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Ausschreibung von volkswirtschaftlichen Studien zum Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft

Die Schweizer Volkswirtschaft verzeichnete in der vergangenen Dekade ein stärkeres Wirtschaftswachstum als noch während der Schwächephase der 1990er-Jahre. Dank der raschen Erholung von der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise konnte die Schweiz im internationalen Vergleich zuletzt gar ein überdurchschnittlich hohes Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) wie auch des BIP pro Kopf erzielen. Die Aufteilung des Pro-Kopf-Wachstums des BIP in die Komponenten Arbeitseinsatz (Arbeitsstunden pro Kopf) und Arbeitsproduktivität (Output pro geleistete Arbeitsstunde) zeigt jedoch, dass über die letzten zehn Jahre in erster Linie ein erhöhtes Arbeitsvolumen, dank einer erneuten Steigerung der bereits hohen Erwerbsbeteiligung, positive Impulse für das Pro-Kopf-Wachstum lieferte. Im Gegensatz dazu hat sich die Zunahme der Arbeitsproduktivität in den letzten Jahren noch weiter verlangsamt; die Schweiz schneidet diesbezüglich im internationalen Vergleich nach wie vor unterdurchschnittlich ab. Eine wachsende Arbeitsproduktivität hat allerdings für eine Volkswirtschaft viele Vorzüge. Sie bietet beispielsweise einen grösseren Verteilungsspielraum für steigende Löhne (oder geringere Arbeitszeit für den gleichen Lohn) oder kann zur Finanzierung der Sozialwerke beitragen. Vor diesem Hintergrund sollen die zu vergebenden Studien die Erklärung der schwachen Entwicklung der Arbeitsproduktivität der Schweiz im internationalen Vergleich und über die Zeit in den Mittelpunkt stellen.

Ausschreibung von volkswirtschaftlichen Studien zum Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft

 Fragestellungen

In den zu vergebenden Studien sollen primär Teilfragen aus den folgenden Themengebieten untersucht werden. Es steht den Bewerbern offen, Offerten für eine oder mehrere Teilfragen oder für eine Kombination von Teilfragen einzureichen oder auch andere Studien vorzuschlagen.

a) Analyse des Wachstums in der Schweiz

Was erklärt die schwache Entwicklung der Arbeits- und der totalen Faktorproduktivität in der Schweiz in längerfristiger Perspektive und im internationalen Vergleich? Welche Rolle spielt dabei der sektorale Strukturwandel? In welchen Branchen schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab? Welche regulatorischen Faktoren bremsen das Produktivitätswachstum in der Schweiz? In erster Linie soll für diese Fragen anhand der Methodik der Wachstumsdekomposition die Rolle der Faktorakkumulation und -produktivitäten analysiert werden. Um Analysen auf Branchenebene zu ermöglichen, sollen darüber hinaus Daten für den Kapitalstock nach Branchen erstellt werden.

b) Technischer Fortschritt/Investitionen/Ersparnis

Was erklärt die tiefe und sinkende Investitionsquote der Schweiz und in anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften? Welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen hat dies in der langen Frist? Welche makroökonomische Bedeutung haben die Auslandsinvestitionen für den Wohlstand in der Schweiz?

Wie haben sich die Preise von Investitionsgütern verändert, und werden die Preisänderungen sowie deren Auswirkungen auf den Wachstumsprozess statistisch richtig erfasst? Existieren durch staatliche Regulierungen preisliche Verzerrungen bei diesen Gütern, die sich bremsend auf das Wachstum in der Schweiz auswirken?

Warum hat die Schweiz Mühe, ihre starke Position im Bereich der Innovation in höhere Wachstumsraten umzusetzen? Ist der Einsatz von Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) in der Schweiz gesamtwirtschaftlich optimal? Was sind die Erträge von F&E auf Ebene der einzelnen Branchen?

Was sind Ursachen und Konsequenzen der hohen Ersparnis und gleichzeitig der hohen Verschuldung der privaten Haushalte in der Schweiz? Ist die hohe Verschuldung der privaten Akteure eine Bedrohung für die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Volkswirtschaft gegenüber finanz- und/oder immobilienmarktgetriebenen Schocks?

c) Humankapital/Beschäftigung

Welcher Zusammenhang zwischen dem Wachstum und der Veränderung des Humankapitals lässt sich für die Schweiz für die vergangene Dekade feststellen? Wie vergleicht sich dies mit früheren Perioden und anderen Ländern? Welche Rolle spielte hierbei die Zu- und Abwanderung von Arbeitskräften? Welche Rolle spielt die hohe Erwerbsbeteiligung für das Wachstum der Arbeitsproduktivität in der Schweiz? Welchen langfristigen Einfluss hat der demografische Wandel auf öffentliche und private Investitionen sowie auf den Konsum?

d) Offenheit/internationales Kapital

Wie offen ist die Schweiz im Hinblick auf den Handel und die Kapitalströme im internationalen Vergleich? Was sind die Erklärungen hierfür, was die Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum? Welche weiteren Potenziale bieten sich in diesem Zusammenhang, und welche Wachstumsperspektiven brächte eine unilaterale Handelsöffnung mit sich? Welche Bedeutung hat der Zugriff auf internationale Vorleistungsgüter für das Wirtschaftswachstum?

Welche Bedeutung hat der Sparüberschuss der Schweiz für das Wirtschaftswachstum und die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft? Inwiefern sind die Kapitalzuflüsse prozyklisch, und welche makroökonomischen Konsequenzen haben diese im Inland? Wie stark kann die Schweiz tatsächlich als «Safe Haven» für Anlagekapital bezeichnet werden?

e) Qualität des Wachstums/Verteilung

Welche Bedeutung hat die räumliche Dimension für das Wirtschaftswachstum und die Entwicklung der Branchenstruktur in der Schweiz? Bestehen Fehlanreize, z. B. eine nicht verursachergerechte Anlastung von Kosten der Erschliessung oder Nutzung von Infrastruktur oder steuerliche Anreize, welche die räumliche Verteilung von Arbeitsstätten, die Zunahme des Siedlungsgebiets oder der Zersiedelung begünstigen? Welche Implikationen für den Kapitalstock und die Beschäftigung bringen diese mit sich?

Wie ändern sich die Wertschöpfung und die Produktivität der Branchen in der Schweiz, wenn die externen Effekte in den Bereichen Umwelt, Energie und Verkehr berücksichtigt werden? Wie können hierbei auch die aus dem Ausland importierten Vorleistungsgüter berücksichtigt werden?

Welche Verteilungswirkungen brachte das Wachstum der Schweiz in der vergangenen Dekade mit sich? Welche ungedeckten impliziten Verpflichtungen (gemäss einer Generationenbilanz) werden absehbar aus der aktuellen Wirtschaftspolitik für die zukünftigen Generationen resultieren? Über welche Kanäle und in welchem Ausmass kann daraus das Wachstum betroffen werden?

Welche Bedeutung hat die Wohn- und Immobiliensituation für den Wohlstand und das wirtschaftliche Wachstum in der Schweiz, namentlich im internationalen Vergleich? Welche Zielsetzungen und ökonomischen Auswirkungen weisen die verschiedenen Regulierungen, welche den Immobilienmarkt und das Wohnungswesen auf Stufe Bund, Kantone und Gemeinden beeinflussen, in einer Gesamtsicht auf? Wie gross ist die Angebotselastizität für Wohnraum in der Schweiz im internationalen Vergleich, und welche Rolle spielt die Regulierung dabei?


Offerten

Die Offerte muss darlegen, zu welchen der Themen a) bis e) die Studie beitragen will. Die oben stehenden Fragestellungen sollen dabei als Orientierung zur Eingrenzung dienen; es können jedoch zu diesen Themen auch andere Fragestellungen eingereicht werden. Die Offerte muss eine genaue Umschreibung und Konkretisierung der zu bearbeitenden Fragestellung enthalten, wobei sie sich weitgehend an der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur orientieren soll.

Zudem muss sie eine Beschreibung der Methodik und der zugrunde liegenden Daten, die Qualifikation der Beteiligten (Forschungsleitung, Forschende), die Planung der Forschungsschritte und eine detaillierte Kostenzusammenstellung nach Projektphase und Art des Aufwandes (Honorare, administrative Arbeiten, Reise- und andere Spesen) enthalten. Die Studien sollen Ende des 3. Quartals 2015 veröffentlicht werden.

Für die Studien steht insgesamt ein Budget von 500 000 Franken zur Verfügung. Die Aufträge umfassen neben der Erstellung einer den wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Studie auch das Verfassen eines Artikels in der Zeitschrift «Die Volkswirtschaft» sowie die Präsentation der Arbeiten im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung.


Selektionskriterien

Massgebend für die Vergabe ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Folgende Selektionskriterien werden leistungsseitig gleichgewichtet die Grundlage bei der Auswahl der gewählten Studien bilden:

Relevanz und Qualität der vorgeschlagenen Forschungsfrage;

Eignung der gewählten Methodik;

Eignung der für die Untersuchung vorgesehenen Daten;

Qualifikation des vorgeschlagenen Forschungsteams.

Der Auftraggeber behält sich vor, nach Eingang der Offerten zwecks inhaltlicher Klärung und Abstimmung der Angebote mit den Offertstellern Gespräche zu führen.

Offerten zur Ausschreibung sind bis 21. November 2014 an folgende Adresse einzureichen:

Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
Direktion für Wirtschaftspolitik, DPWW
Holzikofenweg 36
3003 Bern

Falls Sie inhaltliche Fragen zur Ausschreibung haben, stehen Ihnen Simon Jäggi, E-Mail: simon.jaeggi@seco.admin.ch, und Christian Busch, E-Mail: christian.busch@seco.admin.ch, gerne zur Verfügung.


Proposition de citation: Christian Busch (2014). Ausschreibung von volkswirtschaftlichen Studien zum Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft. La Vie économique, 22. octobre.