{"id":153050,"date":"2009-01-01T11:09:04","date_gmt":"2009-01-01T11:09:04","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/01\/anreizwirkungen-in-der-beruflichen-vorsorge-eine-gleichgewichtsanalyse\/"},"modified":"2023-08-24T01:07:26","modified_gmt":"2023-08-23T23:07:26","slug":"anreizwirkungen-in-der-beruflichen-vorsorge-eine-gleichgewichtsanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/fr\/2009\/01\/anreizwirkungen-in-der-beruflichen-vorsorge-eine-gleichgewichtsanalyse\/","title":{"rendered":"Anreizwirkungen in der beruflichen Vorsorge \u2013 eine Gleichgewichtsanalyse"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"titleSection\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<div class=\"LD\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In der wirtschaftspolitischen Diskussion zur demografischen Alterung steht prim\u00e4r die k\u00fcnftige Finanzierung der Sozialwerke zur Debatte. Aus \u00f6konomischer Sicht ist jedoch nicht nur der direkte finanzielle Mittelbedarf von Bedeutung, sondern insbesondere die gesamtwirtschaftlich relevanten Anreizwirkungen des Systems und seiner allf\u00e4lligen Reform. Grunds\u00e4tzlich gibt es drei M\u00f6glichkeiten, den Auswirkungen der ver\u00e4nderten Demografie direkt zu begegnen: durch reduzierte Leistungen f\u00fcr k\u00fcnftige Rentner, erh\u00f6hte Beitr\u00e4ge der aktiven Bev\u00f6lkerung oder eine Erh\u00f6hung des Rentenalters. Der gemeinsame Nenner aller drei Massnahmen aus individueller Sicht ist eine Abnahme der Leistungen im Verh\u00e4ltnis zu den Beitr\u00e4gen. Die Wirksamkeit dieser Massnahmen h\u00e4ngt stark von der konkreten Ausgestaltung des Vorsorgesystems und von den davon ausgehenden Arbeitsmarktanreizen ab (siehe Kasten 1).Im Folgenden werden die Auswirkungen verschiedener Reformen in der zweiten S\u00e4ule auf die Arbeitsmarktanreize diskutiert. Die Ausf\u00fchrungen basieren auf Berechnungen mit einem intertemporalen Simulationsmodell \u00fcberlappender Generationen im allgemeinen Gleichgewicht, welches die im Kasten beschriebenen Anreizwirkungen sowie die prognostizierte demografische Entwicklung in der Schweiz detailliert abbildet.1<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Zweite S\u00e4ule \u2013 Handlungsfelder<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In der zweiten S\u00e4ule werden die Beitr\u00e4ge in individuellen Konten mit Zins und Zinseszins akkumuliert, sodass f\u00fcr die Finanzierung der Pensionen nicht nur die Beitr\u00e4ge, sondern auch die darauf erzielten Kapitalertr\u00e4ge zur Verf\u00fcgung stehen. Das aggregierte Verm\u00f6gen der Pensionskassen betr\u00e4gt heute zwischen 120% und 130% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Die Renten werden nach versicherungstechnischen Prinzipien berechnet, wobei die H\u00f6he der Renten bei der Umwandlung des Alterskapitals zentral von der Restlebenserwartung und damit von der erwarteten Bezugsdauer abh\u00e4ngt. Die Renten der beruflichen Vorsorge steuern im Durchschnitt etwa 35% zum gesamten Renteneinkommen im Alter bei. Daraus ergibt sich eine Ersatzquote von 21% bez\u00fcglich des letzten Arbeitseinkommens.Die starke Fragmentierung der zweiten S\u00e4ule f\u00fchrt zu betr\u00e4chtlichen Verwaltungskosten, was die Nettokapitalmarktrendite gegen\u00fcber der privaten Vorsorge reduziert. Eine Besonderheit des schweizerischen Systems ist die Beitragsstaffelung, die zu einer hohen Beitragsbelastung f\u00fcr die \u00e4lteren und zu einer tiefen f\u00fcr die j\u00fcngeren Gruppen f\u00fchrt. Die Bef\u00fcrchtung besteht, dass dies die Besch\u00e4ftigungschancen der \u00e4lteren Arbeitnehmenden beeintr\u00e4chtigt, f\u00fcr welche die Lohnkosten aus anderen Gr\u00fcnden schon sehr hoch sind. Dies w\u00e4re angesichts der Notwendigkeit f\u00fcr eine l\u00e4ngere Lebensarbeitszeit ung\u00fcnstig.In Tabelle 1 werden die volkswirtschaftlichen Auswirkungen verschiedener Reformen der zweiten S\u00e4ule dargestellt. Neben der heutigen Situation (\u00abIst\u00bb) ist das demografische Basisszenario (\u00abAlter\u00bb) die Referenz zur Beurteilung unterschiedlicher Reformszenarien. Letzteres basiert auf den demografischen Prognosen f\u00fcr die Schweiz bis 2050 mit einem markanten Wachstum der Alterslastquote. Die Politik\u00e4nderungen sind kumulativ zu verstehen und kommen zum jeweils vorherigen Szenario dazu.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Einheitliche Altersgutschriften<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In einem ersten Szenario (\u00abEinh\u00bb) werden die heute nach Altersgruppe gestaffelten Altersgutschriften vereinheitlicht, um die Zusatzbelastung der \u00e4lteren Arbeitnehmenden (mit den entsprechenden negativen Anreizwirkungen auf ihre Besch\u00e4ftigung) zu beseitigen. Der altersunabh\u00e4ngige, einheitliche Beitragssatz wird endogen so bestimmt, dass bei unver\u00e4ndertem Verhalten unver\u00e4nderte Renten erzielt werden. Die Nivellierung der Beitragss\u00e4tze ist per Konstruktion aufkommensneutral und f\u00fchrt weder zu einem Ausbau noch zu einer Schrumpfung der zweiten S\u00e4ule; es werden dieselben Pensionen finanziert. Auch im Staatsbudget gibt es keinen erkennbaren Anpassungsbedarf. Die einzige merkbare \u00c4nderung in diesem Szenario k\u00f6nnte bez\u00fcglich des Arbeitsmarktverhaltens \u00fcber den Lebenszyklus auftreten. Allerdings haben die Beitr\u00e4ge zum kapitalgedeckten System fast keinen Steuercharakter. Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Massnahme sind deshalb praktisch nicht existent und liegen im Unsch\u00e4rfebereich des Modells.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Reduzierte Verwaltungskosten<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In der Vergangenheit wurden u.a. von der Weltbank die starke Fragmentierung und die Un\u00fcbersichtlichkeit des Systems mit einer Vielzahl unabh\u00e4ngiger Pensionskassen \u2013 und damit die tiefen Renditen \u2013 kritisiert. Das Szenario \u00abAdmin\u00bb beschreibt die langfristigen Auswirkungen, die sich aus einer Halbierung der administrativen Kosten ergeben w\u00fcrden. Da der effektive Steuersatz schon sehr klein ist und deshalb das Kapitaldeckungsverfahren auf den Arbeitsmarkt im Wesentlichen neutral wirkt, kann diese Massnahme das Arbeitsmarktverhalten nur schwach beeinflussen. Verglichen mit dem Szenario \u00abEinh\u00bb sinken die effektiven Steuers\u00e4tze auf die Arbeitssuche, den Ruhestand und das Arbeitsangebot leicht, sodass insgesamt ein Besch\u00e4ftigungsgewinn resultiert. Die unmittelbaren und relevantesten Auswirkungen liegen in der h\u00f6heren Ersatzquote f\u00fcr Pensionen, die von 51% auf 54% ansteigt. Aus denselben Beitragsleistungen k\u00f6nnen mehr Beitragskapital und damit h\u00f6here Pensionen finanziert werden, wenn sich die Beitragssumme besser verzinst. Obwohl die Einsparungen in den Verwaltungskosten nur geringe Arbeitsmarktwirkungen ausl\u00f6sen, ergeben sich daraus beachtliche Wohlfahrtsgewinne. Diese liegen darin, dass mit demselben Konsumverzicht heute \u2013 in Form der Beitragsleistung \u2013 ein h\u00f6heres Einkommen im Alter finanziert werden kann. Der private Pro-Kopf-Konsum kann daher langfristig um 1,5 Prozentpunkte h\u00f6her ausfallen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Ausbau der Kapitaldeckung<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Das Szenario \u00abAusbau\u00bb untersucht die m\u00f6glichen Vor- und Nachteile, die entstehen, wenn die kapitalgedeckte S\u00e4ule ausgebaut und die umlagefinanzierte S\u00e4ule \u2013 in einem Ausmass, dass die Pensionsersatzquote insgesamt ungef\u00e4hr konstant bleibt \u2013 zur\u00fcckgefahren wird.Der \u00dcbergang zu einem st\u00e4rker kapitalgedeckten System hat eine Reihe von g\u00fcnstigen Arbeitsmarktwirkungen, welche die effektive Besch\u00e4ftigung insgesamt um beinahe 3 Prozentpunkte steigern; der R\u00fcckgang aufgrund der Demografie betr\u00e4gt nur mehr -0,5% anstatt \u20133,3% im Szenario \u00abAdmin\u00bb. Die kapitalgedeckten Beitr\u00e4ge haben \u2013 wie bereits erw\u00e4hnt \u2013 nur geringen Steuercharakter. Indem die Mischfinanzierung der Alterspensionen zugunsten der kapitalgedeckten S\u00e4ule verschoben wird, kann die effektive Lohnsteuerlast reduziert werden. Mit der geringeren Steuer- und Beitragsbelastung sinken die effektiven Steuers\u00e4tze auf geleistete Arbeitsstunden, die Erwerbsbeteiligung der aktiven Arbeitnehmenden und die Stellensuche um jeweils etwa 3 Prozentpunkte. Der effektive Teilnahmesteuersatz der \u00e4lteren Arbeitnehmenden vor dem Ruhestand sinkt noch st\u00e4rker um etwa 7 Punkte. Dieser niedrigere Satz \u2212 und damit die kr\u00e4ftigen Anreize f\u00fcr eine aufgeschobene Pensionierung \u2212 beruhen auf der geringeren Beitragsbelastung (insgesamt 6 Punkte), welche die Besch\u00e4ftigung relativ zur Pension beg\u00fcnstigen. Die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 70-J\u00e4hrigen steigt dadurch von 46% auf 51%; die durchschnittliche Arbeitslosenrate f\u00e4llt um fast einen Prozentpunkt, n\u00e4mlich von 3,2% auf 2,4%. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind somit langfristig sehr g\u00fcnstig, wobei die Absenkung der Arbeitslosenrate und der Anstieg des Ruhestandsalters am wichtigsten sind.Mit dem Ausbau der Kapitaldeckung sind allerdings zwei Schwierigkeiten verbunden: Erstens wird der Ausbau mit einer Doppelbelastung w\u00e4hrend der \u00dcbergangsphase erkauft, und zweitens ist die Alterssicherung in der zweiten S\u00e4ule mit h\u00f6heren Einkommensrisiken \u2013 durch schwankende Beitr\u00e4ge oder schwankende Leistungen, je nach erzielbaren Kapitalmarktrenditen \u2013 verbunden. Damit stellt sich die Frage nach einer optimalen Mischung, die mit einem Ausbau der Kapitaldeckung verbessert oder auch verschlechtert werden kann. Die unterschiedlichen Risiken der beiden S\u00e4ulen k\u00f6nnen mit dem verwendeten Modell nicht bewertet werden. Die Werte in Grafik 1 geben jedoch einen Eindruck von den intergenerativen Umverteilungseffekten, die sich aus dem \u00dcbergang zu einer st\u00e4rkeren Kapitaldeckung im Vergleich zum Szenario \u00abAdmin\u00bb ergeben.Die heute jungen Generationen m\u00fcssen im \u00dcbergang eine Doppelbelastung tragen, weil zun\u00e4chst die Beitrags- und Steuerlast ansteigt und sie zus\u00e4tzlich im Alter nur mehr eine geringere AHV-Rente erwarten k\u00f6nnen, die ja mit einer h\u00f6heren Pension aus der beruflichen Vorsorge ersetzt werden soll. So verzeichnet beispielsweise die Gruppe der 20- bis 30-J\u00e4hrigen einen Wohlfahrtsverlust von 1,5% des vollen Konsums (der erste Balken der eingeblendeten Grafik ist identisch mit dem Anfangspunkt der Zeitreihe). Im hier vorgestellten Szenario dauert es etwa 3 Jahrzehnte, bis eine neue Generation \u00fcber ihren gesamten Restlebenshorizont eine h\u00f6here Wohlfahrt erzielen kann. Die langfristigen Wohlfahrtsgewinne in Tabelle 1 \u2013 gemessen am Konsum \u2013 aus dem \u00dcbergang zu einem st\u00e4rker kapitalgedeckten System sind mit Wohlfahrtsverlusten von jungen Generationen in der \u00dcbergangsperiode erkauft. Jede Politik der intergenerativen Umverteilung, sofern realistische Instrumente \u2013 z.B. eine massive Staatsverschuldung zur Lastenverschiebung in die Zukunft \u2013 daf\u00fcr \u00fcberhaupt zur Verf\u00fcgung stehen, m\u00fcsste zuk\u00fcnftige Generationen belasten, damit sie gegenw\u00e4rtige Generationen kompensieren bzw. an den Effizienzgewinnen teilhaben lassen kann. Das bedeutet jedoch gleichzeitig, dass die langfristigen Wohlfahrtsgewinne reduziert werden.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Verschiebung von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitr\u00e4gen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Ein in Tabelle 1 nicht dargestelltes Szenario untersucht die Auswirkungen aus einer Verschiebung von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitr\u00e4gen zur beruflichen Vorsorge. Bisweilen wird die Sorge ge\u00e4ussert, dass die Arbeitgeberbeitr\u00e4ge f\u00fcr die Unternehmen Lohnnebenkosten darstellen, vollen Steuercharakter haben und damit Arbeitsnachfrage und Besch\u00e4ftigung beeintr\u00e4chtigen. Dem ist jedoch nicht so. Wenn in diesem Szenario die Arbeitgeberbeitr\u00e4ge auf null gesetzt und vollst\u00e4ndig den Arbeitnehmerbeitr\u00e4gen zugeschlagen werden, bleibt dies nicht ohne Konsequenzen f\u00fcr die Lohnbildung. Bei der Lohnbemessung wird n\u00e4mlich ber\u00fccksichtigt, dass die Unternehmen nun Beitr\u00e4ge einsparen und die Arbeitnehmenden die ganze Beitragslast \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Diese wird beinahe vollst\u00e4ndig auf den Bruttolohn \u00fcberw\u00e4lzt, der entsprechend stark ansteigt. Somit bleibt die Massnahme fast vollst\u00e4ndig neutral und hat kaum Auswirkung auf das Arbeits-Angebotsverhalten, die effektive Besch\u00e4ftigung und die Einkommen. So best\u00e4tigt sich die klassische Einsicht, dass es f\u00fcr die Steuerinzidenz im Allgemeinen nicht darauf ankommt, wo die Steuern bzw. die Beitr\u00e4ge ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Wo das optimale Verh\u00e4ltnis zwischen der umlagefinanzierten und der kapitalgedeckten S\u00e4ule der Altersvorsorge genau liegt, ist schwierig zu ermitteln und kann mit dem verf\u00fcgbaren Modell nicht beantwortet werden. Die vorausgegangenen Ausf\u00fchrungen legen jedoch die Vermutung nahe, dass das schweizerische System nicht allzu weit davon entfernt ist. Durch einen Ausbau der Kapitaldeckung d\u00fcrften also nur geringe Effizienzsteigerungen m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\">Christian Jaag, PhD<\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Managing Partner bei Swiss Economics, Lehrbeauftragter an der Universit\u00e4t St.Gallen<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\">Dr. Mirela Keuschnigg<\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IFF-HSG, Universit\u00e4t St.Gallen<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Anreizwirkungen der Altersvorsorge<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die wichtigste Anreizwirkung der Altersvorsorge betrifft die Ruhestandsentscheidung: Lohnt sich eine l\u00e4ngere Erwerbst\u00e4tigkeit oder ist es gar besser, die Pensionierung vorzuziehen? Um der Tendenz zur Fr\u00fchpensionierung vorzubeugen, sollte das System den sp\u00e4teren Pensionsantritt mit Pensionszuschl\u00e4gen belohnen und bei vorgezogenem Ruhestand Pensionsabschl\u00e4ge vornehmen. Bei der kapitalgedeckten Vorsorge werden die Zu- und Abschl\u00e4ge automatisch nach versicherungstechnischen fairen Gesichtspunkten berechnet, sodass in diesem Teil die richtigen Anreize f\u00fcr eine l\u00e4ngere Erwerbst\u00e4tigkeit gesetzt werden. Die Altersvorsorge kann sich auch negativ auf das Arbeitsmarktverhalten der aktiven Arbeitnehmer auswirken. Wenn die Pensionsleistungen nur unvollst\u00e4ndig an die eigenen Beitr\u00e4ge gekoppelt und auch nicht verzinst werden, dann haben die AHV-Beitr\u00e4ge teilweise Steuercharakter und belasten wie die anderen Steuern und Abgaben die Arbeitsleistungen der Erwerbst\u00e4tigen. Aus den gleichen Gr\u00fcnden k\u00f6nnen AHV-Beitr\u00e4ge die Anreize der Arbeitnehmenden zur Aufnahme einer Erwerbst\u00e4tigkeit und die Anreize zur Stellensuche bei Arbeitslosigkeit negativ beeinflussen. Je h\u00f6her die Steuer- und Beitragsbelastung eines Besch\u00e4ftigten ist, desto schw\u00e4cher sind die Anreize, eine Erwerbst\u00e4tigkeit \u00fcberhaupt anzustreben oder bei Arbeitslosigkeit eine Stelle zu suchen. Dagegen haben die Beitr\u00e4ge zur kapitalgedeckten S\u00e4ule kaum einen Steuercharakter, weshalb von ihnen auch keine negativen Anreize ausgehen. Das Alterssicherungssystem setzt schliesslich auch Anreize f\u00fcr die individuellen Aus- und Weiterbildungsentscheidungen. Investitionen in die eigene Ausbildung sind attraktiv, wenn sie einen grossen Ertrag abwerfen und \u00fcber eine lange Zeit amortisiert werden k\u00f6nnen. Wenn das Alterssicherungssystem Fr\u00fchpensionierungen f\u00f6rdert, dann macht es Bildungsinvestitionen weniger attraktiv.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Literatur<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Jaag, C., C. Keuschnigg und M. Keuschnigg (2008), Alterung, Sozialwerke und Institutionen, Studie im Auftrag des SECO, Universit\u00e4t St. Gallen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Jaag, C., Education, Demographics, and the Economy, Journal of Pension Economics and Finance, forthcoming.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Fisher, W. H. und C. Keuschnigg, Pension Reform and Labor Market Incentives. Journal of Population Economics, forthcoming.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2212 Queisser, M. und D. Vittas (2000), The Swiss Multi-Pillar Pension System: Triumph of Common Sense?, Policy Research Working Paper 2416, The World Bank.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"LG\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Grunds\u00e4tzlich gibt es drei M\u00f6glichkeiten, den Auswirkungen der ver\u00e4nderten Demografie zu begegnen: durch reduzierte Leistungen f\u00fcr k\u00fcnftige Rentner, erh\u00f6hte Beitr\u00e4ge der aktiven Bev\u00f6lkerung oder eine Erh\u00f6hung des Rentenalters. Die Analyse zeigt, dass die Wirksamkeit der einzelnen Massnahmen stark von der konkreten Ausgestaltung des Vorsorgesystems und von den davon ausgehenden Arbeitsmarktanreizen abh\u00e4ngt.Bild: Keystone<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; &#13; &#13; &#13; &#13; &#13; In der wirtschaftspolitischen Diskussion zur demografischen Alterung steht prim\u00e4r die k\u00fcnftige Finanzierung der Sozialwerke zur Debatte. Aus \u00f6konomischer Sicht ist jedoch nicht nur der direkte finanzielle Mittelbedarf von Bedeutung, sondern insbesondere die gesamtwirtschaftlich relevanten Anreizwirkungen des Systems und seiner allf\u00e4lligen Reform. 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