenz weiter zu erh\u00f6hen, arbeitet das Staatssekretariat f\u00fcr internationale Finanzfragen (SIF) eng mit der Finanzbranche und weiteren Involvierten zusammen. Ausdruck einer solchen Politik ist zum Beispiel, dass gr\u00f6ssere Unternehmen einen von der Wirtschaft erarbeiteten internationalen <a href=\"https:\/\/www.sif.admin.ch\/sif\/de\/home\/dokumentation\/medienmitteilungen\/medienmitteilung.msg-id-81924.html\">Offenlegungsstandard<\/a> im Bereich Klima umsetzen sollen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEin weiteres, ebenfalls nicht regulatorisches Instrument zur Verbesserung der Transparenz im Klimabereich sind Klimavertr\u00e4glichkeitstests. Um m\u00f6glichst viele Finanzinstitute dazu zu ermutigen, stellten das Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) und das SIF 2017 und 2020 ein kostenloses <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/klima\/fachinformationen\/klima-und-finanzmarkt.html\">Analyseinstrument<\/a> zur Verf\u00fcgung. Es erm\u00f6glichte Pensionskassen und Versicherungen, und inzwischen auch Banken und Verm\u00f6gensverwaltern, ihre Portfolios auf Klimavertr\u00e4glichkeit hin zu testen. Unter dem Stichwort Pacta (Paris Agreement Capital Transition Assessment) wurde diese Initiative mit anderen L\u00e4ndern koordiniert.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEin anschauliches Beispiel daf\u00fcr, wie institutionelle Investoren ihre Anlageentscheide konsequenter und transparenter an die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen binden k\u00f6nnen, ist die neue Anlagepolitik der Pensionskasse des Bundes <a href=\"https:\/\/publica.ch\/home\/_detail-3926\/30812%252Fpublica-fuehrt-klimaeffizienten-aktienindex-ein\">Publica<\/a>. Bis Ende 2021 f\u00fchrt Publica schrittweise einen klimaeffizienten Aktienindex ein. Dieser erm\u00f6glicht es, Investitionen in Unternehmen, die sich bez\u00fcglich Klimarisiken negativ exponieren, unterzugewichten und Investitionen in Unternehmen, die bereits gut auf Klimarisiken vorbereitet sind, \u00fcberzugewichten.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Neue<\/strong><strong> Technologien nutzen<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nZu den Hauptgr\u00fcnden, warum die Finanzstr\u00f6me nicht bereits besser auf die Nachhaltigkeitsziele abgestimmt sind, geh\u00f6rt das Fehlen kosteng\u00fcnstiger, vertrauensw\u00fcrdiger und zeitnaher Daten, die es erm\u00f6glichen, Nachhaltigkeitsrisiken und -auswirkungen bei Finanzmarktentscheidungen optimal einzubeziehen. Vielversprechend scheinen daher digitale Technologien, die grosse Mengen an Daten verarbeiten k\u00f6nnen. Beispiele sind Satellitendaten und Fernsensoren, die eine breite Palette neuer Nachhaltigkeitsinformationen zur Bewertung physikalischer Risiken und Auswirkungen erm\u00f6glichen. Auch maschinelles Lernen und k\u00fcnstliche Intelligenz helfen, unsere F\u00e4higkeit, eine grosse Anzahl an Informationen f\u00fcr finanzielle Entscheidungen in Umwelterkenntnisse umzuwandeln, zu erweitern.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus haben digitale Technologien das Potenzial, einer breiteren Anlegerschaft eine Wirkung mit ihren Portfolios zu erm\u00f6glichen. \u00dcber standardisierte und gesicherte Schnittstellen k\u00f6nnten beispielsweise Anleger ihre Bankportfolios bei einer Technologiefirma auf Klimavertr\u00e4glichkeit pr\u00fcfen oder basierend auf Empfehlungen einer Technologiefirma Anlageentscheide treffen, mit denen spezifische Wirkungen erzielt werden, ohne dabei die Bank wechseln zu m\u00fcssen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Kombination digitaler Technologien und nachhaltiger Finanzen ist eine grosse Chance f\u00fcr den Finanzplatz Schweiz. Als Leader in Innovation und Finanzdienstleistungen ist das Land diesbez\u00fcglich ideal positioniert. In seinem j\u00fcngsten Bericht zur Finanzmarktpolitik bekr\u00e4ftigte der Bundesrat sein Engagement f\u00fcr die Positionierung des Schweizer Finanzplatzes als weltweit f\u00fchrend in der Ausn\u00fctzung des Potenzials digitaler Technologien im Bereich Sustainable Finance (Green Fintech). Um zu identifizieren, in welchen Bereichen die Rahmenbedingungen f\u00fcr Green Fintechs in der Schweiz verbessert werden k\u00f6nnten, arbeitet das SIF mit Schl\u00fcsselexperten der Green-Fintech-Branche zusammen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die UNO-Nachhaltigkeitsziele haben die Finanzbranche aufger\u00fcttelt: Nachhaltigkeit ist inzwischen f\u00fcr viele Investoren zu einem wichtigen Faktor geworden. Einige \u00abImpact\u00bb-orientierte Investoren sind daf\u00fcr gar bereit, Zugest\u00e4ndnisse beim Ertrag hinzunehmen. 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Die daf\u00fcr notwendige Transparenz in Bezug auf die Messbarkeit von Nachhaltigkeitswirkungen fehlt derzeit jedoch noch oft. Der Bund soll daher, in enger Zusammenarbeit mit den Involvierten, durch optimale Rahmenbedingungen die hierf\u00fcr notwendigen Voraussetzungen schaffen. Dies umfasst punktuell regulatorische Massnahmen. Aber auch digitale Technologien bieten Potenzial f\u00fcr mehr Transparenz in den Finanzm\u00e4rkten. 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