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Schweizer Wirtschaft wächst 2025 moderat

Das Schweizer BIP wuchs mit 1,4 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Auch andere Länder wiesen ein im historischen Vergleich eher geringes Wachstum auf. Die Entwicklung folgt allerdings auf eine kräftige Erholung nach der Coronakrise.
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Die Schweizer Wirtschaft ist seit 2019 deutlich stärker gewachsen als die Deutschlands. Ventilatoren am Kühlwerk eines ehemaligen Stahlwerks in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. (Bild: Keystone)

Im Jahr 2025 ist die Schweizer Wirtschaft real und Sportevent-bereinigt um 1,4 Prozent gewachsen.[1] Damit hat sich das Wachstum gegenüber 2023 und 2024 mit je 1,2 Prozent leicht beschleunigt. Es liegt aber erneut unter dem langjährigen Mittelwert: Seit 1981 wuchs die Schweizer Wirtschaft im Schnitt um 1,8 Prozent pro Jahr.

Im internationalen Vergleich weisen die USA 2025 ein deutlich stärkeres BIP-Wachstum als die Schweiz auf. Allerdings hat sich die Differenz im Vergleich zu den Vorjahren etwas reduziert (siehe Abbildung 1). Im Euroraum fiel das Wachstum ähnlich hoch aus wie in der Schweiz. Die Unterschiede zwischen den Ländern in Europa sind jedoch gross. Einige Länder wie Spanien wuchsen kräftig (+2,8%). Die spanische Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren von starken Investitionen, zunehmenden Dienstleistungsexporten und einer wachsenden Erwerbsbevölkerung gestützt. Deutschland hingegen weist 2025 nur ein schwaches Wachstum auf (0,3%).

Insgesamt blickt die deutsche Wirtschaft auf eine ausgeprägte Schwächephase zurück. Zum einen steht sie vor strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie. So ist die Automobilindustrie durch den Übergang zur Elektromobilität unter Anpassungsdruck. Hinzu kommen weitere Faktoren, die den Wirtschaftsstandort belasten. Dazu zählen Fachkräftemangel, hohe bürokratische Hürden, ein langsames Fortschreiten der Digitalisierung und hohe Standortkosten.

Zum anderen kam ab 2022 eine konjunkturelle Schwäche hinzu. Auslöser waren stark gestiegene Energiepreise und erhöhte Inflation. Das belastete die deutsche Wirtschaft stark. Aber auch andere europäische Länder entwickelten sich angesichts hoher Energiepreise und erhöhter Inflation in den vergangenen Jahren schwach. Das machte sich in den exponierten Branchen der Schweizer Wirtschaft bemerkbar. Beispielsweise führte die Krise in der deutschen Automobilindustrie auch bei Schweizer Zulieferbetrieben zu Auftragsrückgängen.

Abb. 1: Die US-Wirtschaft wuchs ab 2023 stärker als die Schweizer Wirtschaft

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Anmerkung: Real, saison- und kalenderbereinigt, Schweiz: Sportevent-bereinigt
Quellen: BFS, Seco, BEA, Eurostat, nationale Statistikämter | Grafik: Die Volkswirtschaft

Achterbahnfahrt im Aussenhandel

Seit Anfang 2025 prägen zudem die höheren US-Zölle und die damit verbundene Unsicherheit die Konjunktur. Dies führte zu einer ausgeprägten Volatilität in verschiedenen makroökonomischen Daten, sowohl international wie auch in der Schweiz: Im Frühjahr 2025 kam es zu deutlichen Vorzieheffekten bei den Warenexporten in die USA. Danach folgte eine entsprechende Gegenbewegung. Diese Dynamik widerspiegelte sich im gesamtwirtschaftlichen Wirtschaftswachstum: Auf ein überdurchschnittliches BIP-Wachstum im ersten Halbjahr folgte eine sehr schwache zweite Jahreshälfte.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die chemisch-pharmazeutische Industrie, die einen grossen Anteil an den Schweizer Exporten hat. Auch in anderen Branchen machte sich die US-Zollpolitik bemerkbar. So zog beispielsweise die Uhrenindustrie Lieferungen in die USA vor, in Erwartung höherer Zollsätze. Zudem wurden die US-Zölle Anfang August erhöht. Insgesamt gingen die Exporte in die USA im 3. Quartal stark zurück (siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Warenexporte in die USA gingen im 3. Quartal stark zurück

INTERAKTIVE GRAFIK
Anmerkung: Nominal, saisonbereinigt, ohne Wertsachen und Transithandel.
Quelle: Seco | Grafik: Die Volkswirtschaft

In der weniger konjunktur- und wechselkursexponierten Pharmabranche wuchs die Wertschöpfung im Jahr 2025. Das konnte die Rückgänge in anderen Industriebereichen jedoch nicht vollständig kompensieren. Insgesamt trug der Industriesektor – wie bereits in den beiden Jahren zuvor – negativ zum BIP-Wachstum bei. Demgegenüber stieg die Wertschöpfung im Dienstleistungssektor 2025 abermals an. Insbesondere der Finanzsektor und der Handel zeigten bereits in der ersten Jahreshälfte bedeutende Wertschöpfungsanstiege.

Die Schweizer Wirtschaft wächst trotz grosser Herausforderungen

Somit zeigt sich: Die grossen Herausforderungen der vergangenen Jahre belasteten die einzelnen Branchen teils spürbar. Allerdings folgte die deutlich unterdurchschnittliche BIP-Entwicklung der vergangenen Jahre auf eine ausgesprochen kräftige Erholung im Nachgang zur Coronakrise. 2021 war die Schweizer Wirtschaft um 5,9 Prozent gewachsen, 2022 um 3,5 Prozent. Eine gewisse Verlangsamung in den Folgejahren wäre daher auch ohne zusätzliche Belastungsfaktoren zu erwarten gewesen. Insgesamt war das BIP 2025 11,2 Prozent höher als im letzten Jahr vor der Coronakrise (2019). Damit war die Entwicklung zwar weniger stark als in den USA (+15,2%), aber wesentlich dynamischer als etwa im Euroraum (+6,6%) und in Deutschland (+0,3%).

So hat die Schweizer Wirtschaft in den vergangenen, bewegten Jahren abermals ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen. Dazu hat eine günstige Branchenstruktur beigetragen, aber auch die stabilen Rahmenbedingungen, der flexible Arbeitsmarkt, offener Handel und effektive automatische Stabilisatoren wie die Arbeitslosenversicherung.

  1. Dieser Artikel basiert auf dem Exkurs «Schweizer BIP 2025: +1,4%; BIP pro Kopf: +0,5%; seit 2019 ist das BIP pro Kopf um 4,8% gestiegen» in den «Konjunkturtendenzen» Frühjahr 2026 (siehe Kasten). []

Zitiervorschlag: Kemeny, Felicitas; Schmidt, Caroline (2026). Schweizer Wirtschaft wächst 2025 moderat. Die Volkswirtschaft, 26. März.

«Konjunkturtendenzen» Frühjahr 2026

Wirtschaftslage Schweiz – Im 4. Quartal 2025 ist das Sportevent-bereinigte BIP der Schweiz um 0,2 Prozent gewachsen. Damit hat sich die Wirtschaftsentwicklung zum Jahresende stabilisiert, die Branchenentwicklung war allerdings durchwachsen. In den letzten Monaten bewegte sich die Arbeitslosigkeit in den meisten Branchen seitwärts.

Exkurs: Schweizer BIP 2025: +1,4 Prozent, moderate Expansion bei schwacher Investitions- und Exportdynamik – Trotz einer leichten Beschleunigung blieb das Wachstum erneut unter seinem langfristigen Durchschnitt. Das konjunkturelle Umfeld war im Jahr 2025 insbesondere durch die US-Zollpolitik und die damit einhergehende Unsicherheit geprägt. Dies führte zu einer ausgeprägten Volatilität in verschiedenen makroökonomischen Daten.

Konjunkturprognose – Mit dem Krieg im Nahen und im Mittleren Osten sind die internationalen Energiepreise seit Anfang März stark angestiegen. Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes erhöht ihre Inflationsprognose leicht. Das Wirtschaftswachstum dürfte 2026 etwas schwächer ausfallen als bisher erwartet.

Szenario – Aufgrund der Unsicherheit ergänzt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Konjunkturprognose um ein alternatives, negativeres Szenario. Dabei wird eine persistentere Erhöhung der Energiepreise unterstellt.

Weltwirtschaft – Im 4. Quartal 2025 wuchs die Weltwirtschaft, gemessen an den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz, etwas langsamer als im Vorquartal. Die Inflation hat sich bis Januar in vielen Ländern zurückgebildet. Mit Kriegsbeginn im Nahen und im Mittleren Osten schnellte der Ölpreis Anfang März jedoch in die Höhe. Gleichzeitig gaben die Aktienmärkte deutlich nach, vor allem in Europa. Der Franken ist real und handelsgewichtet hoch bewertet.