{"id":153030,"date":"2009-03-01T08:25:31","date_gmt":"2009-03-01T08:25:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/03\/arbeitsmarktpolitik-in-schwierigen-zeiten\/"},"modified":"2023-08-24T01:07:10","modified_gmt":"2023-08-23T23:07:10","slug":"arbeitsmarktpolitik-in-schwierigen-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/2009\/03\/arbeitsmarktpolitik-in-schwierigen-zeiten\/","title":{"rendered":"Arbeitsmarktpolitik in schwierigen Zeiten"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"titleSection\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<div class=\"LD\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Die Arbeitsmarktlage verschlechtert sich rasch<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">W\u00e4hrend das Besch\u00e4ftigungswachstum im 3. Quartal 2008 noch robust war, mehrten sich im 4. Quartal die negativen Tendenzen. In den letzten Monaten war in einigen Branchen eine Zur\u00fcckhaltung bei Neueinstellungen und damit einhergehend eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Am deutlichsten war dies in der Metall-, Maschinen-, Elektro-, Kunststoff- und Uhrenindustrie der Fall. Ebenfalls leicht \u00fcberdurchschnittlich fiel der Anstieg im Baugewerbe sowie bei den Banken aus. In den Monaten Dezember und Januar hat die Arbeitslosigkeit \u2013 auch bereinigt um saisonale Effekte \u2013 mit einer Zunahme von rund 5000 Personen pro Monat rasch zugenommen.Vor allem betroffen von der wirtschaftlichen Abschw\u00e4chung war in diesem Winter die Industrie. Das zeigt sich besonders an der raschen Zunahme der Kurzarbeit. Rund 700 Firmen haben im Dezember 2008 Kurzarbeit (siehe Kasten 1) angemeldet; im Januar 2009 waren es mehr als 800. Die abgerechnete Kurzarbeit im November 2008 zeigt einen sehr starken Anstieg im Vorjahresvergleich. Dass die Firmen Kurzarbeit beantragen, gibt aber auch Anlass zu etwas Hoffnung. Da sie einen Teil der Kosten der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung selber tragen m\u00fcssen, bedeutet dies, dass sie eine baldige Besserung der Lage nicht ausschliessen und versuchen, das Personal w\u00e4hrend der Konjunkturschw\u00e4che zu halten. Insgesamt best\u00e4tigen die neusten Entwicklungen unsere Prognose, welche bis zum Jahresende einen Anstieg auf rund 4% erwartet. Im Jahresverlauf 2010 rechnen wir mit einer sukzessiven Abflachung der Zunahme, womit die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt auf 4,3% (170000) zu liegen k\u00e4me. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt die Arbeitsmarktentwicklung direkt von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung ab. Dass im gegenw\u00e4rtigen Umfeld besondere Unsicherheit herrscht, ist offensichtlich. Ein latentes Prognoserisiko betrifft die Tiefe und L\u00e4nge der Rezession. Sollte diese erheblich tiefer und\/oder l\u00e4nger ausfallen, m\u00fcsste die hier pr\u00e4sentierte Prognose deutlich nach oben angepasst werden.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Langfristigen Ausschluss von Menschen aus dem Arbeitsmarkt verhindern<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Der Umschwung am Arbeitsmarkt trifft den Schweizer Arbeitsmarkt unvermittelt nach einer Phase mit starkem Besch\u00e4ftigungswachstum. Damit verschieben sich die Akzente der Arbeitsmarktpolitik. In den letzten Jahren standen zwei Fragen im Vordergrund: Wie k\u00f6nnen Personen mit pers\u00f6nlichen oder gesundheitlichen Handicaps in den Arbeitsmarkt integriert werden? Dabei ging es einerseits darum, den Personen m\u00f6glichst zu helfen, wieder eine Stelle zu finden. Wir mussten aber auch die Anreize untersuchen, die von unseren Sozialversicherungen ausgingen, damit Personen nicht zu lange ausserhalb der Erwerbswelt bleiben. Zweitens mussten wir sicherstellen, dass die rasche \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes nach der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit und der in der Folge starken Einwanderung nicht zu einem \u00fcberm\u00e4ssigen Druck insbesondere auf die L\u00f6hne der unteren H\u00e4lfte der Lohnverteilung f\u00fchrte. Fragen der Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge und der flankierenden Massnahmen wurden deshalb auch in der \u00d6ffentlichkeit stark diskutiert. Mit dem \u00dcbergreifen der weltwirtschaftlichen Krise auf die Schweiz sind die traditionellen besch\u00e4ftigungspolitischen Probleme in den Vordergrund ger\u00fcckt. Wie k\u00f6nnten wir verhindern, dass zehntausende von Personen l\u00e4ngerfristig aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden und sp\u00e4ter nur mit M\u00fche oder gar nicht mehr in die Erwerbswelt zur\u00fcckfinden?Es besteht heute weitgehend Konsens dar\u00fcber, welche Politikbereiche zur l\u00e4ngerfristigen Sicherung der Vollbesch\u00e4ftigung von Bedeutung sind:\u2212 Eine stabilit\u00e4tsorientierte Makropolitik, welche darauf hinwirkt, dass Rezessionen nicht zu lange dauern und es in einem Abschwung nicht zu einer Ausgrenzung von zehntausenden von Personen aus der Erwerbswelt kommt. Kurz: Die Phase der Rezession und der hohen Arbeitslosigkeit darf nicht zu lange dauern; \u2212 ein Aus- und Berufsbildungssystem, welches der Jugend auch in schwierigen Zeiten den Anschluss an die Arbeitswelt erm\u00f6glicht;\u2212 eine Arbeitslosenversicherung (ALV) und Sozialversicherungen, welche einen guten Schutz gegen den Einkommensausfall gew\u00e4hren und gleichzeitig Anreize setzen, dass Personen nicht l\u00e4nger als n\u00f6tig ausserhalb der Erwerbswelt verbleiben.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Stabilit\u00e4tsorientierte Makropolitik<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Eine das Wirtschaftswachstum stabilisierende Finanz- und Geldpolitik geh\u00f6rt zu den Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik. Dauern Perioden ohne Wirtschaftswachstum mit r\u00fcckl\u00e4ufiger Besch\u00e4ftigung zu lange, werden viele Personen so lange aus der Erwerbswelt ausgeschlossen, dass sie sp\u00e4ter auch bei wieder besserer Konjunkturlage nur mit M\u00fche oder nicht mehr in diese zur\u00fcckfinden. Auch droht in langen Rezessionsphasen die Gefahr, dass zur Verhinderung von sozialer Not Sozialversicherungen derart ausgestaltet werden, dass sie in einer k\u00fcnftigen besseren Wirtschaftslage den raschen Abbau der Arbeitslosigkeit oder der Unterbesch\u00e4ftigung eher behindern als beg\u00fcnstigen. So wurden in vielen L\u00e4ndern in Zeiten mit sehr hoher Arbeitslosigkeit Fr\u00fchpensionierungsmodelle geschaffen, die sich sp\u00e4ter auch bei besserer Wirtschaftslage als nicht bezahlbar erwiesen haben. Die Orientierung der schweizerischen Stabilit\u00e4tspolitik wird an anderer Stelle in diesem Heft ausf\u00fchrlich diskutiert.1 In einer kleinen offenen Volkswirtschaft mit einer eigenst\u00e4ndigen W\u00e4hrung ist die Geldpolitik das wichtigste Instrument der Konjunkturstabilisierung. Trotzdem wird in den letzten Jahren auch der Finanzpolitik wieder eine etwas gr\u00f6ssere Bedeutung beigemessen. Die Schweiz setzt dabei in erster Linie auf sogenannte automatische Stabilisatoren, die in den letzten 10 Jahren ausgebaut wurden. Nicht nur wurde die Schuldenbremse so ausgestaltet, dass sie der Konjunkturlage Rechnung tr\u00e4gt. Auch die Finanzierung der ALV wurde so konzipiert, dass diese die konjunkturelle Entwicklung stabilisiert und nicht wie fr\u00fcher in Rezessionszeiten st\u00e4ndig die Beitr\u00e4ge erh\u00f6ht werden m\u00fcssen. Die Grundidee besteht darin, den Beitragssatz so festzulegen, dass die Leistungen im Durchschnitt eines Konjunkturzyklus finanziert werden k\u00f6nnen. Die Einnahmen entwickeln sich im Gleichschritt mit der wirtschaftlichen Entwicklung, w\u00e4hrend die Ausgaben in wirtschaftlich schlechten Zeiten steigen und in guten Zeiten fallen. Daraus ergeben sich in Rezessionszeiten Fehlbetr\u00e4ge und steigende Schulden, die in der Hochkonjunktur dank \u00dcbersch\u00fcssen zur\u00fcckbezahlt werden sollten. Auf diese Weise wirkt die ALV wie eine fiskalpolitische Stabilisierungsmassnahme, wobei Zeitpunkt und Dosierung direkt vom Ausmass der konjunkturellen Schwankung bzw. deren Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit abh\u00e4ngen. Deshalb sprechen wir von automatischen Stabilisatoren.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Schulden in Hochkonjunktur abbauen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Wie bereits erw\u00e4hnt, d\u00fcrfte die Arbeitslosigkeit von 2,6% im letzten Jahr auf rund 4,3% im Jahr 2010 ansteigen. W\u00e4hrend 2008 in der ALV ein \u00dcberschuss von 600 Mio. Franken resultierte, ist 2009 mit einem Defizit im ALV-Fonds in der Gr\u00f6ssenordnung von knapp 1,1 Mrd. Franken zu rechnen. Der fiskalische Impuls betr\u00e4gt gegen\u00fcber 2008 rund 1,7 Mrd. Franken. 2010 w\u00fcrde das Defizit des ALV-Fonds gem\u00e4ss aktuellen Prognosen auf 2,7 Mrd. Franken. anwachsen, womit gegen\u00fcber dem Vorjahr ein erneuter positiver Impuls von 1,6 Mrd. Franken resultiert. Die beiden Impulse entsprechen je rund 0,3 BIP-Prozentpunkten. Sollte sich die Arbeitsmarktentwicklung deutlicher verschlechtern, als dies die aktuellen Prognosen besagen, w\u00fcrde sich der Impuls verst\u00e4rken.Automatische Stabilisatoren sind dann besonders wirksam, wenn in Hochkonjunkturphasen die politische Bereitschaft besteht, die in der Rezession angeh\u00e4uften Schulden wieder abzubauen bzw. zur\u00fcckzuzahlen. Leider ist dies bei der ALV in den letzten Hochkonjunkturjahren nicht gelungen. Zu Beginn des Jahrzehnts wurden die Beitr\u00e4ge von drei auf zwei Lohnprozente gesenkt. Man glaubte damals, die durchschnittliche Arbeitslosenquote w\u00fcrde in der Schweiz langfristig lediglich 2,5% betragen. Das war zu optimistisch. Deshalb geht die ALV mit einer Darlehensschuld von 4,1 Mrd. Franken in diese Rezession. Diese d\u00fcrfte in den n\u00e4chsten drei Jahren auf rund 10 Mrd. Franken steigen. Das zeigt, dass die ALV finanziell nicht im Gleichgewicht ist. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz (Avig) muss deshalb rasch revidiert werden. Der Bundesrat hat eine entsprechende Botschaft bereits verabschiedet. Wenn das Parlament das neue Gesetz rasch ber\u00e4t, k\u00f6nnte es gerade rechtzeitig in Kraft treten, damit im n\u00e4chsten Konjunkturaufschwung die Schulden zur\u00fcckbezahlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Gen\u00fcgend Ausbildungspl\u00e4tze bereitstellen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In der Schweiz schliessen heute rund 90% der Jugendlichen mindestens eine Matur oder eine berufliche Grundausbildung ab (Sekundarstufe II). Dank dem dualen Berufsbildungssystem ist es der Schweiz in der Vergangenheit gelungen, die Jugendarbeitslosigkeit tief zu halten. Mittelfristiges Ziel des Bundes und der Kantone ist es, diesen Wert auf 95% zu steigern. Leider ist wohl damit zu rechnen, dass der bevorstehende Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckgang nicht ohne Folgen f\u00fcr das Lehrstellenangebot bleiben wird, womit das Ziel von 95% kurzfristig gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnte. Allerdings hat die Vergangenheit auch gezeigt, dass mit gezielten Gegenmassnahmen eine St\u00fctzung des Lehrstellenangebots m\u00f6glich ist. Als Gl\u00fccksfall muss heute bezeichnet werden, dass die Kantone in der vergangenen Hochkonjunktur mit ihren Anstrengungen im Lehrstellenmarketing nicht nachgelassen haben. Es wird in den n\u00e4chsten zwei Jahren grosse Anstrengungen brauchen, um die Zahl der Ausbildungspl\u00e4tze zu stabilisieren. In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass es gelingt, die Zahl der Attestausbildungen weiter zu erh\u00f6hen (vgl. Kasten 2). Zudem sind die Kantone daran, die Betreuung der jugendlichen Schulabg\u00e4nger ohne Anschlussl\u00f6sung im Rahmen des Case-Managements systematisch zu verbessern. Jugendlichen mit Schwierigkeiten in der Schule sollen die Suche einer Lehrstelle und der Einstieg in die Berufswelt durch eine individuelle Unterst\u00fctzung erleichtert werden. Schliesslich werden die Kantone im Rahmen der Arbeitslosenversicherung bei Bedarf das Angebot an Praktikumspl\u00e4tzen und sogenannten Motivationssemestern ausbauen.Insgesamt ist die Berufsbildung in der Schweiz \u2013 trotz konjunktureller Schwankungen im Bildungsangebot \u2013 eine Erfolgsgeschichte. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im internationalen Vergleich tief und die berufliche Flexibilit\u00e4t der Berufsabg\u00e4nger hoch.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Soziale Absicherung durch die Arbeitslosenversicherung<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die rasche konjunkturelle Wende, der dramatische Einbruch der Auftragseing\u00e4nge und der daraus folgende Einstellungsstopp bzw. die Entlassungen bei einzelnen Unternehmungen sowie der starke R\u00fcckgriff auf die Kurzarbeit zeigen, wie bedeutsam eine gut ausgebaute ALV ist. Sie gew\u00e4hrt den betroffenen Personen ein angemessenes Ersatzeinkommen und stellt ihnen mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eine Hilfe bereit, um m\u00f6glichst rasch wieder eine Stelle zu finden. Das Grundprinzip der schweizerischen Arbeitslosenversicherung kann als grossz\u00fcgig und streng bezeichnet werden. Der Einkommensersatz liegt in der Schweiz zwischen 70% und 80% des Bruttolohns. Das ist im europ\u00e4ischen Vergleich ein relativ hoher Wert. Da auch der maximal versicherte Verdienst mit 10500 Franken pro Monat vergleichsweise hoch angesetzt ist, profitieren auch Bez\u00fcger von mittleren bis hohen Einkommen von einem guten Versicherungsschutz. Umgekehrt erwartet die ALV von den Versicherten, dass sie alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu verk\u00fcrzen. Wer freiwillig k\u00fcndet oder zumutbare Stellen nicht antritt, erh\u00e4lt bis zu 60 Tagen kein Taggeld, muss aber dennoch dem RAV zur Verf\u00fcgung stehen.Die ALV ist auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit gut vorbereitet. Das Gesetz und die entsprechenden Weisungen geben den Kantonen die M\u00f6glichkeit, das Personal der RAV rasch an die Entwicklung der Arbeitslosigkeit anzupassen. Gleichzeitig steht f\u00fcr dieses Jahr ein Budget von 610 Mio. Franken f\u00fcr arbeitsmarktliche Massnahmen zur Verf\u00fcgung. Dieses wird auf das n\u00e4chste Jahr \u2013 in Abh\u00e4ngigkeit von der Entwicklung der Arbeitsmarktlage \u2013 noch vergr\u00f6ssert. Damit k\u00f6nnen f\u00fcr die Stellensuchenden Ausbildungen, Besch\u00e4ftigungsprogramme, Einarbeitungszusch\u00fcsse und f\u00fcr Jugendliche Praktika und Motivationssemester bereitgestellt werden, wo solche Massnahmen geeignet sind, die Chancen auf eine neue Stelle zu erh\u00f6hen. Als Vorteil erweist es sich, dass das Arbeitslosenversicherungsgesetz dezentral vollzogen wird. Private und \u00f6ffentliche Kassen k\u00e4mpfen in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit um \u00abMarktanteile\u00bb, was eine rasche Anpassung der Kapazit\u00e4ten erleichtert. Das Angebot an arbeitsmarktlichen Massnahmen wird von den Kantonen bereitgestellt, die auf regionale Besonderheiten R\u00fccksicht nehmen k\u00f6nnen.Auch in Rezessionszeiten muss das Hauptziel der RAV und der arbeitsmarktlichen Massnahmen darin bestehen, die Perioden der Arbeitslosigkeit m\u00f6glichst kurz zu halten. Das bedeutet, dass Ausbildungsprogramme bestehende L\u00fccken in der Ausbildung oder Erfahrung schliessen helfen. Nur in Ausnahmef\u00e4llen zielen sie auf eine berufliche Neuorientierung. Mit den Besch\u00e4ftigungsprogrammen im Rahmen der ALV soll vermieden werden, dass ein \u00abzweiter Arbeitsmarkt\u00bb schaffen wird. Vielmehr sollen diese Programme einen m\u00f6glichst direkten Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt erm\u00f6glichen. Die Erfahrung zeigt, dass Personen, die zu lange ausserhalb des ersten Arbeitsmarktes verweilen, sp\u00e4ter nur mit M\u00fche in diesen zur\u00fcckfinden. Deshalb ist die enge Zusammenarbeit der RAV mit den Unternehmen von zentraler Bedeutung. Letztere m\u00fcssen bereit sein, Personen einzustellen, die in der Schweiz ohne Arbeit sind. Ob die Schweiz l\u00e4ngerfristig eine tiefe Arbeitslosigkeit haben wird, h\u00e4ngt nicht zuletzt davon ab, ob die Unternehmen in wirtschaftlichen Schw\u00e4cheperioden bereit sind, auch durch ausserordentliche Massnahmen einen Beitrag zur Verhinderung von Langzeitarbeitslosigkeit im Inland zu leisten.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Heute kann niemand sagen, wie lange die Phase mit r\u00fcckl\u00e4ufigem oder schwachem Wirtschaftswachstum dauern wird. Die Wirtschaftspolitik hat dieses Mal rasch auf den Einbruch der Konjunktur reagiert. Da der Arbeitsmarkt aber erst mit Verz\u00f6gerung auf die konjunkturelle Erholung reagieren wird, m\u00fcssen wir uns bis ins Jahr 2010 hinein auf steigende Arbeitslosenzahlen einstellen. Die ALV ist auf die zus\u00e4tzlichen Belastungen vorbereitet. Hingegen braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen den Beh\u00f6rden, Unternehmen und Sozialpartnern, damit in den n\u00e4chsten zwei Jahren gen\u00fcgend Ausbildungs- und Praktikumsstellen sowie Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Arbeitslose zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die ALV wird am Ende dieser Rezession mit Schulden belastet sein, die 10 Mrd. Franken \u00fcbersteigen d\u00fcrften. Deshalb muss die Revision des Gesetzes rasch an die Hand genommen werden, damit in der n\u00e4chsten konjunkturellen Erholung das finanzielle Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\"> Dr. Serge Gaillard <\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Leiter der Direktion f\u00fcr Arbeit, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO, Bern<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\"> Bernhard Weber <\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Stv. Leiter Ressort Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO, Bern<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"NT\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">1 Vgl. Art. Brunetti auf S. 14 in dieser Ausgabe.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Kurzarbeitsentsch\u00e4digung<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung (KAE) ist eine pr\u00e4ventive Massnahme zur Verhinderung von Entlassungen bei konjunkturbedingten Nachfrager\u00fcckg\u00e4ngen. Sie reduziert die Kosten zur \u00abHortung\u00bb von Arbeitskr\u00e4ften f\u00fcr die Unternehmen, womit dieses Verhalten gef\u00f6rdert werden soll. Der Einsatz von Kurzarbeit ist f\u00fcr alle beteiligten Akteure \u2013 d.h. Unternehmen, Arbeitnehmende und ALV \u2013 mit gewissen Kosten verbunden. Gelingt es, Arbeitspl\u00e4tze \u00fcber eine konjunkturelle Schw\u00e4chephase hinweg zu erhalten, k\u00f6nnen auch alle Beteiligten von der Regelung profitieren.Die Wirkung der KAE wurde letztmals im Jahr 2005 durch die Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF) im Auftrag des Seco untersucht.a Die Studie kam zum Schluss, dass die KAE Entlassungen h\u00e4ufig nicht verhindert, aber auch in diesem Fall zeitlich erstreckt. Dieses Ergebnis d\u00fcrfte u.a. mit der L\u00e4nge der Rezessionen zu erkl\u00e4ren sein. Mit der Kurzarbeit lassen sich Einbr\u00fcche der Nachfrage d\u00e4mpfen, die nicht viel l\u00e4nger als 1 Jahr dauern. Die letzten zwei rezessiven Phasen dauerten jedoch ausserordentlich lange. Entscheidend f\u00fcr die Frage, ob mit Kurzarbeit die Arbeitspl\u00e4tze l\u00e4ngerfristig gesichert werden k\u00f6nnen, ist auch die strukturelle Entwicklung der M\u00e4rkte. Heute kann nicht vorausgesagt werden, wie lange die Periode mit einer geringen Exportnachfrage dauern wird. Um wenigstens bez\u00fcglich der Kurzarbeit den Unternehmungen mehr Planungssicherheit zu gew\u00e4hren, hat der Bundesrat bereits jetzt die maximale Bezugsdauer f\u00fcr Kurzarbeit von 12 auf 18 Monate erh\u00f6ht. Diese Verl\u00e4ngerung ist bis zum 31.M\u00e4rz 2011 befristet. Gleichzeitig wurden die Kosten, welche die Unternehmen in Form eines monatlichen Selbstbehalts (sog. Karenztage) zu tragen haben, auf einen Tag pro Monat reduziert. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Unternehmen neben diesen direkten Kosten auch organisatorische Aufwendungen haben und f\u00fcr die Ausfallstunden Beitr\u00e4ge in die Pensionskasse leisten. In gewissen F\u00e4llen kompensieren sie auch den Lohnausfall der Arbeitnehmenden auf freiwilliger Basis. Damit bleibt der Einsatz von KAE f\u00fcr die Unternehmen mit Kosten verbunden, was angesichts der Vorteile, welche den Unternehmen daraus erwachsen (Erhalt des firmenspezifischen Wissens, Einsparung sp\u00e4terer Einstellungskosten), auch gerechtfertigt ist. Der Einsatz von KAE ist f\u00fcr die ALV in finanzieller Hinsicht verkraftbar. Bei restriktiverer Handhabung der KAE w\u00e4re mit einem schnelleren Stellenabbau und damit mit zus\u00e4tzlichen Kosten bei der ALV in Form von Arbeitslosenentsch\u00e4digung zu rechnen. Die Kosten des Arbeitsausfalls w\u00fcrden in diesem Fall vollumf\u00e4nglich von der ALV und den Arbeitnehmern getragen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"NT\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">a Frick, Andres und Aniela Wirz (2008), Hilft die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten?, in: Die Volkswirtschaft 1\/2-2008, S. 48\u201351.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Lehrstellenmarketing<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Auf dem Lehrstellenmarkt treffen sich die Angebote der Unternehmungen und die Nachfrage der Jugendlichen. Der Staat hat eine Mittlerrolle: Er sorgt f\u00fcr optimale Rahmenbedingungen f\u00fcr die Unternehmungen, f\u00f6rdert das Lehrstellenangebot und unterst\u00fctzt die Jugendlichen im Berufswahlprozess. Dabei ist das Lehrstellenmarketing eine kantonale Aufgabe: Die kantonalen Berufsbildungs\u00e4mter sind mit den Verh\u00e4ltnissen in den Regionen vertraut und pflegen den Kontakt mit den Unternehmen vor Ort. Sie k\u00f6nnen dadurch die Entwicklung des Lehrstellenangebots am besten absch\u00e4tzen, rechtzeitig geeignete Massnahmen ergreifen und die Jugendlichen bei der Lehrstellensuche individuell unterst\u00fctzen. Ist die Lehrstellensituation angespannt, kann der Bund zus\u00e4tzliche finanzielle Unterst\u00fctzung bieten. Die wichtigsten Lehrstellenmarketing-Massnahmen sind:\u2212 Berufsinformation und -beratung;\u2212 Lehrstellennachweise;\u2212 Aufbau von Lehrbetriebsverb\u00fcnden;\u2212 Bereitstellen von staatlichen \u00dcbergangsl\u00f6sungen (vor allem Br\u00fcckenangebote);\u2212 Einsatz von Lehrstellenf\u00f6rderinnen und -f\u00f6rderern, die bei Unternehmungen direkt vorsprechen und f\u00fcr die Schaffung von Ausbildungspl\u00e4tzen werben;\u2212 Vermittlung und individuelle Begleitung (Mentoring) von Jugendlichen ohne Lehrstelle.Mit dem Lehrstellenmarketing sollen auch die Attestausbildungen gef\u00f6rdert und weiter ausgebaut werden. Bei dieser zweij\u00e4hrigen beruflichen Grundausbildung mit eidgen\u00f6ssischem Berufsattest (EBA) bilden Betriebe vorwiegend praktisch interessierte Jugendliche zu qualifizierten Mitarbeitenden aus. Das EBA bescheinigt klar definierte Qualifikationen in einem standardisierten Beruf und erm\u00f6glicht den Einstieg ins Erwerbsleben. \u00dcber eine verk\u00fcrzte Lehre k\u00f6nnen motivierte Lernende sp\u00e4ter die Ausbildung bis zum eidgen\u00f6ssischen F\u00e4higkeitszeugnis im jeweiligen Berufsfeld fortsetzen. Die entsprechende Bildungsverordnung und der Bildungsplan beschreiben, welche Berufst\u00e4tigkeiten und Kenntnisse in Praxis und Schule vermittelt werden. Das Ausbildungsprofil umfasst in der Regel Teilaspekte der drei- oder vierj\u00e4hrigen Grundbildung im entsprechenden Berufsfeld. Momentan sind in \u00fcber 20 Berufen Attestausbildungen vorgesehen, die Liste der entsprechenden Ausbildungen wird jedoch laufend ausgebaut.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Weitere Informationen rund um die Berufsbildung sind verf\u00fcgbar unter www.berufsbildungplus.ch.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"LG\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Gem\u00e4ss den Prognosen des Seco ist mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf rund 4% bis Ende 2009 und 4,3% im Jahresdurchschnitt 2010 zu rechnen. Sollte die bevorstehende Rezession erheblich tiefer und\/oder l\u00e4nger ausfallen als gegenw\u00e4rtig erwartet, m\u00fcsste die Prognose nach oben angepasst werden.Bild: Keystone<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; &#13; &#13; Die Arbeitsmarktlage verschlechtert sich rasch &#13; W\u00e4hrend das Besch\u00e4ftigungswachstum im 3. 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