{"id":147385,"date":"2015-02-18T01:00:55","date_gmt":"2015-02-18T01:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2015\/02\/ein-facettenreiches-bild-der-schweiz-in-den-globalen-wertschoepfungsketten\/"},"modified":"2023-08-24T00:31:37","modified_gmt":"2023-08-23T22:31:37","slug":"ein-facettenreiches-bild-der-schweiz-in-den-globalen-wertschoepfungsketten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/2015\/02\/ein-facettenreiches-bild-der-schweiz-in-den-globalen-wertschoepfungsketten\/","title":{"rendered":"Ein facettenreiches Bild der Schweiz in den globalen  Wertsch\u00f6pfungsketten"},"content":{"rendered":"<p>In der aktuellen wirtschaftspolitischen Diskussion um internationalen Wettbewerb und globale Handelsungleichgewichte spielen die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen L\u00e4ndern oft eine wichtige Rolle. So wird etwa der Handelsbilanz\u00fcberschuss Deutschlands gegen\u00fcber den s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern als ein Element der strukturellen Probleme im Euroraum gesehen. \u00c4hnlich wird auch der Export\u00fcberschuss von China gegen\u00fcber den USA als problematisch f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der US-amerikanischen Industrie diskutiert.&#13;<br \/>\nDie traditionellen Aussenhandelsstatistiken sind jedoch f\u00fcr die Analyse solcher Themen immer weniger aussagekr\u00e4ftig. Der Grund hierf\u00fcr liegt in der zunehmenden Fragmentierung der globalen Wertsch\u00f6pfungsketten (GWK): Die Produktion von G\u00fctern, aber auch von Dienstleistungen wird in immer kleinere Arbeitsschritte zerlegt und \u00fcber verschiedene L\u00e4nder und Produzenten aufgeteilt. Damit besteht ein steigender Anteil des weltweiten Handelsvolumens aus dem Handel mit Vorleistungen.&#13;<\/p>\n<h2>Die bisherige Bruttobetrachtung greift zu kurz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDa die Aussenhandelsstatistiken auf einer<i>Bruttobetrachtung<\/i> basieren (siehe <i><a class=\"box-link\">Kasten\u00a01),<\/a> <\/i>l\u00e4sst sich anhand der G\u00fcter- und Dienstleistungsstr\u00f6me immer weniger erkennen, wo die mit dem Aussenhandel verbundene Wertsch\u00f6pfung tats\u00e4chlich erbracht wird. Um zu wissen, welche Wertsch\u00f6pfung der Exporte in einem Land anf\u00e4llt und welche mit den Vorleistungen verbundenen T\u00e4tigkeiten und Wertsch\u00f6pfungen aus anderen L\u00e4ndern stammen, braucht es die Abbildung der Handelsstr\u00f6me mit internationalen Input-Output-Tabellen (IOT, siehe<i><a class=\"box-link\">Kasten 2).<\/a><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDeshalb wurden in den vergangenen Jahren neue Datengrundlagen und Indikatoren f\u00fcr eine bessere Erfassung der globalen Wertsch\u00f6pfungsketten erstellt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> In diesen Datenbanken ist die Schweiz allerdings bislang nur unzureichend abgebildet. Dies ist unter anderem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die bestehenden IOT f\u00fcr die Schweiz keine Angaben dar\u00fcber enthalten, in welchen Branchen und f\u00fcr welchen Verwendungszweck (Vorleistung, Endkonsum, Investitionen oder Export) importierte G\u00fcter verwendet werden.&#13;<br \/>\nUm diese Datenl\u00fccken zu schliessen und die Bedeutung der GWK f\u00fcr die Schweiz herauszuarbeiten, hat das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) sieben Forschungsstudien in Auftrag gegeben, welche eine Positionsbestimmung der Schweiz in den GWK vornehmen. Diese werden im Folgenden kurz zusammengefasst.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Neue Erkenntnisse mit verbesserten Datengrundlagen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Forschungsprojekt von R\u00fctter Soceco widmet sich der Datengrundlage f\u00fcr die Schweiz. Die Autoren haben einerseits die Verwendung der Importe modelliert und andererseits die Schweizer IOT in eine multinationale IOT integriert. Diese Erg\u00e4nzungen erlauben eine Reihe von Analysen des Schweizer Aussenhandels, welche bisher nicht m\u00f6glich waren. Daraus ergeben sich unter anderem folgende erste Erkenntnisse:<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><i>Untersch\u00e4tzte Bedeutung der Importe f\u00fcr die Exporte:<\/i> Innerhalb der globalen Wertsch\u00f6pfungsketten wird der Import von Vorleistungsg\u00fctern f\u00fcr die Exporte immer wichtiger. Damit nimmt der Anteil inl\u00e4ndischer Wertsch\u00f6pfung an den Exporten ab. Jedoch f\u00e4llt auf, dass in der Schweiz der Anteil inl\u00e4ndischer Wertsch\u00f6pfung an den Exporten im internationalen Vergleich nach wie vor sehr hoch und in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig zur\u00fcckgegangen ist. Dies liegt in erster Linie an der grossen Bedeutung exportierender Dienstleistungsbranchen, w\u00e4hrend die Industriebranchen ihre ausl\u00e4ndischen Vorleistungsimporte weiter ausgeweitet haben.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><i>Untersch\u00e4tzte Bedeutung der Dienstleistungen f\u00fcr die Exporte:<\/i> Rund 60% der Exporte der Schweiz sind Waren. Deren Herstellung ben\u00f6tigt jedoch einen zunehmenden Anteil an Vorleistungen aus dem Dienstleistungssektor im In- und Ausland. Betrachtet man daher die \u00abeffektiv\u00bb in den Exporten enthaltenen Dienstleistungen, so zeigt sich, dass in der Schweiz rund die H\u00e4lfte der Wertsch\u00f6pfung des Gesamtexports durch Dienstleistungst\u00e4tigkeiten erbracht wird. Selbst in der Maschinenindustrie betr\u00e4gt dieser Anteil noch 30%. W\u00e4hrend sich die Schweizer Bruttoexporte \u00fcberwiegend auf wenige Branchen konzentrieren, zeigt die Wertsch\u00f6pfungsperspektive somit eine gr\u00f6ssere Zahl von Branchen, die f\u00fcr diese Exportleistung relevant sind (siehe <i><a class=\"graphic-link\" title=\"Dienstleistungsgehalt der Bruttoexporte\">Grafik 1).\u00a0<\/a><a class=\"graphic-link\" href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/12\/Grafik_Bernhard_Busch_1_DE.png.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3763 size-medium\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/12\/Grafik_Bernhard_Busch_1_DE.png-600x314.png\" alt=\"Grafik_Bernhard_Busch_1_DE.png\" width=\"600\" height=\"314\" \/><\/a><\/i><\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><i>Neuinterpretation bilateraler Handelsbilanzen:<\/i> Die impliziten Mehrfachz\u00e4hlungen von Vorleistungen im Handel verzerren wie erw\u00e4hnt die bilateralen Handelsbilanzen. Werden die importierten Vorleistungen von den Exporten abgezogen, so zeigen die bilateralen Handelsbilanzen dagegen in einer Wertsch\u00f6pfungsbetrachtung nur noch den Saldo des Handels der effektiv in einem Land zu den G\u00fctern und Dienstleistungen hinzugef\u00fcgten Wertsch\u00f6pfung. Auch f\u00fcr die Schweiz \u00e4ndert sich die Statistik gegen\u00fcber einigen L\u00e4ndern substanziell (siehe <i><a class=\"graphic-link\" title=\"Bilaterale Handelsbilanzen ausgew\u00e4hlter L\u00e4nder, 2008\">Grafik 2).\u00a0<\/a><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/12\/Grafik_Bernhard_Busch_2_DE.png.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3764 size-medium\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/12\/Grafik_Bernhard_Busch_2_DE.png-600x323.png\" alt=\"Grafik_Bernhard_Busch_2_DE.png\" width=\"600\" height=\"323\" \/><\/a><\/i><\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben der Erarbeitung besserer Datengrundlagen bieten die Forschungsprojekte Antworten auf eine Reihe weiterer Fragestellungen:&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Globale Wertsch\u00f6pfungsketten milderten den Einfluss der Frankenaufwertung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts der GWK sind die globalen Konjunkturzusammenh\u00e4nge komplexer geworden (siehe<i><a class=\"box-link\">Kasten 1).<\/a> <\/i>F\u00fcr die Schweiz besonders relevant ist die Frage nach dem Einfluss des starken Frankens auf die Exporte. Theoretisch sinken dank importierten Vorleistungen die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf die Exporte <i>(Natural Hedging): <\/i>Mit einer Aufwertung der eigenen W\u00e4hrung werden zwar die Exporte teurer, gleichzeitig sind aber auch die Importe billiger zu haben. Die Hypothese des Natural Hedging wurde f\u00fcr die Schweiz von Autoren der ZHAW Winterthur, der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF) sowie der Universit\u00e4ten St. Gallen und Bern f\u00fcr die Warenexporte empirisch untersucht. Die verst\u00e4rkte Integration in GWK resultiert f\u00fcr Firmen \u2013 wie erwartet \u2013 in einer nat\u00fcrlichen Absicherung gegen Wechselkursschwankungen. Dies ist mit eine Erkl\u00e4rung, warum die Schweizer Exporte in den vergangenen Jahren trotz der starken Frankenaufwertung nicht st\u00e4rker beeintr\u00e4chtigt wurden. Allerdings gibt es Hinweise auf weitere negative Auswirkungen der Frankenaufwertung: Firmen, die aufgrund der Aufwertung ihre Exportt\u00e4tigkeit beenden, werden diese erst wieder aufnehmen, wenn eine deutliche Abwertung eingetreten ist. So k\u00f6nnen tempor\u00e4re Wechselkursschwankungen die Exportstruktur auf Dauer beeinflussen.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Bedeutung von Vorleistungsimporten f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Import von Vorleistungen weist nicht nur bei W\u00e4hrungsschwankungen Vorteile auf. Oft k\u00f6nnen dadurch die Produktionskosten reduziert werden, da die Vorleistungen aus dem Ausland g\u00fcnstiger sind. Die Analyse von Infras best\u00e4tigt dies. Sie zeigt, dass die Integration der Schweiz in GWK die Schweizer Produktion durch diesen Kanal wettbewerbsf\u00e4higer gemacht hat, was sich positiv auf die Exporte ausgewirkt hat. Allerdings zeigt die Studie auch, dass sich die Zunahme der Vorleistungsimporte der Schweizer Industrie im vergangenen Jahrzehnt verlangsamt hat. Da jedoch immer mehr Dienstleistungen gehandelt werden, steigt der internationale Wettbewerbsdruck im Inland auch in bisher eher binnenwirtschaftsorientierten Branchen an. Die damit einhergehende effizientere Produktion von Binneng\u00fctern kann dazu f\u00fchren, dass einheimische Produkte gegen\u00fcber Importen an Attraktivit\u00e4t gewinnen und die Schweizer Wirtschaft wiederum wettbewerbsf\u00e4higer wird.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Produktivere Firmen dank Direktinvestitionen im Ausland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und die Produktivit\u00e4t der Firmen ist auch die Art des Bezugs von Vorleistungen aus dem Ausland von Bedeutung. Die KOF analysierte die Leistungen, die multinationale Firmen aus dem Ausland beziehen oder dorthin liefern. Diese Leistungsfl\u00fcsse k\u00f6nnen entweder mit anderen Firmen get\u00e4tigt werden oder innerhalb der Firma mittels Direktinvestition in eine ausl\u00e4ndische Niederlassung erfolgen (sogenannte Internalisierung). Letzteres lohnt sich vor allem dann, wenn die bezogene Leistung eine enge Koordination erfordert oder geistige Eigentumsrechte involviert sind. Entscheiden sich Firmen f\u00fcr diese Internalisierung, so ist dies mit einer Erh\u00f6hung der Arbeitsproduktivit\u00e4t der Schweizer Niederlassung verbunden. Sie geht allerdings gem\u00e4ss den Resultaten der KOF \u2013 zumindest kurzfristig \u2013 mit einer Reduktion von Investitionen und Besch\u00e4ftigung in der Schweiz einher.&#13;<br \/>\nBringt also die verst\u00e4rkte Integration in GWK tendenziell einen Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen in der Schweiz mit sich? Dies ist gem\u00e4ss den Analysen von Infras nicht eindeutig der Fall: Die Simulationen zeigen, dass die im Zuge einer verst\u00e4rkten \u00d6ffnung verlorenen Arbeitspl\u00e4tze im Vergleich zur Anzahl Arbeitspl\u00e4tze, welche in den vergangenen Jahren in der Schweiz neu geschaffen wurden, relativ gering ist. Dank der Verf\u00fcgbarkeit von g\u00fcnstigen Vorleistungen aus dem Ausland lag zudem die Wertsch\u00f6pfung der Industrie 2008 um 8,5% h\u00f6her, als wenn diese gesamthaft \u2013 zu h\u00f6heren Preisen \u2013 im Inland h\u00e4tten bezogen werden m\u00fcssen. F\u00fcr die Gesamtwirtschaft liegt der Effekt bei 2,5%. Diese Resultate illustrieren die volkswirtschaftlichen Potenziale der internationalen Spezialisierung f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfung und damit die Schaffung und den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Gestiegenes Anforderungsniveau<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den Auswirkungen auf die Anzahl Arbeitspl\u00e4tze ist auch von Interesse, wie sich die Globalisierung auf die Qualifikationsniveaus auswirkt und inwieweit einfache T\u00e4tigkeiten weiterhin in der Schweiz ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die Analysen von B,S,S. zeigen f\u00fcr die Schweiz, dass die ausge\u00fcbten T\u00e4tigkeiten in den stark in GWK integrierten Branchen insgesamt vielf\u00e4ltiger wurden. Jedoch erfolgte vor allem eine starke Zunahme der Arbeitspl\u00e4tze in der Konzeptionsphase, insbesondere in Forschung und Entwicklung (F&amp;E). In diesen Branchen nahmen dagegen die Aktivit\u00e4ten in der eigentlichen G\u00fcterproduktion (z. B. Herstellen und Bearbeiten von Produkten) ab \u2013 jedoch war die Abnahme in nicht internationalisierten Branchen noch st\u00e4rker. Betrachtet man die T\u00e4tigkeiten, so nahm in den stark integrierten Branchen der Anteil der h\u00f6chst anspruchsvollen T\u00e4tigkeiten zwischen 1996 und 2008 klar zu. Ein Beispiel ist die Branche der Metallerzeugung und -erzeugnisse: Sie verzeichnet in diesem Zeitraum eine Zunahme der Arbeitspl\u00e4tze mit h\u00f6chstem Anforderungsniveau um 9\u00a0Prozentpunkte.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Spezialisierung auf forschungsintensive Exporttechnologien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse von B,S,S. zeigen, dass die traditionelle Branchenperspektive auf den Aussenhandel die Vielfalt und Entwicklungen der mit dem Export zusammenh\u00e4ngenden T\u00e4tigkeiten nicht aufzuzeigen vermag. Die internationale Spezialisierung kann jedoch nicht nur entlang von Produkten und T\u00e4tigkeiten erfolgen, sondern auch entlang der Forschungs- und Wissensintensit\u00e4t sowie durch die verwendeten Technologien.&#13;<br \/>\nDie Studie von Prognos best\u00e4tigt die hohe Relevanz der Forschung f\u00fcr die Schweizer Industrie-Exporte: Der Anteil der global forschungsintensivsten Branchen Pharma sowie Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik an den Schweizer Gesamtexporten hat sich zwischen 1995 und 2012 auf fast 50% verdoppelt. Doch hier zeigt sich eine \u00dcberraschung: Innerhalb dieser forschungsintensiven Branchen sind es vor allem die weniger wissensintensiven G\u00fcter, welche in der Schweiz in bedeutenden Mengen exportiert werden. Weiter zeigt sich die Schweiz besonders bei forschungsintensiven Technologien wettbewerbsf\u00e4hig und weist dort einen Export\u00fcberschuss auf. Die Studie best\u00e4tigt auch bez\u00fcglich Technologien, dass der Schweizer Aussenhandel diversifizierter ist als bei der Betrachtung der Exporte auf Branchenebene.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Internationale Produktionsnetzwerke f\u00fcr ein kleines Land besonders wichtig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStudien auf Makroebene bedingen immer eine gewisse Abstraktion. Die Erg\u00e4nzung durch Fallstudien hilft, ein besseres Verst\u00e4ndnis davon zu erhalten, wie sich Firmen in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten integrieren. Hierzu untersucht die Studie des World Trade Institute der Universit\u00e4t Bern die Wertsch\u00f6pfungsketten von Computerm\u00e4usen der schweizerisch-US-amerikanischen Firma Logitech. Diese Firma ist besonders interessant, da sie es geschafft hat, sich in einem \u00e4usserst wettbewerbsintensiven, schnelllebigen Markt durch eine konsequente Gestaltung der Wertsch\u00f6pfungsketten zu behaupten. Angesichts der hohen L\u00f6hne beschr\u00e4nkte sich die Firma in ihrem Schweizer Hauptsitz auf wenige, hochgradig wissensintensive T\u00e4tigkeiten. Doch warum gibt es nicht mehr dieser T\u00e4tigkeiten in der Schweiz? Unter den zahlreichen Faktoren hebt der Autor die geringe Marktgr\u00f6sse in der Schweiz hervor, welche die Herausbildung von Unternehmens-\u00d6kosystemen mit Zulieferern und Kunden, die eine solche Hightech-Firma ben\u00f6tigt, einschr\u00e4nkt. Umso wichtiger ist es, dass Firmen in einem kleinen Markt wie der Schweiz sich in die durch die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten entstandenen Netzwerke, in denen Arbeitskr\u00e4fte, Kapital, Technologie und Wissen \u00fcber Grenzen hinweg ausgetauscht werden, integrieren k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Die Schweizer Wirtschaft ist diversifizierter als bisher angenommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts der \u00abneuen Globalisierung\u00bb im Rahmen der globalen Wertsch\u00f6pfungsketten ist der internationale Wettbewerb vielschichtiger geworden. Er findet nicht mehr nur auf Ebene von Produkten statt, sondern immer mehr auf Ebene der T\u00e4tigkeiten und auch des immateriellen Kapitals (z. B. F&amp;E, Design, Marketing). Die Betrachtung des Aussenhandels auf G\u00fcter- und Branchenebene greift daher zu kurz. In dieser traditionellen Sichtweise dominieren in der Schweizer Exportwirtschaft wenige Branchen. Hingegen zeigen die vom Seco in Auftrag gegebenen Studien ein facettenreicheres Bild: Die Schweizer Exporte sind viel st\u00e4rker diversifiziert, wenn alle an der Exportwertsch\u00f6pfung beteiligten Branchen sowie die eingesetzten Technologien und T\u00e4tigkeiten betrachtet werden. Gerade diese Diversifizierung d\u00fcrfte ein wichtiger Faktor daf\u00fcr gewesen sein, dass die Schweiz besser als andere L\u00e4nder durch die vergangenen Krisenjahre gekommen ist.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Internationale Datenbanken sind z. B. das Inter-Country-Input-Output Model (ICIO) der OECD, die Unctad-Eora GVC Database oder die World Input-Output Database verschiedener europ\u00e4ischer Universit\u00e4ten und Forschungsinstitute.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die einzelnen Studien werden in den folgenden Artikeln von den Autoren ausf\u00fchrlicher dargestellt. Die Studien sind in der Reihe Strukturberichterstattung des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft erschienen und sind im Internet verf\u00fcgbar: www.seco.admin.ch > Dokumentation > Publikationen und Formulare > Ver\u00f6ffentlichungsreihen > Strukturberichterstattung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Die hier aufgef\u00fchrten neuen Erkenntnisse stellen die Ergebnisse auf Basis der von R\u00fctter Soceco \u00fcberarbeiteten IOT dar. Diese decken sich weitgehend mit Resultaten, die sich auf Basis anderer Datengrundlagen zu den GWK ergeben, vgl. etwa OECD (2013): Interconnected Economies: Benefiting from Global Value Chains, OECD Publishing. Weitere Ergebnisse auf Basis der neuen IOT sind im nachfolgenden Artikel von Nathani und Hellm\u00fcller auf S. 9 ff. dieser Ausgabe dargestellt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe den Artikel von Nathani und Hellm\u00fcller in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen wirtschaftspolitischen Diskussion um internationalen Wettbewerb und globale Handelsungleichgewichte spielen die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen L\u00e4ndern oft eine wichtige Rolle. 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Eine Studienreihe des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft hat zum Ziel, die Position der Schweiz in diesen globalen Wertsch\u00f6pfungsketten zu bestimmen. Die Studien zeigen, dass die Schweizer Exportwirtschaft bez\u00fcglich der beteiligten Branchen, Technologien und T\u00e4tigkeiten st\u00e4rker diversifiziert ist als bisher angenommen.","post_hero_image_description":"Avant d\u2019arriver aux clients finaux, un produit a souvent d\u00e9j\u00e0 franchi plusieurs fronti\u00e8res nationales sous la forme d\u2019intrants import\u00e9s.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Gestiegene Komplexit\u00e4t der Konjunkturzusammenh\u00e4nge","kasten_box":"Die heutigen Aussenhandelsstatistiken basieren auf einer Bruttobetrachtung: Diese erfasst bei jedem Grenz\u00fcbertritt den Wert aller in einem Produkt enthaltenen Komponenten und Vorleistungen. Denn der Gesamtwert eines Exportes (inklusive der importierten Wertsch\u00f6pfung) wird immer dem exportierenden Land zugeschlagen. Diese implizite Mehrfachz\u00e4hlung hat dazu gef\u00fchrt, dass die Schwankungen der Handelsstr\u00f6me gr\u00f6sser geworden sind. Im Gegensatz dazu basiert die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und damit das Bruttoinlandprodukt (BIP) auf einer Wertsch\u00f6pfungsbetrachtung. Die internationalen Konjunkturzusammenh\u00e4nge sind mit zunehmender Vernetzung der Handelsstr\u00f6me insgesamt komplexer geworden. Die fortschreitende internationale Arbeitsteilung f\u00fchrt einerseits durch die Handelsverflechtungen zu einer schnelleren und st\u00e4rkeren \u00dcbertragung konjunktureller Schwankungen \u00fcber L\u00e4nder hinweg. Eine verst\u00e4rkte Integration kann zudem auch dazu f\u00fchren, dass sich \u2013 wie bei den Ausr\u00fcstungsg\u00fctern \u2013 kleinere Schwankungen der Nachfrage \u00fcber die Wertsch\u00f6pfungskette hinweg immer weiter aufschaukeln. Andererseits wirken jedoch Handelsverwerfungen abged\u00e4mpft auf die Binnenkonjunktur: Schwankungen im Bruttowert (Handel) fallen in einer reinen Wertsch\u00f6pfungsbetrachtung \u2013 also f\u00fcr das BIP \u2013 weniger stark ins Gewicht. Zudem ist der Handel zunehmend gepr\u00e4gt vom Austausch von Vorleistungs- und Investitionsg\u00fctern, deren Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Produktion geringer ist. Anmerkung: Siehe hierzu Alessandria, G., J.P. Kaboski und V. Midrigan (2011): US Trade and Inventory Dynamics, American Economic Review, Vol. 101 (3), S. 303-307; Escaith, H., N. Lindenberg und S. Miroudot (2010): Global Value Chains and the Crisis: Reshaping International Trade Elasticity, in: O. Cattaneo, G. Gereffi und C. Staritz (Hrsg.): Global Value Chains in a Post Crisis World, The World Bank, Washington D.C.; Altomonte, C, F. Di Mauro, G. Ottaviano, A. Rungi und Vincent Vicard (2012): Global Value Chains during the Great Trade Collapse: A Bullwhip Effect?, ECB Working Paper Series; Freund, C. (2009): The Trade Response to Global Downturns, VoxEU.org, November; Francois, J. und Woerz, J. (2009): Follow the Bouncing Ball \u2013 Trade and the Great Recession Redux, VoxEU.org, November. Vgl. auch Feenstra, R. (2011): The International Trade and Investment Program, NBER Reporter 2011, Issue 2, f\u00fcr einen \u00dcberblick \u00fcber die m\u00f6glichen Erkl\u00e4rungen des Einflusses von GWK auf internationale Konjunkturzusammenh\u00e4nge."},{"kasten_title":"Input-Output-Tabellen","kasten_box":"Eine Input-Output-Tabelle (kurz IOT) zeigt auf, welche G\u00fcter und Dienstleistungen in welchen Mengen als Vorleistungen (Input) verwendet werden, um andere G\u00fcter und Dienstleistungen bereitzustellen (Output). Basierend auf der Kombination einer IOT mit der Handelsstatistik, kann analysiert werden, welcher Anteil an Vorleistungen oder Zwischenprodukten inl\u00e4ndischer oder ausl\u00e4ndischer Herkunft ist. Allerdings muss bei aus einem Land A importierten Zwischenprodukten ber\u00fccksichtigt werden, zu welchem Anteil diese aus Wertsch\u00f6pfungsanteilen aus Land A selbst bestehen sowie aus wiederum importierten Vorleistungen von Drittl\u00e4ndern B, C und D. Auch B, C und D verwenden jeweils selbst hergestellte sowie auch importierte Vorleistungen f\u00fcr ihre Exporte. Deshalb ben\u00f6tigt man f\u00fcr die Analyse der globalen Wertsch\u00f6pfungsketten neben der Input-Output-Tabelle und der Aussenhandelsstatistik der Schweiz auch die Daten aller (oder der wichtigsten) Handelspartner der Schweiz sowie deren Handelspartner usw. W\u00e4hrend Aussenhandelsstatistiken seit Langem in harmonisierter Form existieren, gibt es erst seit Kurzem f\u00fcr eine ausreichende Anzahl L\u00e4nder auch harmonisierte Input-Output-Tabellen."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":147388,"main_focus":[156655,157272],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3736","post_abstract":"","magazine_issue":"20141201","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54902e17816c6"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/147385"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4079"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=147385"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/147385\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":188690,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/147385\/revisions\/188690"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157272"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156655"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3880"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4079"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/116971"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=147385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=147385"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=147385"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=147385"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=147385"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=147385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}