Beim Konzert im Garten sind es viele. Doch wohnen tun ältere Personen oft allein. (Bild: Keystone)
In der Schweiz gibt es immer mehr Haushalte. Zwischen 2014 und 2024 stieg die Zahl von 3,6 Millionen auf 4,1 Millionen. Am stärksten wuchsen die Einpersonenhaushalte (+21%). Weniger stark wuchsen die Haushalte mit zwei Personen (+12%) bis fünf Personen (+1%). Gleichzeitig ging die Zahl der Haushalte mit sechs oder mehr Personen zurück (–7%). Das ist ein Trend, der sich auch im übrigen Europa zeigt.
Gründe dafür sind in der Schweiz die Migration und der demografische Wandel. Die Kinder der Babyboomer-Generation haben in den letzten Jahrzehnten ihre Ausbildung abgeschlossen und sind aus dem Elternhaus ausgezogen. Ihre Eltern wurden pensioniert und leben nun als Paar oder im Fall von Alleinerziehenden allein.
Die Zahl der Haushalte dürfte in den nächsten 30 Jahren weiter steigen. Gemäss dem Referenzszenario des Bundesamts für Statistik (BFS) nimmt sie zwischen 2025 und 2035 von 4,1 Millionen auf 4,5 Millionen zu und wird 2055 fast 4,9 Millionen erreichen. Das entspricht einem Anstieg um 18 Prozent gegenüber 2025. Ein Grund für diese Entwicklung ist das Bevölkerungswachstum: Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz dürfte von 9,1 Millionen im Jahr 2025 auf 10,5 Millionen Personen im Jahr 2055 ansteigen. Verantwortlich dafür ist ausschliesslich die Migration. Denn für den gesamten Zeitraum wird ein negativer Geburtenüberschuss – also weniger Geburten als Todesfälle – erwartet.
Zahl der Kleinhaushalte wächst rasant
Der zweite Grund ist der Trend zu kleineren Haushalten. Die Zahl der Einpersonenhaushalte dürfte von 1,5 Millionen im Jahr 2025 auf 1,9 Millionen im Jahr 2055 und damit um 26 Prozent zunehmen, die Zweipersonenhaushalte auf 1,6 Millionen (+19%). Bei den Haushalten mit drei oder mehr Personen ist ein Anstieg auf knapp 1,3 Millionen Haushalte (+8%) zu erwarten (siehe Abbildung). Damit bestehen im Jahr 2055 in der Schweiz voraussichtlich 40 Prozent der Haushalte aus einer Person, gegenüber 37% im Jahr 2025. Der Anteil der Zweipersonenhaushalte stagniert bei 33 Prozent, und der Anteil der Haushalte mit drei oder mehr Personen sinkt auf 27 Prozent.
Im Jahr 2050 zählt die Schweiz voraussichtlich 1,9 Millionen Einpersonenhaushalte
INTERAKTIVE GRAFIK
Mehr Haushalte mit älteren Menschen
Wer lebt zukünftig in Kleinhaushalten, deren Zahl in den nächsten drei Jahrzehnten stark wachsen wird? Ein- oder Zweipersonenhaushalte bestehen hauptsächlich aus einer verwitweten Person oder einem älteren Paar, dessen Kinder aus dem Elternhaus ausgezogen sind. Diese Haushalte bleiben aufgrund der höheren Lebenserwartung mehrere Jahrzehnte lang bestehen. Nach dem Tod eines Ehepartners wohnt die überlebende Person oft allein. Da die Jahrgänge der Babyboomer relativ gross sind, führt dies zu einem markanten Anstieg der absoluten Zahl der Einpersonenhaushalte.
Ein weiterer Teil dieser Ein- oder Zweipersonenhaushalte besteht aus jungen Erwachsenen. Längere Ausbildung und eine hohe berufliche Mobilität dürften die Geburtenhäufigkeit in der jüngeren Generation niedrig halten und die Zahl der Kleinhaushalte ansteigen lassen. Damit verlangsamt sich die Bildung von Paaren mit Kindern. Die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Personen geht jedoch aufgrund der Zuwanderung von Familien mit Kindern nicht zurück.
Unterschiedliche Entwicklungen in den Kantonen
Die Zahl der Haushalte entwickelt sich je nach Region unterschiedlich. Ein Wachstum von 25 bis 35 Prozent ist in den Kantonen Luzern, St. Gallen, Waadt und Wallis zu erwarten, gegenüber weniger als 5 Prozent in den Kantonen Bern, Glarus, Schaffhausen, Neuenburg und Appenzell Ausserrhoden. Dieser mehr oder weniger ausgeprägte Anstieg ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass in der ganzen Schweiz mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte entstehen. In den Kantonen Luzern, Wallis, St. Gallen, Thurgau und Waadt nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte zwischen 2025 und 2055 um mehr als 35 Prozent zu und die Zahl der Zweipersonenhaushalte um 25 bis 35 Prozent – dies auch im Kanton Genf.
Haushalte mit drei oder mehr Personen werden nur in Kantonen deutlich zahlreicher, die in der Nähe der grossen Zentren liegen. In den Kantonen Luzern, Genf, St. Gallen, Waadt, Aargau und Zürich wächst die Zahl dieser Haushalte zwischen 2025 und 2055 um 12 bis 25 Prozent. Hingegen ist ein Rückgang um 5 bis 10 Prozent in Kantonen zu erwarten, die relativ weit von den Zentren entfernt sind. Dazu gehören etwa Neuenburg, Nidwalden, Tessin, Obwalden, Jura, Graubünden und Schaffhausen.
Diese Entwicklungen erklären sich dadurch, dass die Grossstädte in der Schweiz für junge Erwachsene attraktiv sind. Sie ziehen für Ausbildung und Arbeit in urbane Regionen. Wenn sie eine Familie gründen, suchen sie grössere Wohnungen innerhalb oder nahe bei den Agglomerationen. Auch die in die Schweiz einwandernden Personen ziehen mehrheitlich in Kantone in der Nähe der grossen Zentren, die Familienwohnungen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes bieten.
Demografische Trends in Europa
Die aktuellen demografischen Entwicklungen in der Schweiz und in Europa, insbesondere die sinkende Geburtenhäufigkeit, könnten den Rückgang der Haushaltgrösse in den nächsten Jahrzehnten in der Schweiz beschleunigen. Längerfristig dürfte auch die Zahl der Familien abnehmen, da es in der Schweiz und in Europa in zwei bis drei Jahrzehnten weniger junge Erwachsene geben wird.
Die Migration dürfte den Rückgang der grossen Haushalte in der Schweiz nicht ausgleichen. Mittelfristig könnten die jüngst deutlich rückläufigen Geburtenzahlen in Europa die Migration in die Schweiz bremsen, insbesondere von Familien. Schliesslich dürften mehr Menschen ein sehr hohes Alter erreichen, da die Lebenserwartung weiterhin steigt, wenn auch langsamer. Deshalb wird es auch künftig viele Kleinhaushalte mit älteren Menschen geben.
Literaturverzeichnis
- Bundesamt für Statistik (2025). Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz und der Kantone 2025–2055, 15. April.
- Bundesamt für Statistik (2025). Szenarien zur Entwicklung der Privathaushalte, 13. November 2025.
- Bundesamt für Statistik (2025). Rückgang der Geburtenhäufigkeit in der Schweiz, 10. November.
- Bundesamt für Statistik (2025). Von zu Hause ausziehen, 13. Oktober.
Bibliographie
- Bundesamt für Statistik (2025). Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz und der Kantone 2025–2055, 15. April.
- Bundesamt für Statistik (2025). Szenarien zur Entwicklung der Privathaushalte, 13. November 2025.
- Bundesamt für Statistik (2025). Rückgang der Geburtenhäufigkeit in der Schweiz, 10. November.
- Bundesamt für Statistik (2025). Von zu Hause ausziehen, 13. Oktober.
Zitiervorschlag: Kohli, Raymond (2026). Immer mehr Einpersonenhaushalte in der Schweiz. Die Volkswirtschaft, 06. März.