{"id":147660,"date":"2014-12-11T10:04:07","date_gmt":"2014-12-11T10:04:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/ungleiche-arbeitsmarktchancen-in-den-ausbildungsberufen\/"},"modified":"2023-08-24T00:33:03","modified_gmt":"2023-08-23T22:33:03","slug":"ungleiche-arbeitsmarktchancen-in-den-ausbildungsberufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/2014\/12\/ungleiche-arbeitsmarktchancen-in-den-ausbildungsberufen\/","title":{"rendered":"Ungleiche Arbeitsmarktchancen in den Ausbildungsberufen"},"content":{"rendered":"<p>Die <span class=\"recomDescriptiveWord\">Arbeitsmarktchancen<\/span> von Fachkr\u00e4ften lassen sich anhand unterschiedlicher Gr\u00f6ssen miteinander vergleichen. Zentral ist zun\u00e4chst das Risiko, arbeitslos zu werden. Weitere Indikatoren f\u00fcr den l\u00e4ngerfristigen Erfolg im Berufsleben sind die Qualit\u00e4t der Erwerbssituation, die Einkommenschancen, die Aussichten bez\u00fcglich beruflicher Mobilit\u00e4t, die Weiterbildungsbeteiligung oder die Breite des Stellenangebots im entsprechenden Beruf.&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In der folgenden Zusammenfassung des Reports des Stellenmarktmonitors (siehe Kasten 1) Der vollst\u00e4ndige Report Arbeitsmarktperspektiven von Fachkr\u00e4ften aus unterschiedlichen Berufen ist auf der Webseite des SBFI verf\u00fcgbar (www.sbfi.admin.ch &gt; Dokumentation &gt; Publikationen &gt; Berufsbildung &gt; Berufliche Grundbildung). Dort finden sich detaillierte Auswertungen zu den einzelnen Indikatoren und methodische Angaben. Zus\u00e4tzlich zu den hier gezeigten Auswertungen untersucht der Report auch die Unterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Fachkr\u00e4ften. Die verwendeten Berufskategorien wurden analog zum Lehrstellenbarometer gebildet. F\u00fcr die Auswertungen der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) poolen wir die Daten f\u00fcr das 2. Quartal aus den Jahren 2004 bis 2013, was die Sch\u00e4tzung eines langfristigen Durchschnittswerts \u00fcber den gesamten Konjunkturzyklus erm\u00f6glicht. Die Sake-Daten liefern auch die Populationssch\u00e4tzer f\u00fcr die Arbeitslosenquoten, w\u00e4hrend die Arbeitslosenzahlen der amtlichen Statistik entnommen werden (Avam). F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Lohnchancen nutzen wir die Sake-Jahresdaten 2010 bis 2012. Auf dieser Grundlage ist f\u00fcr sieben von zehn Berufskategorien eine statistisch ausreichende Datenbasis vorhanden. Die Berufe in den Bereichen Druck und Design, Landwirtschaft sowie Informatik sind in den Sake-Daten aber unzureichend besetzt, weshalb sie hier unber\u00fccksichtigt bleiben m\u00fcssen. konzentrieren wir uns auf die Unterschiede zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach \u00fcber- und unterdurchschnittlichen Chancen von Erwerbst\u00e4tigen mit einer beruflichen Grundbildung im Alter von 26 bis 54 Jahren. Die Gesamtsicht der letzten zehn Jahre (siehe Grafik 1) zeigt, dass sich die Arbeitsmarktperspektiven je nach der Art des erlernten Berufs betr\u00e4chtlich unterscheiden. Negativwerte verweisen dabei auf Nachteile und positive Werte auf Vorteile im Vergleich mit dem Durchschnitt \u00fcber alle Berufsgruppen.&#13;<br \/>\nDer Indikator f\u00fcr Besch\u00e4ftigungssicherheit ergibt sich aus der Arbeitslosenquote (registrierte Arbeitslosigkeit gem\u00e4ss Avam) mit umgekehrtem Vorzeichen, die Anstellungsbedingungen aus dem Anteil prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse in der Berufskategorie (dazu geh\u00f6ren v. a. marginale Arbeitspensen und Befristungen). In den Indikator f\u00fcr die Lohnchancen fliessen der Medianlohn und der Anteil Tieflohnbez\u00fcger (mit einem standardisierten Lohn von weniger als zwei Dritteln des Medianlohns aller Besch\u00e4ftigten) ein. Die Weiterbildungsbeteiligung fasst den Anteil Fachkr\u00e4fte in einer Weiterbildung und solche in Ausbildung auf Terti\u00e4rstufe zusammen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Getr\u00fcbte Perspektiven in den Dienstleistungs- und Verkaufsberufen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn allen Indikatoren deutlich unterdurchschnittlich pr\u00e4sentiert sich die Situation in den Berufen der pers\u00f6nlichen Dienstleistungen (wie Koch, Coiffeuse oder Restaurationsfachleute) und den Verkaufsberufen (wie Logistiker oder Detailhandelsfachleute). Am st\u00e4rksten im Negativbereich liegen die Werte f\u00fcr die Erwerbssicherheit und die Lohnchancen. Letzteres ist insbesondere eine Folge davon, dass sich in beiden Gruppen mit rund 23% auffallend viele Tieflohnbez\u00fcger finden. Doch auch das Risiko einer prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigung ist deutlich erh\u00f6ht. Zudem sind die f\u00fcr die Verbesserung der l\u00e4ngerfristigen Besch\u00e4ftigungschancen wichtigen Weiterbildungsaktivit\u00e4ten vergleichsweise selten. Unverkennbar ist, wie sich die Nachteile \u00fcber die verschiedenen Dimensionen hinweg kumulieren. Von diesen im Quervergleich wenig attraktiven Aussichten darf allerdings nicht auf \u2013 im absoluten Sinne \u2013 kl\u00e4gliche Berufschancen in den Dienstleistungs- und Verkaufsberufen geschlossen werden. So liegt etwa die Arbeitslosenquote im Mittel der letzten zehn Jahre zwar deutlich h\u00f6her als in anderen Bereichen, h\u00e4lt sich aber mit 4,2% respektive 3,3% in Grenzen. Dies verweist auf die alles in allem gute Verfassung des Arbeitsmarktes f\u00fcr Fachkr\u00e4fte in der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Attraktive Bedingungen in technischen und sozialen Berufen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Gegensatz zu den unterdurchschnittlichen Erwerbsperspektiven bei den benachteiligteren Berufsgruppen ist die Situation f\u00fcr die anderen Kategorien von beruflichen Grundbildungen weniger einheitlich. Die Bauberufe (wie Maurer, Zimmermann oder Hochbauzeichner), die technischen Berufe (wie Elektroinstallateur, Polymechaniker oder Automobil-Mechatroniker) sowie die medizinischen und sozialen Berufe (wie Fachfrau Gesundheit\/Betreuung oder medizinische Praxisassistentin) zeigen alle eine \u00fcberdurchschnittliche Besch\u00e4ftigungssicherheit. In den Bereichen Bau und Technik finden wir zudem selten prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse und sehr gute Lohnchancen. Sie zeigen sich etwa darin, dass der Anteil Tieflohnbez\u00fcger in beiden Bereichen unter 7% liegt.In den weiblich dominierten medizinischen und sozialen Berufen sind prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungen dagegen sehr viel h\u00e4ufiger; sie sind allerdings oft freiwillig gew\u00e4hlt.&#13;<br \/>\nIn diesen Berufen ist aber auch die Unterbesch\u00e4ftigung (Teilzeitangestellte, die gerne mehr arbeiten w\u00fcrden) deutlich \u00fcberdurchschnittlich.&#13;<br \/>\nAuch das Lohnniveau liegt im Gegensatz zu den Berufen in Bau und Technik nicht signifikant \u00fcber dem Durchschnitt (rund 13% Tieflohnbez\u00fcger). Daf\u00fcr ist in diesem Bereich die Weiterbildungsbeteiligung mit Abstand am gr\u00f6ssten, was die individuellen Karrierechancen bef\u00f6rdern d\u00fcrfte. Dagegen spielt Weiterbildung im technischen Bereich offenbar nur eine durchschnittliche Rolle und zeigt in den Bauberufen sogar den tiefsten Wert aller Berufskategorien.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Polarisierung in den B\u00fcroberufen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm mittleren Bereich unserer \u00abRangliste\u00bb stehen die traditionellen gewerblichen Berufe (wie Schreiner, B\u00e4cker oder Fleischfachmann) sowie die B\u00fcroberufe (vor allem Kaufleute). Diese unterscheiden sich bez\u00fcglich der <span class=\"recomDescriptiveWord\">Arbeitsmarktchancen<\/span> allerdings stark voneinander. Der gewerbliche Bereich bietet einerseits eine auffallend grosse Besch\u00e4ftigungssicherheit. Andererseits liegen Anstellungsbedingungen, Lohnchancen und Weiterbildungsbeteiligung im negativen Bereich, sind aber immer noch deutlich besser als im Verkauf und bei den pers\u00f6nlichen Dienstleistungen. Bei den B\u00fcroberufen f\u00e4llt die vergleichsweise geringe Besch\u00e4ftigungssicherheit auf, der auf der anderen Seite gute Lohnchancen und eine deutlich erh\u00f6hte Weiterbildungsbeteiligung gegen\u00fcberstehen. Dies verweist auf eine gewisse Polarisierung innerhalb des Berufsfeldes zwischen Arbeitnehmern, die in durchaus attraktiven Positionen erwerbst\u00e4tig sind, und solchen, die \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig erwerbslos sind.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Wie hat sich im Arbeitsmarkt f\u00fcr Fachkr\u00e4fte das Verh\u00e4ltnis zwischen den von der Wirtschaft nachgefragten und den von den Erwerbspersonen absolvierten Berufsausbildungen seit 2004 entwickelt? Dazu betrachten wir die Nachfrage-Angebots-Relationen in den einzelnen Berufskategorien (siehe Grafik 2). Als Indikator dient das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Anteil der Kategorien am Stellenangebot (v) und ihrem Anteil an der Arbeitslosigkeit (u).&#13;<br \/>\nDie Angaben zu den Vakanzen beruhen auf den Daten des Stellenmarktmonitors Schweiz (SMM), die Zahlen zu den registrierten Arbeitslosen (18- bis 54-j\u00e4hrig mit beruflicher Grundbildung) sind der amtlichen Statistik (Avam) entnommen.&#13;<br \/>\nWenn der Anteil vakanter Stellen in einer Kategorie gr\u00f6sser ist als der Anteil an den Arbeitslosen, resultiert ein Verh\u00e4ltnis gr\u00f6sser als 1:1. Wenn umgekehrt ein \u00dcbergewicht der Arbeitslosigkeit besteht, liegen die Werte unter dieser Gleichgewichtslinie.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Bei den Berufen im Bereich pers\u00f6nliche Dienstleistungen haben wir unterdurchschnittliche Arbeitsmarktperspektiven festgestellt. Ein wichtiger Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte das \u00dcberangebot an Arbeitskr\u00e4ften sein. Die entsprechenden v\/u-Werte in Grafik 2 liegen durchwegs unter dem ausgeglichenen Verh\u00e4ltnis von 1:1; der Anteil an den Arbeitslosen \u00fcbertrifft den Anteil an Vakanzen in allen Jahren um mindestens das Doppelte. Dass dieses Verh\u00e4ltnis \u00fcber die letzten zehn Jahre einen insgesamt negativen Trend aufweist, kann als Hinweis auf eine sich versch\u00e4rfende Problematik gedeutet werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In den technischen Berufen finden die Fachkr\u00e4fte demgegen\u00fcber sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dies d\u00fcrfte auch darin begr\u00fcndet sein, dass hier fast durchgehend ein deutliches \u00dcbergewicht des Stellenangebots herrscht. In diesen T\u00e4tigkeiten wird intensiv nach geeignetem Personal gesucht. Dem umworbenen Personal werden entsprechend attraktive Stellen geboten. Der konjunkturelle R\u00fcckgang 2009\/2010 bringt nur eine kurzfristige Entspannung von geringem Ausmass.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Konjunkturanf\u00e4llige gewerbliche Berufe<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In der Gesamtsicht \u00fcber die letzten zehn Jahre, wie sie in Grafik 1 zusammengefasst ist, zeigen die gewerblichen Berufe \u2013 ausser bei der Arbeitslosigkeit \u2013 leicht unterdurchschnittliche Werte. Die Entwicklung der Nachfrage-Angebots-Relation seit 2004 in Grafik 2 offenbart nun grosse Schwankungen in Abh\u00e4ngigkeit zur Konjunkturlage: In g\u00fcnstigen Zeiten ist das Verh\u00e4ltnis mehr oder weniger ausgeglichen; bei Konjunktureinbr\u00fcchen schl\u00e4gt es stark auf die Seite der Arbeitslosigkeit aus. Die insgesamt durchschnittlichen <span class=\"recomDescriptiveWord\">Arbeitsmarktchancen<\/span> in den gewerblichen Berufen sind also vor dem Hintergrund einer ausgesprochenen Konjunkturanf\u00e4lligkeit zu relativieren. Dass die v\/u-Werte trotz der insgesamt sehr tiefen Arbeitslosigkeit in den meisten Jahren unter der Gleichgewichtslinie liegen, verweist auf einen Arbeitsmarkt von geringer Dynamik, in dem verh\u00e4ltnism\u00e4ssig wenige Stellen ausgeschrieben werden.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">B\u00fcroberufe mit erh\u00f6hter Weiterbildungsnotwendigkeit<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Besonders interessant ist die Situation in den B\u00fcroberufen. Die Nachfrage-Angebots-Relation zeigt ein deutliches \u00dcbergewicht der vakanten Stellen. Dass trotzdem die Arbeitslosigkeit \u00fcberdurchschnittlich gross ist (siehe Grafik 1), weist darauf hin, dass in diesem Bereich zwar viel Personal gesucht wird, die arbeitslosen Berufsleute oft aber den von den Betrieben geforderten Qualifikationsprofilen nur ungen\u00fcgend entsprechen. Die festgestellte grosse Weiterbildungsbeteiligung kann demnach als Ausdruck einer Weiterbildungsnotwendigkeit gelesen werden: Die attraktive Arbeitsmarktsituation kann nur nutzen, wer die entsprechenden, \u00fcber die berufliche Grundbildung hinausgehenden Qualifikationen vorweisen kann.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Personalengp\u00e4sse hier, \u00dcberangebot dort<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Zusammenfassend zeigt unsere Untersuchung \u00fcber die letzten zehn Jahre \u00fcberdurchschnittliche Arbeitsmarktperspektiven in den technischen und Bauberufen sowie in den medizinischen und sozialen Berufen. Aus Sicht der Arbeitgeber herrscht hier ein mehr oder weniger ausgepr\u00e4gter Fachkr\u00e4ftemangel, sodass in einigen Berufen Personalengp\u00e4sse zu beobachten sind. Unterdurchschnittliche Perspektiven f\u00fcr die Arbeitnehmenden finden wir in den pers\u00f6nlichen Dienstleistungen und dem Verkauf. Hier scheint eher ein \u00dcberangebot an Arbeitskr\u00e4ften zu bestehen. Mittlere Aussichten bieten die traditionellen gewerblichen Berufe. Dieses Stellenangebot reagiert besonders stark auf konjunkturelle Schwankungen. Die unterdurchschnittlichen Verdienst- und Weiterbildungsaussichten werfen die Frage nach der l\u00e4ngerfristigen Attraktivit\u00e4t von Ausbildungen in diesem Berufsfeld auf. Uneinheitliche Perspektiven bieten die B\u00fcroberufe. Dabei ist die Qualit\u00e4t der Nachfrage von besonderem Interesse. So erscheint die kaufm\u00e4nnische Ausbildung als ein besonders gutes Sprungbrett f\u00fcr die weitere Karriere, bietet allein aber nur beschr\u00e4nkte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Offene Fragen: Bildungsniveau, Konkurrenz oder Betriebsstruktur?<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass eine st\u00e4rkere Aufschl\u00fcsselung der Analysen sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die recht groben Berufskategorien mit den derzeit verf\u00fcgbaren Daten nur begrenzt m\u00f6glich ist. Gerade in Bereichen, wo Indizien f\u00fcr eine Verschlechterung der Situation (etwa Dienstleistungsberufe) oder f\u00fcr eine interne Polarisierung vorliegen (B\u00fcroberufe, aber auch medizinische und soziale Berufe), w\u00e4ren detailliertere Analysen von grossem Interesse. Trotz dieser Einschr\u00e4nkungen m\u00f6chten wir einige \u00dcberlegungen zu m\u00f6glichen Gr\u00fcnden der beobachteten Unterschiede zwischen den Berufskategorien anstellen. Dabei verweisen wir gleichzeitig auf offene Forschungsfragen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Erstens schneiden einige der Berufe mit weniger anspruchsvollen Ausbildungen bez\u00fcglich Arbeitsmarktperspektiven unterdurchschnittlich ab. Dies k\u00f6nnte einerseits daran liegen, dass die schulischen Anforderungen in manchen Feldern gemessen an den hohen Anspr\u00fcchen der heutigen Arbeitswelt tendenziell zu klein sind. Damit sind die Entwicklungsperspektiven f\u00fcr die Absolventen solcher Berufsbildungen beschr\u00e4nkt, und es stellt sich die genauer zu kl\u00e4rende Frage, ob die hohe Integrationskraft des Berufsbildungssystems f\u00fcr Jugendliche mit kleinerem Schulrucksack nach und nach erodiert. Andererseits sind weniger anspruchsvolle T\u00e4tigkeitsbereiche auch am ehesten einer Konkurrenz durch ungelernte Arbeitskr\u00e4fte ausgesetzt. Zwar ist unter anderem durch das Berufseinstiegsbarometer&#13;<br \/>\nVgl. Sacchi, Stefan, und Alexander Salvisberg: Entwicklung des Arbeitsmarkts f\u00fcr Berufseinsteiger. In: Die Volkswirtschaft, 4-2011, S. 31\u201334.&#13;<br \/>\ngut belegt, dass Arbeitnehmende ohne nachobligatorische Ausbildung im Vergleich zu Fachkr\u00e4ften insgesamt schlechtere Besch\u00e4ftigungsperspektiven besitzen. Wenig ist jedoch \u00fcber die Lage innerhalb einzelner T\u00e4tigkeitsfelder bekannt. So k\u00f6nnte man zum Beispiel der Frage nachgehen, inwieweit ein Eidgen\u00f6ssisches F\u00e4higkeitszeugnis (EFZ) die l\u00e4ngerfristigen <span class=\"recomDescriptiveWord\">Arbeitsmarktchancen<\/span> einer Restaurationsfachfrau im Vergleich zu einer ungelernten Servicemitarbeitenden verbessert.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Zweitens verweisen die Auswertungen zu den Nachfrage-Angebots-Relationen auf einen Zusammenhang zwischen arbeitsmarktlichen Ungleichgewichten und Besch\u00e4ftigungsperspektiven. Ein permanentes, auch bei guter Konjunktur zu beobachtendes \u00dcberangebot an Fachkr\u00e4ften in einem spezifischen Berufsfeld w\u00fcrde dabei auf einen zu grossen \u00abOutput\u00bb des Berufsbildungssystems hinweisen. Die Folge der damit versch\u00e4rften Konkurrenz um die vorhandenen Arbeitspl\u00e4tze sind getr\u00fcbte <span class=\"recomDescriptiveWord\">Arbeitsmarktchancen<\/span> im Vergleich zu Absolventen einer Ausbildung in einem Berufsfeld mit Nachfrage\u00fcberhang. Wie gross effektiv die Auswirkungen des \u00dcberangebots an identisch ausgebildeten Mitbewerbern im Vergleich etwa mit der Konkurrenz \u00fcber Ausbildungsgrenzen hinweg tats\u00e4chlich ist, ist eine empirisch zu kl\u00e4rende Frage.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Drittens ist aber auch bekannt, dass sich die Arbeitsmarktbedingungen generell stark zwischen den einzelnen Unternehmen unterscheiden (wobei etwa die Branche, die Unternehmensgr\u00f6sse oder die Region eine Rolle spielen), ohne dass immer klar w\u00e4re, worauf diese Unterschiede im Einzelnen beruhen. Auch ohne R\u00fcckgriff auf die beiden obigen Erkl\u00e4rungen ist daher mit strukturell bedingten Unterschieden in den Erfolgsaussichten verschiedener Berufe zu rechnen. Welchen Einfluss die Unternehmensstruktur auf die Perspektiven in den einzelnen Lehrberufen tats\u00e4chlich hat, w\u00e4re wiederum zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Wie reagieren die Arbeitnehmenden?<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Eine \u00fcber diese m\u00f6glichen Erkl\u00e4rungen hinausgehende Fragestellung stellt die Entwicklungsdynamik ins Zentrum und geht den m\u00f6glichen Reaktionen der Fachkr\u00e4fte auf eine eventuell als unbefriedigend empfundene arbeitsmarktliche Situation nach. Weiterbildungen und Berufswechsel k\u00f6nnen hier neue Chancen er\u00f6ffnen. In welchen Bereichen dies in welchem Ausmass geschieht, kann Anhaltspunkte f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Nachhaltigkeit einzelner Ausbildungen geben \u2013 aber auch zeigen, wo und f\u00fcr wen das Berufsbildungssystem durchl\u00e4ssig ist. Schliesslich werden in der sich rasch wandelnden Arbeitswelt Fragen der beruflichen Neuorientierung immer relevanter.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Angaben zum Report<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Der vollst\u00e4ndige Report Arbeitsmarktperspektiven von Fachkr\u00e4ften aus unterschiedlichen Berufen ist auf der Webseite des SBFI verf\u00fcgbar (www.sbfi.admin.ch &gt; Dokumentation &gt; Publikationen &gt; Berufsbildung &gt; Berufliche Grundbildung). Dort finden sich detaillierte Auswertungen zu den einzelnen Indikatoren und methodische Angaben. Zus\u00e4tzlich zu den hier gezeigten Auswertungen untersucht der Report auch die Unterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Fachkr\u00e4ften. Die verwendeten Berufskategorien wurden analog zum Lehrstellenbarometer gebildet. F\u00fcr die Auswertungen der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) poolen wir die Daten f\u00fcr das 2. Quartal aus den Jahren 2004 bis 2013, was die Sch\u00e4tzung eines langfristigen Durchschnittswerts \u00fcber den gesamten Konjunkturzyklus erm\u00f6glicht. Die Sake-Daten liefern auch die Populationssch\u00e4tzer f\u00fcr die Arbeitslosenquoten, w\u00e4hrend die Arbeitslosenzahlen der amtlichen Statistik entnommen werden (Avam). F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Lohnchancen nutzen wir die Sake-Jahresdaten 2010 bis 2012. Auf dieser Grundlage ist f\u00fcr sieben von zehn Berufskategorien eine statistisch ausreichende Datenbasis vorhanden. Die Berufe in den Bereichen Druck und Design, Landwirtschaft sowie Informatik sind in den Sake-Daten aber unzureichend besetzt, weshalb sie hier unber\u00fccksichtigt bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\"><span class=\"AU\"> Dr. Alexander Salvisberg Stellenmarkt-Monitor Schweiz, Soziologisches Institut der Universit\u00e4t Z\u00fcrich <\/span><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\"><span class=\"AU\"> Dr. Stefan Sacchi Stellenmarkt-Monitor Schweiz, Soziologisches Institut der Universit\u00e4t Z\u00fcrich <\/span><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"LG\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Unterdurchschnittlich zeigen sich die beruflichen Perspektiven in den Dienstleistungs- und Verkaufsberufen. Es w\u00e4re allerdings falsch, von diesem Quervergleich auf schlechte Berufschancen im absoluten Sinne zu schliessen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"UR\"> Foto: Keystone <\/span>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitsmarktchancen von Fachkr\u00e4ften lassen sich anhand unterschiedlicher Gr\u00f6ssen miteinander vergleichen. Zentral ist zun\u00e4chst das Risiko, arbeitslos zu werden. 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Generell haben Absolventen einer beruflichen Grundbildung deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als ungelernte Arbeitskr\u00e4fte. Aber nicht jede Berufslehre bietet dieselbe Garantie f\u00fcr einen erfolgreichen Erwerbsverlauf. Eine neue Studie des Stellenmarktmonitors Schweiz liefert dazu erstmals informative Kennzahlen. 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