{"id":153045,"date":"2009-03-01T08:10:32","date_gmt":"2009-03-01T08:10:32","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/03\/weltkonjunktur-und-perspektiven-duestere-lage\/"},"modified":"2023-08-24T01:07:07","modified_gmt":"2023-08-23T23:07:07","slug":"weltkonjunktur-und-perspektiven-duestere-lage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/2009\/03\/weltkonjunktur-und-perspektiven-duestere-lage\/","title":{"rendered":"Weltkonjunktur und Perspektiven: D\u00fcstere Lage"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"titleSection\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<div class=\"LD\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Dass f\u00fcr die Weltwirtschaft nach der langen, kr\u00e4ftigen und breit abgest\u00fctzten Wachstumsphase der Jahre 2004 bis 2007 wieder einmal ein konjunktureller Abschwung anstehen w\u00fcrde, kam keineswegs \u00fcberraschend. Bereits seit l\u00e4ngerem rechnete die Mehrzahl der Wirtschaftsprognostiker f\u00fcr 2008 und die Folgejahre mit einer wirtschaftlichen Verlangsamung. Was hingegen kaum ein Experte auf der Rechnung hatte, war der beispiellose und weltweit synchrone Einbruch der Konjunkturindikatoren, wie wir ihn in den vergangenen Monaten erlebt haben.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Von der Finanz- zur Konjunkturkrise<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Der anf\u00e4nglich vergleichsweise moderate internationale Konjunkturabschwung verst\u00e4rkte sich im Herbst 2008 binnen kurzer Zeit massiv und breitete sich auf alle Weltregionen aus. Die Zuspitzung der internationalen Finanzkrise seit September 2008 \u2013 mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers als H\u00f6hepunkt \u2013 d\u00fcrfte hierf\u00fcr zwar kaum allein verantwortlich gewesen sein. Der Zusammenbruch hat jedoch zweifellos die bereits vorhandene Abw\u00e4rtsdynamik erheblich verst\u00e4rkt. Ausdruck der Krise sind etwa stark erschwerte Finanzierungsbedingungen f\u00fcr Unternehmen wegen drastisch gestiegener Risikopr\u00e4mien an den Geld- und Kapitalm\u00e4rkten sowie teilweise restriktivere Kreditkonditionen der Banken, aber auch negative Verm\u00f6genseffekte auf den Konsum durch gesunkene Wertpapier- und Immobilienverm\u00f6gen in einigen L\u00e4ndern.1 Von \u00fcberragender Bedeutung f\u00fcr die Konjunkturkrise d\u00fcrfte aber gewesen sein, dass die Versch\u00e4rfung der Finanzkrise massiv negativ auf die Gesch\u00e4ftserwartungen der Unternehmen und ihre Investitionspl\u00e4ne durchgeschlagen hat. In praktisch allen Industriel\u00e4ndern sind die Gesch\u00e4ftsklimaindizes seit September\/Oktober 2008 regelrecht abgest\u00fcrzt und erreichten vielfach historische Tiefstst\u00e4nde (siehe Grafik 1). Bei den Auftragseing\u00e4ngen \u2013 und nachfolgend der Produktion in der Industrie \u2013 kam es zu dramatischen Einbr\u00fcchen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Scharfe Rezession in den USA, der EU und Japan<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In den USA, wo die Folgen des zusammengebrochenen Immobilienbooms die Konjunktur schon seit gut zwei Jahren belasten, verzeichnete die Wirtschaft im 4. Quartal 2008 mit \u20133,8%2 den st\u00e4rksten R\u00fcckgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) seit dem 1. Quartal 1982. Wie bef\u00fcrchtet ist nunmehr auch der private Konsum voll in den Abw\u00e4rtssog geraten, nachdem dieser in den vergangenen Jahren noch starke Wachstumsimpulse geliefert hatte. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Preiszerfalls ihrer H\u00e4user sowie der stark verschlechterten Arbeitsmarktlage sind die US-Konsumenten vermehrt zur Ausgabeneinschr\u00e4nkung gezwungen.Aber auch die Volkswirtschaften der EU befinden sich sp\u00e4testens seit dem Schlussquartal 2008 in einer scharfen Rezession mit stark r\u00fcckl\u00e4ufiger Wirtschaftsleistung. Gem\u00e4ss ersten offiziellen Angaben sank das reale BIP im 4. Quartal in der EU massiv um 6% und in Japan sogar um 12,7%. Vom Konjunktureinbruch sind bei weitem nicht mehr nur L\u00e4nder wie Grossbritannien, Spanien oder Irland betroffen, die \u2013 \u00e4hnlich wie die USA \u2013 unter einer starken Immobilienkrise leiden. Vielmehr haben sich in den vergangenen Monaten die Konjunkturindikatoren gerade in einigen jener L\u00e4nder, die wegen fehlender \u00dcberhitzung an Immobilien- und Kreditm\u00e4rkten lange Zeit als relativ krisenresistent beurteilt worden waren, besonders markant verschlechtert. Dies gilt vor allem f\u00fcr Deutschland und Japan, wo die weggebrochene Exportnachfrage durch die seit Jahren verhaltene Inlandnachfrage in keinster Weise kompensiert werden kann.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Noch keine Entspannung an den Finanzm\u00e4rkten<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Nach dem Beinahe-Kollaps des internationalen Finanzsystems im Oktober 2008 hat sich die Situation \u2013 unter dem Einfluss der in vielen L\u00e4ndern ergriffenen Hilfsmassnahmen f\u00fcr die Finanzm\u00e4rkte \u2013 wieder etwas entspannt. Die Risikopr\u00e4mien auf den Interbankenm\u00e4rkten der USA und des Euroraums haben sich jedenfalls sp\u00fcrbar verringert (siehe Grafik 2). Allerdings kann von einer nachhaltigen Entspannung an den internationalen Finanzm\u00e4rkten noch keine Rede sein, zumal viele Finanzinstitute vor dem Hintergrund der realwirtschaftlichen Rezession anf\u00e4llig auf R\u00fcckschl\u00e4ge bleiben. Beispielhaft daf\u00fcr ist die Entwicklung an den Aktienm\u00e4rkten, wo die Kurse nach freundlichem Jahresbeginn 2009 wieder ins Rutschen geraten sind. Allen voran die Finanztitel haben schwere Verluste zu verzeichnen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Globaler Konjunkturausblick f\u00fcr 2009<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Der weltwirtschaftliche Ausblick f\u00fcr das laufende Jahr pr\u00e4sentiert sich d\u00fcster. Vor dem Hintergrund der schlechten Daten wurden viele Konjunkturprognosen seit Anfang 2009 noch weiter nach unten korrigiert. In den Industriel\u00e4ndern d\u00fcrfte der Wirtschaftsr\u00fcckgang mindestens bis zur Jahresmitte anhalten. Von den Fr\u00fchindikatoren her gibt es derzeit noch kaum Signale f\u00fcr eine Wende. Die leichte Verbesserung der Gesch\u00e4ftsklimaindizes im Januar in den USA und in Europa sollte nicht \u00fcberbewertet werden, da sie sich auf einem extrem tiefen Niveau vollzog. Wie gross die Wirkung der in vielen L\u00e4ndern angek\u00fcndigten Stimulierungsprogramme sein wird, ist offen. Voraussetzung f\u00fcr einen positiven Umschwung w\u00e4re eine Stabilisierung der Auftrags- und Produktionslage, wof\u00fcr bislang jedoch noch keine positiven Anzeichen auszumachen sind. Der Einbruch bei den Auftragseing\u00e4ngen in der Industrie hat sich zumindest bis Ende Jahr in den meisten L\u00e4ndern ungebremst fortgesetzt.Gem\u00e4ss der IWF-Prognose3 werden die Volkswirtschaften der Industriel\u00e4nder im laufenden Jahr um \u20132% schrumpfen und damit den st\u00e4rksten j\u00e4hrlichen BIP-R\u00fcckgang seit dem Zweiten Weltkrieg erleiden (siehe Tabelle 1). Die BRIC-Staaten4 d\u00fcrften \u2013 mit Ausnahme von Russland \u2013 zwar weiterhin wachsen, dies jedoch markant langsamer als in den vergangenen Jahren. F\u00fcr die Schwellenl\u00e4nder insgesamt prognostiziert der IWF derzeit f\u00fcr 2009 ein Wirtschaftswachstum von 3,3% (gegen\u00fcber 6,3% 2008 und 8,3% 2007). Damit ist der Konjunkturabschwung in den Schwellenl\u00e4ndern \u00e4hnlich markant wie in den Industriel\u00e4ndern, wenn auch auf einem strukturell deutlich h\u00f6heren Wachstumsniveau (siehe Kasten 1).<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Zaghafte Erholung 2010 mit Risiken<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Wenngleich sich der weltwirtschaftliche Ausblick f\u00fcr die n\u00e4chsten Quartale d\u00fcster pr\u00e4sentiert, d\u00fcrften allm\u00e4hlich auch einige konjunkturst\u00fctzende Einfl\u00fcsse Wirkung entfalten. So d\u00fcrften die weltweiten expansiven Impulse seitens der Geld- und der Fiskalpolitik im weiteren Verlauf dieses Jahres zur \u00dcberwindung der Wirtschaftskrise beitragen. Der IWF rechnet in seiner Prognose mit einer allm\u00e4hlichen Stabilisierung der internationalen Konjunktur ab Ende 2009 und einer \u2013 im historischen Vergleich allerdings sehr bescheidenen \u2013 weltwirtschaftlichen Erholung f\u00fcr 2010. Erfahrungsgem\u00e4ss verl\u00e4uft die \u00dcberwindung von Rezessionen, die mit Immobilien- und Bankenkrisen einhergingen, oftmals langsamer als \u00fcblich, weil die Anpassungsprozesse l\u00e4nger nachwirken. Wegen der voraussichtlich langwierigen Bilanzsanierung im Bankensektor k\u00f6nnten somit die Finanzierungsbedingungen vorderhand schwierig bleiben. Vor allem in den USA, aber auch in weiteren L\u00e4ndern d\u00fcrfte die Korrektur des Immobilien- und Konsumbooms die Inlandnachfrage noch \u00fcber Jahre hinaus bremsen.Selbst das Szenario einer schwachen Erholung ist derzeit noch mit erheblichen Risiken behaftet. Unabdingbare Voraussetzungen sind gem\u00e4ss IWF eine z\u00fcgige Umsetzung der geplanten fiskalpolitischen Programme sowie eine Entspannung an den Finanz- und Immobilienm\u00e4rkten. Angesichts der derzeit nach wie vor angespannten Finanzmarktsituation bleibt das Risiko einer neuerlichen Abw\u00e4rtsspirale zwischen Finanz- und Realwirtschaft virulent.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Markanter Inflationsr\u00fcckgang, aber nur begrenzte Deflationsgefahr<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Nahezu spiegelbildlich zum konjunkturellen Einbruch vollzog sich eine markante Kehrtwende bei der weltweiten Inflation. Nach dem erd\u00f6lpreisgetriebenen H\u00f6hepunkt Mitte 2008 befinden sich die Teuerungsraten weltweit wieder auf dem R\u00fcckzug. Besonders ausgepr\u00e4gt gilt dies f\u00fcr die USA, wo die Konsumteuerung bis Ende 2008 regelrecht abgest\u00fcrzt ist (von \u00fcber 5% auf 0). Nicht ganz so ausgepr\u00e4gt, aber in der Tendenz \u00e4hnlich, verlief die Entwicklung in der EU und in der Schweiz. In den kommenden Monaten k\u00f6nnten die Teuerungsraten teilweise durchaus in den negativen Bereich fallen. Dennoch gibt es wenig Grund zur Furcht vor einer Deflation (siehe Kasten 2). Der starke Inflationsr\u00fcckgang war gr\u00f6sstenteils eine Folge der tieferen Energiepreise. Bei der um diesen Effekt bereinigten Kernteuerung war die Abnahme in allen L\u00e4ndern sehr viel weniger deutlich. Allenfalls in den USA scheint die mittlerweile ausgepr\u00e4gte Schw\u00e4che der privaten Konsumnachfrage immer st\u00e4rker auf die Preisentwicklung durchzuschlagen, worauf auch (anekdotische) Informationen \u00fcber massive Rabattaktionen im Detailhandel hinweisen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Importierte Rezession in der Schweiz\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Vom massiven globalen Abschwung wurde auch die Schweiz \u2013 trotz guter binnenwirtschaftlicher Ausgangslage \u2013 in zunehmendem Masse erfasst. Zwar resultierte f\u00fcr das Gesamtjahr 2008 nochmals ein ansprechendes Wirtschaftswachstum von sch\u00e4tzungsweise knapp 2%. Dahinter verbirgt sich indes eine starke Verschlechterung im Jahresverlauf: Nach einer soliden Wachstumsdynamik im ersten Halbjahr 2008 kam das Wachstum im 3. Quartal bereits zum Erliegen, und im 4. Quartal d\u00fcrfte die Wirtschaftsleistung im Vorquartalsvergleich deutlich geschrumpft sein.Der verst\u00e4rkte Konjunkturabschwung auf s\u00e4mtlichen Weltm\u00e4rkten hinterl\u00e4sst tiefe Bremsspuren im Aussenhandel. Seit Okto-ber sind die Warenexporte stark r\u00fcckl\u00e4ufig, wobei die negativen Resultate praktisch alle Branchen und Absatzregionen betreffen. Erste Berechnungen f\u00fcr das 4. Quartal zeigen einen drastischen Einbruch der Warenausfuhren von \u20139% gegen\u00fcber dem Vorquartal, wie er seit 1980 noch nie beobachtet wurde (siehe Grafik 3). Das Gesch\u00e4ftsklima in der Industrie sowie die Bestellungseing\u00e4nge befinden sich seit dem Herbst 2008 im freien Fall. Davon sind mittlerweile nicht mehr nur die exportorientierten Unternehmen, sondern in zunehmendem Mass auch Zulieferer betroffen. Hinzu kommen negative Effekte auf die Wertsch\u00f6pfung des Finanzsektors, die wegen erheblicher Einbussen im Kommissionsgesch\u00e4ft bereits seit Anfang 2008 r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Im Gegensatz dazu konnten sich viele inlandorientierte Branchen wie Detailhandel und Bauwirtschaft \u2013 dank einer bislang noch robusten Binnenkonjunktur, namentlich des privaten Konsums \u2013 vergleichsweise besser behaupten. Allerdings ist davon auszugehen, dass der aussenwirtschaftlich induzierte Abschwung die Binnenkonjunktur nicht auf Dauer ungeschoren l\u00e4sst. So d\u00fcrfte etwa die private Konsumnachfrage in zunehmendem Masse durch die sich deutlich abzeichnende Verschlechterung der Arbeitsmarktlage belastet werden. Von Oktober 2008 bis und mit Januar 2009 war denn auch ein beschleunigter Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit zu konstatieren.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">\u2026 trotz intakter inl\u00e4ndischer Rahmenbedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Ermutigend ist immerhin, dass sich die Schweizer Wirtschaft grunds\u00e4tzlich in guter Verfassung befindet und keine tief greifenden Ungleichgewichte in Subm\u00e4rkten aufweist. So gab es in den vergangenen Jahren keine \u00dcberhitzung am Immobilienmarkt mit entsprechendem und schmerzhaftem Korrekturbedarf. Auch bei der Kreditversorgung der Wirtschaft erscheint die Situation in der Schweiz weniger angespannt als in vielen anderen L\u00e4ndern. Zumindest bislang gibt es kaum Anzeichen f\u00fcr eine generelle Einschr\u00e4nkung der Kreditvergabe seitens der Banken an Unternehmen und private Haushalte (\u00abKreditklemme\u00bb).Vor dem Hintergrund des d\u00fcsteren weltwirtschaftlichen Umfelds erscheint eine Rezession der Schweizer Wirtschaft f\u00fcr 2009 gleichwohl nahezu unvermeidbar. Prak-tisch s\u00e4mtliche Konjunkturprognosen f\u00fcr die Schweiz gehen f\u00fcr das laufende Jahr von einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Wirtschaftsentwicklung aus. Die j\u00fcngste Prognose der Expertengruppe des Bundes von Dezember 2008 rechnet f\u00fcr 2009 mit einem erheblichen R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung um 0,8% und einem weiteren deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die \u00abRezessionsimpulse\u00bb werden vor allem von den Exporten von G\u00fctern und Dienstleistungen sowie den erfahrungsgem\u00e4ss sehr zyklischen Unternehmensinvestitionen ausgehen. Dagegen sollten die private Konsumnachfrage sowie \u2013 mit Abstrichen \u2013 die Bauinvestitionen trotz zu erwartender Verlangsamung weiterhin konjunkturst\u00fctzend wirken und einem st\u00e4rkeren BIP-R\u00fcckgang entgegenwirken.Die Tiefe und Dauer der Rezession in der Schweiz h\u00e4ngt in erster Linie von der Weltkonjunktur und der Entwicklung an den Finanzm\u00e4rkten ab. Angesichts der sich seit Ende 2008 weiter verschlechternden weltwirtschaftlichen Konjunkturperspektiven sind die Risiken f\u00fcr eine tiefere Rezession auch in der Schweiz tendenziell gestiegen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\"> Frank Schmidbauer <\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Stellvertretender Leiter Ressort Konjunktur, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO, Bern<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"NT\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">1 F\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Beschreibung der Transmissionskan\u00e4le von der Finanzkrise auf die Realwirtschaft siehe J\u00e4ggi, S., Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Finanzkrise, in: Die Volkswirtschaft 12-2008, S. 31ff, sowie den nachfolgenden Beitrag von Thomas Helbling (S. 8ff).<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">2 Im Vergleich zum Vorquartal und auf Jahresbasis hochgerechnet.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">3 Diese Prognose d\u00fcrfte derzeit mehr oder weniger die Mitte des Prognose-Spektrums reflektieren, also weder \u00fcberdurchschnittlich optimistisch noch pessimistisch sein.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">4 Brasilien, Russland, Indien und China.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Schwellenl\u00e4nder ebenfalls im Abschwung<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Auch die in den vergangenen Jahren vielfach ausgesprochen wachstumsstarken Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder sind nun doch in einen ausgepr\u00e4gten Abschwung geraten, nachdem sie sich \u2013 im Unterschied zu fr\u00fcheren Finanzmarktkrisen \u2013 l\u00e4ngere Zeit robust behaupten konnten. Der Nachfrager\u00fcckgang aus den Industriel\u00e4ndern sowie die krisenbedingte Verschlechterung ihres Finanzierungsumfelds (gestiegene Risikopr\u00e4mien, stark fallende Aktienkurse und unter Druck geratene W\u00e4hrungen) bremsen die konjunkturelle Gangart der Schwellenl\u00e4nder sp\u00fcrbar. Stark vom Rohstoffexport abh\u00e4ngige L\u00e4nder leiden zudem unter den gesunkenen Rohstoffpreisen; so etwa Russland unter dem Verfall der Erd\u00f6lpreise seit Mitte letzten Jahres. Insgesamt sind die Konjunkturindikatoren in den meisten Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern in den vergangenen Monaten in einem \u00e4hnlichen Ausmass abgest\u00fcrzt wie in den Industriel\u00e4ndern.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Begrenztes Deflationsrisiko<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Deflation\u00e4re Tendenzen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene entstehen erfahrungsgem\u00e4ss aus einer lang anhaltenden Konjunkturschw\u00e4che mit grosser Unterauslastung der Kapazit\u00e4ten und hoher Arbeitslosigkeit, weil eine solche Konstellation zu einem stetigen Abw\u00e4rtsdruck auf Preise und L\u00f6hne beitr\u00e4gt. Es besteht dann die Gefahr eines deflation\u00e4ren Teufelskreises aus sinkenden Einkommen und Nachfrage sowie weiter fallenden Preisen und L\u00f6hnen. In der j\u00fcngeren Vergangenheit war etwa die Wirtschaft Japans seit Mitte der Neunzigerjahre durch hartn\u00e4ckige deflation\u00e4re Tendenzen gekennzeichnet. Vor dem Hintergrund des derzeitigen Konjunkturabschwungs mit wachsender Unterauslastung der Produktionskapazit\u00e4ten (Ausweitung der sogenannten Output-L\u00fccke), nicht nur in den USA, sondern weltweit (auch in den Emerging Markets), sind gewisse Deflationsrisiken zwar vorhanden. Zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt werden diese durch das derzeit weltweit stattfindende \u00abDeleveraging\u00bb (Abbau der Verschuldung), weil der hiermit verbundene erh\u00f6hte Verkaufsdruck an einigen M\u00e4rkten \u2013 namentlich Aktien und Immobilien \u2013 f\u00fcr einen starken Abw\u00e4rtsdruck auf unterschiedliche Preise gesorgt hat und noch weiter sorgen k\u00f6nnte. Stark begrenzt wird das Risiko einer auf breiter Basis stattfindenden und l\u00e4nger anhaltenden Deflation aber aufgrund des massiven Eingreifens der Zentralbanken und Regierungen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; &#13; &#13; Dass f\u00fcr die Weltwirtschaft nach der langen, kr\u00e4ftigen und breit abgest\u00fctzten Wachstumsphase der Jahre 2004 bis 2007 wieder einmal ein konjunktureller Abschwung anstehen w\u00fcrde, kam keineswegs \u00fcberraschend. Bereits seit l\u00e4ngerem rechnete die Mehrzahl der Wirtschaftsprognostiker f\u00fcr 2008 und die Folgejahre mit einer wirtschaftlichen Verlangsamung. 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