So will der Bundesrat den Zugang zu Rohstoffen sichern
Gallium ist ein begehrter Rohstoff. Fast die gesamte weltweite Gallium-Produktion stammt aus China. (Bild: Keystone)
Spätestens seit US-Präsident Donald Trump sich für Grönland interessiert, finden mineralische Rohstoffe auch beim breiten Publikum Beachtung. Es geht um viele Rohstoffe, die für die Energiewende und für unsere moderne digitale Lebensweise wichtig sind: Mobiltelefone, Batterien für Elektroautos, Solarpanels. Wer will schon darauf verzichten?
Die Förderung und die Produktion sogenannter kritischer Rohstoffe sind weltweit stark konzentriert. China dominiert etwa die Produktion von Gallium, Germanium, Grafit, Magnesium und seltenen Erden. Lithium stammt überwiegend aus Australien und Chile[1], Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo. Auch bei der Raffination dieser und vieler weiterer Rohstoffe ist Chinas Einfluss beträchtlich.
Diese hohe Konzentration und Abhängigkeit birgt Risiken für die globale Versorgungssicherheit und macht Lieferketten anfällig für geopolitische Spannungen. Die marktbeherrschende Stellung einzelner Liefer- und Raffinationsländer ist zu einem Druckmittel geworden: So verhängte China zum Beispiel im April 2025 Exportkontrollen für sieben kritische seltene Erden, unter Berufung auf nationale Sicherheitsinteressen und als Reaktion auf den Handelskrieg mit den USA[2].
Maschinenbau, Pharma und Hightech betroffen
Für die Schweiz stellt sich die Frage, wie sie die Versorgung mit Rohstoffen langfristig sichern und Abhängigkeiten reduzieren kann. Dazu hat sich der Bundesrat im Dezember 2024 in einem Bericht[3] geäussert.
Da die Schweiz über keine nennenswerten Rohstoffvorkommen verfügt, ist sie auf Importe angewiesen. Sie importiert Rohstoffe primär in Form von Halbfabrikaten und Komponenten, die in verschiedenen Industriebranchen, insbesondere im Maschinenbau, in der Pharma und bei Hightech-Anwendungen, zum Einsatz kommen. Die Bezugsquellen der Industrie sind diversifiziert, und insgesamt sind die Handelsabhängigkeiten überschaubar. Die Schweizer Importe umfassen mengenmässig hauptsächlich Kupfer (in Form von Kabeln, Platten und Rohren) für die Maschinenindustrie (Elektronik, Werkzeugmaschinen usw.), Phosphatprodukte für die Pharma- und die Nahrungsmittelindustrie sowie Magnesium und Titan für Hightech-Unternehmen in den Bereichen Chemie, Optik, Biomedizin und Luftfahrt (siehe Abbildung).
Die sechs meistimportierten mineralischen Rohstoffe der Schweiz nach Herkunft (2021–2023)
INTERAKTIVE GRAFIK
Herausforderungen entlang der Lieferketten
Die Analyse der Importströme mit Daten der Jahre 2021 bis 2023 zeigt, dass die meisten Rohstoffe nicht direkt aus den Abbauländern, sondern aus europäischen Staaten stammen, da die EU viele Rohstoffe direkt aus den Förderländern bezieht. Dadurch entstehen für die Schweiz indirekte Abhängigkeiten.
Die Rohstoffversorgung ist nicht nur aufgrund wirtschaftlicher Abhängigkeiten und geopolitischer Spannungen relevant, sie birgt auch ökologische und soziale Herausforderungen. Die Gewinnung und die Verarbeitung von Metallen und Mineralien sind heute für fast 20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und für mehr als 20 Prozent der gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub verantwortlich.[4] Darüber hinaus stellen die oft schwierigen Arbeitsbedingungen im Rohstoffsektor in vielen Ländern eine besondere Herausforderung dar. Nachhaltigkeitsaspekte und transparente Lieferketten gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.
Was tut der Bundesrat?
Die Hauptaufgabe des Bundesrats besteht darin, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Versorgung der Schweizer Industrie mit mineralischen Rohstoffen zu sichern. Er setzt dabei auf offene Handelspolitik, diversifizierte Bezugsquellen und internationale Kooperationen, sowohl bilateral als auch multilateral. Während die Unternehmen selbst für ihre Rohstoffbeschaffung verantwortlich sind, unterstützt der Bund sie z. B. durch Freihandelsabkommen und setzt sich in der Welthandelsorganisation (WTO) für den freien Handel ein. Die bestehenden Massnahmen werden als angemessen erachtet, allerdings gibt es Optimierungspotenzial in fünf Handlungsfeldern:
Erstens soll die Datenlage verbessert werden. Die kontinuierliche Importanalyse soll Abhängigkeiten frühzeitig aufzeigen. Der Rohstoffbericht des Bundesrats[5] wird überarbeitet, damit er künftig als strategisches Monitoring- und Steuerungsinstrument dient. Zudem soll eine verstärkte Zusammenarbeit mit internationalen Partnern die Informationsbasis erweitern.
Zweitens soll die nationale Koordination verstärkt werden: Ein enger Austausch mit Industrie und Verbänden soll Unternehmen helfen, sich besser auf Versorgungsengpässe vorzubereiten, und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für Rohstoffrisiken sensibilisieren; gleichzeitig wird das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) die Marktüberwachung ausbauen und die Zolldaten analysieren. Derzeit umfasst die Überwachung Gallium, Beryllium, Chrom, Hafnium, Rhenium, Thallium, Niob, Germanium, Lithium, Magnesium, Phosphor und seltene Erden. Diese Liste soll bei Bedarf angepasst werden.
Drittens soll die Versorgungssicherheit stärker in der Aussenwirtschaftspolitik verankert werden. Die Vertiefung der Beziehungen zur EU, die Modernisierung bestehender Freihandelsabkommen sowie die Prüfung sektorieller Abkommen gelten als zentrale Hebel zur Sicherung der Rohstoffversorgung. Ebenso wird erwogen, die Ressourcensicherheit stärker in Investitionsschutzabkommen zu verankern.
Ein weiteres Handlungsfeld liegt in der Stärkung der wissenschaftlichen Grundlagen, indem geprüft wird, inwieweit das Thema Recycling mineralischer Rohstoffe künftig stärker in Forschungsprogrammen verankert werden kann.
Als fünfter Punkt will der Bundesrat seine aktuelle Umweltpolitik weiterführen und wo nötig verstärken. So arbeitet der Bund an der Umsetzung der parlamentarischen Initiative zur Förderung der Kreislaufwirtschaft[6], um die Abhängigkeit von Rohstoffen zu verringern.
Kooperation statt Industriepolitik
Die sichere Versorgung mit mineralischen Rohstoffen bleibt eine Herausforderung für die Schweizer Industrie. Aktuelle geopolitische Entwicklungen – darunter Veränderungen in der internationalen Handelspolitik und Anpassungen der Exportstrategien wichtiger Rohstofflieferanten – beeinflussen die globalen Rahmenbedingungen zunehmend. Während grosse Wirtschaftsräume wie die EU, die USA und China verstärkt auf industriepolitische Massnahmen setzen, setzt die Schweiz bewusst auf marktwirtschaftliche Mechanismen und eine gezielte bilaterale und multilaterale Kooperation.
Zur Stärkung der Resilienz der Schweizer Wirtschaft und zur Sicherstellung einer langfristigen Versorgung werden bessere Datenanalysen, eine intensivere Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene sowie gezielte Forschungs- und Umweltmassnahmen vorangetrieben. Die entsprechenden Massnahmen befinden sich nun in der Phase der konkreten Umsetzung.
- Siehe auch den Artikel «Lateinamerika: Grüne Rohstoffe für das Netto-null-Ziel» []
- NZZ vom 19.04.2025: «Ausfuhrkontrollen für seltene Erden sind Chinas liebstes Drohmittel. Dabei sind diese gar nicht so selten, wie viele meinen». []
- Bundesrat (2024a). []
- Siehe UNO (2024). []
- Siehe Interdepartementale Plattform Rohstoffe (2013). []
- Siehe Parlamentarische Initiative 20.433 – Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken. []
Literaturverzeichnis
- Bundesrat (2024a). Versorgung der Schweizer Industrie mit mineralischen Rohstoffen für die Energiewende. Bericht des Bundesrats in Erfüllung des Postulates 20.3950 Schneider-Schneiter. 13. Dezember 2024.
- Bundesrat (2024b). Handelsabhängigkeiten der Schweiz. Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Postulate 22.3405 und 23.3543. 22. Mai.
- Interdepartementale Plattform Rohstoffe (2013). Grundlagenbericht Rohstoffe. Bericht der interdepartementalen Plattform Rohstoffe an den Bundesrat.27. März.
- UNO (2024). Global Resources Outlook 2024. Bend the Trend. Pathways to a Liveable Planet as Resource Use Spikes. United Nations Environment Programme.
Bibliographie
- Bundesrat (2024a). Versorgung der Schweizer Industrie mit mineralischen Rohstoffen für die Energiewende. Bericht des Bundesrats in Erfüllung des Postulates 20.3950 Schneider-Schneiter. 13. Dezember 2024.
- Bundesrat (2024b). Handelsabhängigkeiten der Schweiz. Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Postulate 22.3405 und 23.3543. 22. Mai.
- Interdepartementale Plattform Rohstoffe (2013). Grundlagenbericht Rohstoffe. Bericht der interdepartementalen Plattform Rohstoffe an den Bundesrat.27. März.
- UNO (2024). Global Resources Outlook 2024. Bend the Trend. Pathways to a Liveable Planet as Resource Use Spikes. United Nations Environment Programme.
Zitiervorschlag: Fabel Glass, Daniela; Bovet, Olivier; Rauber Saxer, Andrea (2025). So will der Bundesrat den Zugang zu Rohstoffen sichern. Die Volkswirtschaft, 19. Mai.