{"id":99566,"date":"2021-03-31T14:17:14","date_gmt":"2021-03-31T14:17:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/03\/deuxieme-pilier-une-redistribution-des-hauts-vers-les-bas-revenus\/"},"modified":"2023-08-23T22:50:23","modified_gmt":"2023-08-23T20:50:23","slug":"umverteilung-von-hohen-zu-tiefen-loehnen-in-der-zweiten-saeule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/03\/umverteilung-von-hohen-zu-tiefen-loehnen-in-der-zweiten-saeule\/","title":{"rendered":"Umverteilung von hohen zu tiefen L\u00f6hnen in der zweiten S\u00e4ule"},"content":{"rendered":"<p>Sinkende Zinsen auf risikolosen Kapitalanlagen und seit 2015 sogar Negativzinsen f\u00fcr zehnj\u00e4hrige Anleihen der Eidgenossenschaft: Unter diesen Voraussetzungen bekunden Pensionskassen immer mehr M\u00fche, ihre Leistungsversprechungen einzuhalten, ohne dabei erh\u00f6hte Anlagerisiken einzugehen. Doch auch h\u00f6here Risiken sind nicht unumstritten, denn diese widersprechen dem Sicherheitsgedanken der beruflichen Vorsorge. Demzufolge soll die berufliche Vorsorge zusammen mit der AHV die Fortf\u00fchrung des gewohnten Lebensstandards in angemessener Weise erm\u00f6glichen. Diese in der Verfassung verankerte Zielsetzung gilt nach verbreiteter Auffassung als erf\u00fcllt, wenn die Gesamtrente aus AHV und beruflicher Vorsorge 60 Prozent des letzten Lohns betr\u00e4gt.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Pensionskassen stehen vor einem Dilemma: Mehr Risiken eingehen f\u00fcr h\u00f6here Renditen? Oder tiefere Renditen, daf\u00fcr eine h\u00f6here Sicherheit bei den Renten? Das aktuelle Marktumfeld und die demografischen Entwicklungen haben dazu gef\u00fchrt, dass die Rentenversprechen des Bundesgesetzes \u00fcber die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) l\u00e4ngerfristig nicht mehr garantiert werden k\u00f6nnen. Denn sowohl der Mindestzinssatz wie auch der Umwandlungssatz sind seit Jahren zu hoch angesetzt. Was bedeutet das f\u00fcr die Pensionskassen? Und wie sind unsere Renten davon betroffen?&#013;<\/p>\n<h2>Geringer Handlungsspielraum<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nPensionskassen, welche ausschliesslich L\u00f6hne im obligatorischen BVG-Teil versichern, haben aufgrund der gesetzlichen Leistungsvorgaben einen \u00e4usserst beschr\u00e4nkten Handlungsspielraum (siehe <em>Kasten<\/em>). Im obligatorischen Teil gilt n\u00e4mlich ein Mindestumwandlungssatz von heute 6,8 Prozent, der nicht unterschritten werden darf. Anders die Kassen, welche auch L\u00f6hne im \u00dcberobligatorium versichern. Sie k\u00f6nnen den Umwandlungssatz auf den \u00fcberobligatorischen Teil deutlich tiefer ansetzen. So k\u00f6nnen sie die BVG-Verpflichtungen zulasten der \u00fcberobligatorischen L\u00f6hne quersubventionieren und so die gesetzlichen Vorgaben im Obligatorium erf\u00fcllen. Aktuell wird vermutet, dass diese Kassen die Leistungen im \u00dcberobligatorium zugunsten der BVG-L\u00f6hne abbauen und so die Gelder der Besserverdienenden zu den Weniger-gut-Verdienenden umverteilen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDoch stimmt diese Behauptung, und l\u00e4sst sie sich empirisch \u00fcberpr\u00fcfen? Wenn Versicherte ohne \u00dcberobligatorium im Verh\u00e4ltnis zu ihrem letzten Lohn eine h\u00f6here Pensionskassenrente aufweisen als Personen mit \u00dcberobligatorium, w\u00e4re die Umverteilung nachgewiesen. Mit Daten des Schweizer Haushaltspanels (SHP) f\u00fcr die Zeitperiode von 2002 bis 2018 l\u00e4sst sich dies analysieren. Der SHP erfasst allerdings keine Daten zum Vorsorgekapital. Die Zuteilung zum BVG und zum \u00dcberobligatorium muss aufgrund der Lohnh\u00f6he vorgenommen werden, was auf der Ebene individueller Personen die bestm\u00f6gliche Approximation darstellt. Zun\u00e4chst wollen wir jedoch zeigen, wie sich die versicherten L\u00f6hne und die Arbeitnehmenden auf die BVG-Versicherungskategorien aufteilen. Dies liefert bereits ein erstes Indiz \u00fcber die potenziellen Umverteilungseffekte.&#013;<\/p>\n<h2>Mehr M\u00e4nner im \u00dcberobligatorium<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nEine repr\u00e4sentative Stichprobe von rund 3000 Personen, welche im SHP j\u00e4hrlich erfasst werden, zeigt, dass der Grossteil des Vorsorgekapitals von aktiv Versicherten zwischen 2002 und 2018 im \u00dcberobligatorium versichert ist. Der obligatorische Teil macht knapp ein Drittel aus (siehe <em>Abbildung<\/em>). Diese Aufteilung bleibt \u00fcber die Jahre relativ konstant. Auffallend ist jedoch, dass M\u00e4nner mit 81 Prozent der L\u00f6hne anteilsm\u00e4ssig deutlich mehr im \u00dcberobligatorium versichert sind als Frauen, wo dieser Anteil nur 43 Prozent betr\u00e4gt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAnalysiert man anstelle des Kapitalvolumens den Anteil <em>Personen<\/em>, zeigt sich, dass etwa gleich viele Personen im BVG wie im \u00dcberobligatorium versichert sind. Das bedeutet: Rund die H\u00e4lfte aller Versicherten w\u00e4re von m\u00f6glichen Umverteilungseffekten negativ tangiert. Da der Anteil Versicherte im \u00dcberobligatorium bei den M\u00e4nnern (68%) deutlich h\u00f6her ist als bei den Frauen (23%), w\u00e4ren M\u00e4nner deutlich st\u00e4rker von einer Umverteilung betroffen.&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Durchschnittlicher Anteil der L\u00f6hne von Arbeitnehmenden im Obligatorium und im \u00dcberobligatorium, nach Geschlecht (2002\u20132018)<\/h3>\n<p>&#013;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Zimmermann_4-2021_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Zimmermann_4-2021_DE').highcharts({  \n\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['Total Arbeitnehmende', 'M\u00e4nner', 'Frauen']\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: 'Durchschnittlicher Lohnanteil, in Prozent '\n        }, labels: {format: '{value}%'},\n    },\n    tooltip: {\n        pointFormat: '<span style=\"color:{series.color}\">{series.name}<\/span>: <b>{point.y}<\/b>% <br\/>',\n        shared: true\n    },\n    plotOptions: {\n        column: {\n            stacking: 'percent'\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: '\u00dcberobligatorium',\n        data: [68, 81, 43]\n    }, {\n        name: 'Obligatorium',\n        data: [32, 19, 57]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Swiss Household Panel (SHP) \/ Die Volkswirtschaft\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span>&#013;<\/p>\n<h2>Leistungsabbau im \u00dcberobligatorium<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nNun zu unserer Hauptfrage: Existiert eine Verm\u00f6gensumverteilung vom \u00dcberobligatorium zum Obligatorium? Dazu analysieren wir die Lohnersatzquote. Sie beschreibt das Verh\u00e4ltnis der Rente zum letzten Lohn vor der Pensionierung. Ist diese Quote bei L\u00f6hnen im \u00dcberobligatorium signifikant tiefer als im BVG, kann dies als Indiz f\u00fcr einen Umverteilungseffekt interpretiert werden. F\u00fcr die Analyse werden jene Arbeitnehmenden mit einbezogen, welche jeweils im Folgejahr in Rente gehen und sowohl AHV als auch Pensionskassengelder beziehen. Dies trifft im untersuchten Schweizer Haushaltspanel auf 262 Personen zu.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUnd tats\u00e4chlich: Aus unserer Analyse geht hervor, dass der Median der Lohnersatzquote im \u00dcberobligatorium durchwegs deutlich tiefer ausf\u00e4llt als im BVG (siehe <em>Tabelle<\/em>). Bezieht man die AHV-Rente in die Rentenh\u00f6he mit ein, betr\u00e4gt die Lohnersatzquote im BVG n\u00e4mlich 55 Prozent, im \u00dcberobligatorium jedoch nur 35 Prozent. Der Wilcoxon-Mann-Whitney-Test zeigt, dass dieser Unterschied statistisch hoch signifikant ist, und best\u00e4tigt damit den vermuteten Umverteilungseffekt.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDieses Ergebnis ist allerdings wenig \u00fcberraschend. Denn mit der AHV-Rente ist eine Umverteilung politisch gewollt. Ber\u00fccksichtigt man f\u00fcr die Lohnersatzquote ausschliesslich das Pensionskasseneinkommen, f\u00e4llt der Unterschied zwischen dem \u00dcberobligatorium und dem BVG zwar weniger gross aus, ist aber immer noch statistisch signifikant: Die Lohnersatzquote im BVG von 19 Prozent steht einer Quote von 16 Prozent im \u00dcberobligatorium gegen\u00fcber. Das st\u00fctzt unsere Vermutung, dass Umverteilungseffekte nicht nur in der Altersvorsorge generell, sondern auch in der zweiten S\u00e4ule auftreten.&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Verh\u00e4ltnis der Rente zum letzten Lohn vor der Pensionierung (Lohnersatzquote, Median)<\/h3>\n<p>&#013;<\/p>\n<table style=\"height: 308px\" width=\"966\">&#013;<\/p>\n<tbody>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td rowspan=\"2\"><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<th style=\"text-align: center\" colspan=\"2\">AHV + berufliche Vorsorge<\/th>\n<p>&#013;<\/p>\n<th style=\"text-align: center\" colspan=\"2\">berufliche Vorsorge<\/th>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">\u00dcberobligatorium<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">Obligatorium<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">\u00dcberobligatorium<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">Obligatorium<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td><strong>2002\u20132018<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td>Total<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">35%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">55%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">16%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">19%<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td>M\u00e4nner<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">36%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">62%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">17%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">24%<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td>Frauen<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">24%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">51%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">9%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">17%<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td><strong>2002\u20132009<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td>Total<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">41%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">64%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">18%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">19%<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td><strong>2010\u20132018<\/strong><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<\/p>\n<tr>&#013;<\/p>\n<td>Total<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">34%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">54%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">15%<\/td>\n<p>&#013;<\/p>\n<td style=\"text-align: center\">20%<\/td>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#013;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#013;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Anzahl Beobachtungen total: 262<\/span>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Swiss Household Panel, Berechnungen der Autoren<\/span>&#013;<\/p>\n<h2>Geschlechterspezifische Unterschiede<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie berechneten Lohnersatzquoten in unserer Untersuchung sind allerdings noch in anderer Hinsicht interessant. So weisen etwa die Frauen bei der Gesamtrente mit AHV deutlich tiefere Lohnersatzquoten auf als die M\u00e4nner. Im BVG betr\u00e4gt die Lohnersatzquote der Frauen 51 Prozent, die der M\u00e4nner 62 Prozent. Auch im \u00dcberobligatorium ist diese Quote f\u00fcr die Frauen tiefer (24 gegen\u00fcber 36 Prozent). Diese Unterschiede sind statistisch signifikant.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nInteressant an diesen Zahlen ist insbesondere, dass die sozialpolitisch angestrebte Lohnersatzquote der Gesamtrente von 60 Prozent bei den M\u00e4nnern sogar \u00fcbertroffen wird (62%). Bei den Frauen liegt sie allerdings deutlich darunter (51%). Nicht nur die absolute H\u00f6he, sondern auch das <em>Verh\u00e4ltnis<\/em> der Lohnersatzquoten zwischen \u00dcberobligatorium und BVG f\u00e4llt bei den Frauen tiefer aus: W\u00e4hrend die Quote der besser verdienenden M\u00e4nner gegen\u00fcber den BVG-Versicherten bei 36\/62 = 0,58 liegt, betr\u00e4gt das Verh\u00e4ltnis bei den Frauen nur 24\/51 = 0,47. Die Einkommenssicherung ist bei den Frauen im \u00dcberobligatorium auch <em>relativ<\/em> betrachtet schlechter. Mit anderen Worten: Bei den Frauen \u00f6ffnet sich nach der Pensionierung die Schere zwischen Gut- und Schlechterverdienenden st\u00e4rker als bei den M\u00e4nnern.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDiese Resultate beziehen sich auf die Gesamtrente. Aber auch wenn man die AHV-Rente ausklammert, bleiben die Geschlechterunterschiede weitgehend bestehen. Die Lohnersatzquoten der Frauen sind sowohl im BVG als auch im \u00dcberobligatorium deutlich tiefer als bei den M\u00e4nnern (siehe <em>Tabelle<\/em>). Mehr noch: Die Unterschiede sind teilweise sogar gr\u00f6sser als bei der Gesamtrente und fallen statistisch signifikant aus. Beim Vergleich der Lohnersatzquoten zwischen besser und schlechter verdienenden Personen liegt das Verh\u00e4ltnis der Frauen bei 0,53 und ist deutlich tiefer als das der M\u00e4nner (0,71).&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDer Grund f\u00fcr die deutlich geringeren Lohnersatzquoten von Frauen ist, dass sie aufgrund der Kinderpause oder von Teilzeitbesch\u00e4ftigungen \u00fcber ein tieferes Vorsorgekapital verf\u00fcgen. Durch die Teilzeitbesch\u00e4ftigung und die damit verbundenen tieferen Lohneinkommen sind sie umgekehrt weniger h\u00e4ufig negativ von den Umverteilungseffekten betroffen.&#013;<\/p>\n<h2>Trend seit der Finanzkrise<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nUnsere Analyse zeigt ferner eine deutliche Verschlechterung der Lohnersatzquote der Obligatorischversicherten seit der Finanzkrise von 64 auf 54 Prozent (siehe <em>Tabelle<\/em>). Zudem erkennt man, dass sich die Umverteilungseffekte von besser zu schlechter verdienenden Personen im Schweizer Vorsorgesystem nicht nur aufgrund der AHV-Rente manifestieren. Auch in der zweiten S\u00e4ule kommen sie vor, wo dies eigentlich nicht vorgesehen ist. Dieser Trend l\u00e4sst sich seit der Finanzkrise 2007 in statistisch signifikanter Weise erkennen. Ob dies mit der Zinsentwicklung zusammenh\u00e4ngt oder auf andere Effekte wie den zu hohen Umwandlungssatz zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, muss hier offenbleiben. Im Unterschied zur AHV gilt es jedoch zu kl\u00e4ren, ob und allenfalls in welchem Umfang dieser Effekt sozialpolitisch erw\u00fcnscht ist. Die Versicherten im \u00dcberobligatorium k\u00f6nnen diesem Trend durch private Vorsorge entgegenwirken.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nWeniger einfach ist dies f\u00fcr die Frauen. Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, sind Frauen hinsichtlich der Lohnersatzquote sowohl im \u00dcberobligatorium als auch im BVG deutlich schlechtergestellt als M\u00e4nner, und zwar absolut wie auch in Bezug auf das <em>Verh\u00e4ltnis<\/em> zwischen \u00dcberobligatorium und BVG. So gesehen haben Frauen Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck. Denn weil sie weniger oft im \u00dcberobligatorium versichert sind, sind sie auch von den Umverteilungseffekten weniger stark betroffen als die M\u00e4nner.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Der Anteil des \u00dcberobligatoriums berechnet sich aufgrund des Gesamtlohns, nicht nur des \u00fcberobligatorisch versicherten Lohnanteils.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Damit ist gew\u00e4hrleistet, dass sich das Alterseinkommen aus den Vorsorgeeinrichtungen nach der Pensionierung nicht mehr erh\u00f6ht, bspw. durch Aufschiebungen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sinkende Zinsen auf risikolosen Kapitalanlagen und seit 2015 sogar Negativzinsen f\u00fcr zehnj\u00e4hrige Anleihen der Eidgenossenschaft: Unter diesen Voraussetzungen bekunden Pensionskassen immer mehr M\u00fche, ihre Leistungsversprechungen einzuhalten, ohne dabei erh\u00f6hte Anlagerisiken einzugehen. 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Versichert sind Lohnbestandteile ab 21\u2019510 bis maximal 86\u2019040 Franken. L\u00f6hne unter der Eintrittsschwelle und Lohnbestandteile \u00fcber 86\u2019040 Franken m\u00fcssen nicht versichert werden. Unternehmungen sind jedoch frei, Vorsorgel\u00f6sungen \u00fcber die BVG-Vorschriften hinaus anzubieten. Sie k\u00f6nnen damit auch insbesondere h\u00f6here L\u00f6hne versichern. Diese fallen ins sogenannte \u00dcberobligatorium. 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Dazu wird das Verh\u00e4ltnis der Renten zum letzten Lohneinkommen vor der Pensionierung analysiert (Lohnersatzquote). Frauen weisen generell eine schlechtere Lohnersatzquote auf. Sie sind aufgrund ihrer tieferen L\u00f6hne allerdings von der Umverteilung weniger h\u00e4ufig betroffen. 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