{"id":99663,"date":"2021-03-31T14:17:14","date_gmt":"2021-03-31T14:17:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/03\/effort-maximum-effet-minimum\/"},"modified":"2024-02-05T15:14:55","modified_gmt":"2024-02-05T14:14:55","slug":"hoher-aufwand-wenig-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/03\/hoher-aufwand-wenig-wirkung\/","title":{"rendered":"Hoher Aufwand, wenig Wirkung"},"content":{"rendered":"<p>Die F\u00f6deration der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) kritisiert die Swissness-Regelung seit ihren Anf\u00e4ngen. Die Hauptgr\u00fcnde liegen in der Ungleichbehandlung der Lebensmittelbranche gegen\u00fcber dem Rest der Wirtschaft, der erheblichen Komplexit\u00e4t in der Umsetzung und letztlich auch den agrarpolitisch motivierten Umsetzungsvorgaben.<\/p>\n<p>Besonders stossend ist, dass die Swissness-Kriterien bei Lebensmitteln ausschliesslich auf dem Anteil Schweizer Rohstoffe im Endprodukt basieren \u2013 in allen anderen Sektoren hingegen auf dem Anteil an der Wertsch\u00f6pfung. Bei Lebensmitteln z\u00e4hlen also das Savoir-faire, die Schweizer Verarbeitungsqualit\u00e4t und die im Inland geschaffenen Arbeitspl\u00e4tze nicht. Auch liegt der mit inl\u00e4ndischen Rohstoffen zu erf\u00fcllende Prozentsatz von 80 Prozent deutlich \u00fcber dem Wertsch\u00f6pfungsanteil von 60 Prozent f\u00fcr andere Industrieprodukte. W\u00e4hrend das Rohstoffkriterium f\u00fcr schwach verarbeitete Nahrungsmittel noch teilweise sinnvoll sein kann, wird es bei stark verarbeiteten Nahrungsmitteln wie einer Fertigsuppe, einem Gummib\u00e4rli oder einem Proteinpr\u00e4parat f\u00fcr Sportler ad absurdum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Zwar wird die inl\u00e4ndische Rohstoffanforderung durch Ausnahmebestimmungen etwas gelindert \u2013 gleichzeitig erh\u00f6hen diese Vorgaben die Komplexit\u00e4t aber erheblich. Ein Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie, das eine breite Produktpalette aus Tausenden Rohstoffen mit teils wechselnder Herkunft herstellt, kann eine seri\u00f6se Swissness-Compliance nur sicherstellen, wenn es ausschliesslich zu diesem Zweck zus\u00e4tzliche Mitarbeitende anstellt.<\/p>\n<h2><strong>Gleiche Bedingungen<\/strong><\/h2>\n<p>Dass die vom Bund durchgef\u00fchrte Analyse diesem Zusatzaufwand nur eine moderat positive Wirkung auf die Volkswirtschaft zuordnet und im Lebensmittelsektor Handlungsbedarf ortet, kommt f\u00fcr uns nicht \u00fcberraschend. Die von den Studienautoren ge\u00e4usserte Empfehlung einer Angleichung der Regelungen f\u00fcr Nahrungsmittel an diejenigen der \u00fcbrigen Wirtschaft \u2013 ein wertsch\u00f6pfungsbasierter Ansatz \u2013 geht in die richtige Richtung, wird vom Bundesrat aber abgelehnt. Die alternativ vorgeschlagene Vereinfachung des Verfahrens f\u00fcr Ausnahmeregelungen entspricht einer langj\u00e4hrigen Forderung der Nahrungsmittelindustrie, die eigentlich l\u00e4ngst umgesetzt sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>In allen \u00fcbrigen Branchen k\u00f6nnen die Dachverb\u00e4nde Listen nicht verf\u00fcgbarer Produkte ver\u00f6ffentlichen, die so lange als richtig gelten, als kein inl\u00e4ndischer Anbieter seine Lieferf\u00e4higkeit nachweist. Im Lebensmittelsektor werden die nicht verf\u00fcgbaren Produkte demgegen\u00fcber auf dem Verordnungsweg durch den Bund festgelegt. Dass f\u00fcr unsere Branche selbst in dieser technischen Frage nicht dieselbe L\u00f6sung m\u00f6glich ist wie f\u00fcr die gesamte restliche Wirtschaft, d\u00fcrfte agrarpolitische Gr\u00fcnde haben. Nicht von ungef\u00e4hr ist die Hoheit \u00fcber die Umsetzungsverordnungen im Bereich der Lebensmittel nicht beim Institut f\u00fcr Geistiges Eigentum, sondern beim Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft angesiedelt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die F\u00f6deration der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) kritisiert die Swissness-Regelung seit ihren Anf\u00e4ngen. Die Hauptgr\u00fcnde liegen in der Ungleichbehandlung der Lebensmittelbranche gegen\u00fcber dem Rest der Wirtschaft, der erheblichen Komplexit\u00e4t in der Umsetzung und letztlich auch den agrarpolitisch motivierten Umsetzungsvorgaben. 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