{"id":99371,"date":"2021-04-30T08:27:07","date_gmt":"2021-04-30T08:27:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/04\/libre-echange-ou-integration\/"},"modified":"2023-08-23T22:50:26","modified_gmt":"2023-08-23T20:50:26","slug":"freihandel-versus-integration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/04\/freihandel-versus-integration\/","title":{"rendered":"Freihandel versus Integration?"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte um die Beziehung der Schweiz zur EU wird wieder intensiver. Interessanterweise gibt es unter den zahlreichen Opponenten des institutionellen Rahmenabkommens wenige, die wirtschaftliche Argumente anbringen \u2013 meist geht es um das abstrakte (und hoch emotionale) Thema der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t. Eine Ausnahme bilden ultraliberale Kreise, welche argumentieren, die Schweiz fahre langfristig besser, wenn sie statt auf verst\u00e4rkte Integration in den EU-Binnenmarkt auf mehr Freihandel mit Drittstaaten setze.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDiese These scheint aus zwei Gr\u00fcnden zweifelhaft. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass der Handelsanteil von Drittstaaten weiterhin so markant zulegt wie j\u00fcngst. So sch\u00e4tzt die Credit Suisse, dass der Exportanteil von China auch bei weiterhin robustem, im Trend allerdings eher r\u00fcckl\u00e4ufigem BIP-Wachstum in den n\u00e4chsten zehn Jahren \u2013 trotz Freihandelsabkommen (FHA) \u2013 auf maximal 9 Prozent ansteigt (2019: 5,5%).&#013;<\/p>\n<h2>Freihandel mit den USA unwahrscheinlich<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDer Exportanteil der USA ist (ohne FHA) zwischen 2010 und 2019 von 10,1 Prozent auf 17,3 Prozent und damit noch rascher gestiegen als derjenige Chinas. Ein weiterer Anstieg erscheint aber unwahrscheinlich, denn das hohe Wachstum war vor allem den boomenden Pharmaexporten zu verdanken, die nun aus US-innenpolitischen Gr\u00fcnden unter Druck geraten k\u00f6nnten. Zudem ist der Abschluss eines FHA mit den USA, welches auch anderen Branchen zugutek\u00e4me, unwahrscheinlich. Denn die Schweiz m\u00fcsste hierzu ihre landwirtschaftlichen Importz\u00f6lle massiv senken. Bei anderen Drittl\u00e4ndern oder Regionen (UK, Japan, \u00fcbriges Asien oder Lateinamerika) ist entweder die Ausgangsbasis oder die Wachstumsaussicht zu gering, um \u2013 mit oder ohne FHA \u2013 einen markanten Wachstumsbeitrag f\u00fcr die Schweizer Exporte leisten zu k\u00f6nnen. Der Exportanteil der EU d\u00fcrfte nun deshalb viel langsamer sinken.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nZweitens impliziert die These der EU-Skeptiker, dass der Wohlstandseffekt einer Integration \u00fcbersch\u00e4tzt wird. Die meisten Studien kommen aber zum Schluss, dass die bilateralen Vertr\u00e4ge unserem Land nicht nur einen hohen absoluten Mehrwert, sondern auch ein h\u00f6heres Pro-Kopf-Einkommen gebracht haben. Wie sich die Integrationsbeitr\u00e4ge in Zukunft entwickeln, h\u00e4ngt von zwei Faktoren ab: dem Wachstum im EU-Binnenmarkt sowie der Entwicklung des Zugangs und der Wettbewerbsposition von Schweizer Unternehmen im Binnenmarkt. W\u00e4hrend die Wachstumsraten in der EU vor allem aus demografischen Gr\u00fcnden eher moderat bleiben werden, k\u00f6nnten gewisse wirtschaftspolitische Entwicklungen (u. a. die Schritte in Richtung Fiskal-, Banken- und Kapitalmarktunion) durchaus wachstumsf\u00f6rdernd sein.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nBeim Status quo oder einer vertieften Integration w\u00fcrde die Schweiz also profitieren. Anders sieht es bei einer Erosion der bilateralen Vertr\u00e4ge oder Retorsionsmassnahmen der EU aus: Dies w\u00fcrde viele Schweizer KMU treffen, die \u00fcberproportional zur Besch\u00e4ftigung beitragen. Unsere KMU-Umfrage von 2019 zeigt, dass 85 Prozent der befragten (mittelgrossen) Schweizer Firmen den ungehinderten Zugang zum Binnenmarkt als wichtig oder eher wichtig erachten \u2013 zu dem Markt also, in den auch in Zukunft rund die H\u00e4lfte aller Schweizer Exporte gehen. Kurz: Freihandel kann Integration nicht ersetzen. Die Schweiz braucht beides!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte um die Beziehung der Schweiz zur EU wird wieder intensiver. Interessanterweise gibt es unter den zahlreichen Opponenten des institutionellen Rahmenabkommens wenige, die wirtschaftliche Argumente anbringen \u2013 meist geht es um das abstrakte (und hoch emotionale) Thema der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t. 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