{"id":99559,"date":"2021-03-31T14:17:14","date_gmt":"2021-03-31T14:17:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/03\/remettre-le-consommateur-au-centre\/"},"modified":"2024-02-08T14:59:46","modified_gmt":"2024-02-08T13:59:46","slug":"die-konsumenten-ins-zentrum-stellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/03\/die-konsumenten-ins-zentrum-stellen\/","title":{"rendered":"Die Konsumenten ins Zentrum stellen"},"content":{"rendered":"<p>Das Prinzip der Swissness ist einfach: Auf einem Lebensmittel \u2013 beispielsweise auf einer Glaceverpackung \u2013 darf nur dann das Schweizer Kreuz aufgedruckt werden, wenn es in der Schweiz hergestellt wurde und 80\u00a0Prozent der Zutaten aus dem Inland stammen. Das ist ein Fortschritt. Doch in den Verkaufsregalen sieht die Sache oft komplizierter aus. Ein Kuchen mit Waldbeeren darf das rote Logo mit dem weissen Kreuz tragen, falls es sich um Heidelbeeren handelt, selbst wenn diese importiert sind, nicht aber, wenn er importierte Brombeeren oder Johannisbeeren enth\u00e4lt. Alles klar?<\/p>\n<p>F\u00fcr Kopfzerbrechen sorgen auch die Regeln zu Rohstoffen, die in der Schweiz nicht in ausreichender Menge oder gen\u00fcgender Qualit\u00e4t hergestellt werden, um den Bedarf der Lebensmittelindustrie zu decken. So m\u00fcssen die Haferflocken im Bircherm\u00fcesli beispielsweise nicht aus der Schweiz stammen, da der Selbstversorgungsgrad zu gering ist. Diese Logik stellt nicht die Konsumentinnen und Konsumenten ins Zentrum, sondern die Landwirtschaft und die Industrie, und missachtet einen wesentlichen Punkt: Einem Label m\u00fcssen wir als Konsument vertrauen k\u00f6nnen. Wir d\u00fcrfen nicht durch Ausnahmen in die Irre gef\u00fchrt werden, die der Intuition widersprechen.<\/p>\n<h2><strong>L\u00fcckenhafte Herkunft<\/strong><\/h2>\n<p>Die Westschweizer Konsumentenvereinigung (FRC) beobachtet die Marke Schweiz auf den Verpackungen daher seit L\u00e4ngerem genau. Bei den politischen Verhandlungen zur Swissness-Gesetzgebung setzten wir uns daf\u00fcr ein, dass Konsumenten anhand von transparenten Angaben bewusste Entscheidungen treffen k\u00f6nnen. Entsprechend m\u00fcssen der Herkunftsort der Rohstoffe und der Herstellungsort der Lebensmittel deklariert werden. Die Gesetzgebung ist nun seit vier Jahren in Kraft \u2013 trotzdem sind wir noch nicht am Ziel: Die Herkunftsangaben sind allzu oft unvollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Nebst den undurchsichtigen Ausnahmeregelungen gilt es auch die Kontrollen zu verbessern: Vorschriften sind nur glaubw\u00fcrdig, wenn kontrolliert wird. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Statistiken zur korrekten Verwendung des Schweizer Kreuzes fehlen. Der Grund daf\u00fcr liegt in den fehlenden Ressourcen der Vollzugsbeh\u00f6rden. Wir haben daher vorgeschlagen, dass eine Informationsplattform f\u00fcr Konsumenten geschaffen wird, auf der fehlende Angaben gemeldet werden k\u00f6nnen. So k\u00f6nnte man das Vertrauen ins System und die Glaubw\u00fcrdigkeit st\u00e4rken. Leider wird unser Vorschlag als nicht priorit\u00e4r angesehen.<\/p>\n<p>Insgesamt zeigen die letzten vier Jahre, dass der vom Bundesrat gew\u00e4hlte Weg in die richtige Richtung geht. Die Regierung hat erkannt, dass die Informationskluft zwischen Produzenten und Konsumenten geschlossen werden muss, und r\u00e4umt ein, dass bei den Produktangaben Verbesserungen notwendig sind. Doch die \u00dcberlegungen zielen einzig auf das Portemonnaie der Kunden ab. Diese m\u00fcssten st\u00e4rker in die Ausgestaltung des Systems einbezogen werden. Dabei gilt es, sich den urspr\u00fcnglichen Zweck der Gesetzgebung vor Augen zu f\u00fchren: Die Swissness muss dazu dienen, die Konsumenten besser zu informieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Prinzip der Swissness ist einfach: Auf einem Lebensmittel \u2013 beispielsweise auf einer Glaceverpackung \u2013 darf nur dann das Schweizer Kreuz aufgedruckt werden, wenn es in der Schweiz hergestellt wurde und 80\u00a0Prozent der Zutaten aus dem Inland stammen. Das ist ein Fortschritt. Doch in den Verkaufsregalen sieht die Sache oft komplizierter aus. 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