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Nicht übertragbare Krankheiten kosten

Nicht übertragbare Krankheiten verursachen in der Schweiz den Grossteil der Gesundheitskosten. Eine Studie veröffentlicht die neusten Zahlen.
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Bewegung an der frischen Luft tut gut: Ein gesunder Lebensstil beugt Krankheiten vor. (Bild: Keystone)

Nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten gehören zu den häufigsten Todesursachen in der Schweiz. Im Unterschied zu übertragbaren Krankheiten wie der Grippe sind sie nicht ansteckend. Aber sie kosten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat eine Studie in Auftrag gegeben, um diese Kosten zu berechnen. Nicht übertragbare Krankheiten verursachen einen Grossteil der gesamten Gesundheitskosten, nämlich 72 Prozent. Das entspricht 65,7 Milliarden Franken jährlich. Die direkt damit verbundenen medizinischen Kosten – zum Beispiel für Arztbesuche, Spitalaufenthalte oder Medikamente – sind zwischen 2012 und 2022 um rund ein Drittel gestiegen. Höhere Behandlungskosten pro Krankheitsfall erklären fast die Hälfte des Anstiegs. Weiter steigen die Kosten, weil die Bevölkerung wächst und älter wird.

Kostenintensive Krankheiten

Die neurologischen Krankheiten sind mit fast 10 Milliarden Franken jährlich die teuersten. Ins Gewicht fallen hier vor allem Demenzerkrankungen. Knapp dahinter folgen die kardiovaskulären Krankheiten. Dazu zählt beispielsweise Bluthochdruck. Sie verursachen Kosten von 9,5 Milliarden Franken – gleich viel wie die psychischen Erkrankungen. Die muskuloskelettalen Erkrankungen wie Rückenschmerzen kosten über 9 Milliarden Franken pro Jahr, Krebserkrankungen 6,5 Milliarden Franken.

Die alternde Bevölkerung und der damit verbundene Anstieg chronischer Erkrankungen ist ein weiterer Kostentreiber im Gesundheitswesen – rund 2,2 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an solchen Erkrankungen. Sie sind besonders kostenintensiv. So benötigen Demenzkranke oft langjährige Betreuung in Form von ambulanter Pflege, Spitex oder stationärer Langzeitpflege. Die im Alter häufig auftretende Osteoporose verursacht aufgrund teurer Medikamente, Physiotherapien oder längerer Rehabilitationsaufenthalte ebenfalls hohe Kosten.

Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Hypertonie und Arthrose. Auch zu wenig Bewegung ist ein Risikofaktor und erhöht das Risiko für Demenz, Depression und Osteoporose – allesamt Krankheiten, die viel kosten. Konkret belaufen sich die Gesundheitskosten für die Folgekrankheiten von Übergewicht und Bewegungsmangel auf 5,4 Milliarden Franken. Aus der Studie «Volkswirtschaftliche Kosten von Sucht» wissen wir, dass auch weitere Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum Kosten in Milliardenhöhe nach sich ziehen.

Hohe Produktionsverluste

Nicht übertragbare Krankheiten belasten nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Wirtschaft. Wenn Mitarbeitende eines Unternehmens krankheitsbedingt ausfallen, können sie ihre Aufgaben nicht erfüllen. Das führt zu Einbussen in der Produktion.

Im Jahr 2022 haben nicht übertragbare Krankheiten knapp 43 Milliarden Franken Produktionsverluste verursacht. Das sind 13 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Diese Verluste entstehen zu einem grossen Teil wegen muskuloskelettaler und psychischer Krankheiten (siehe Abbildung). Die Gesundheitskosten und die Produktionsverluste zusammen betrugen im Jahr 2022 rund 109 Milliarden Schweizer Franken. Das entspricht etwa 14 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Produktionsverluste entstehen vor allem wegen muskuloskelettaler und psychischer Krankheiten (2022)

INTERAKTIVE GRAFIK
Quelle: BAG / Die Volkswirtschaft

Prävention lohnt sich

Nicht übertragbare Krankheiten lassen sich durch einen gesunden Lebensstil hinauszögern oder sogar verhindern. Bei der Prävention besteht in der Schweiz grosses Potenzial. Es ist bekannt, was hilft: Auf Rauchen verzichten und möglichst wenig Alkohol konsumieren, genügend bewegen, ausgewogen ernähren sowie auf die psychische Gesundheit achten.

Wesentlich für eine erfolgreiche Prävention ist ein Zusammenspiel von individuellen und strukturellen Massnahmen. Zum einen muss die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gefördert werden. Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit einer Person, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Aber auch die Rahmenbedingungen unterstützen gesundes Verhalten massgeblich. Dazu gehören beispielsweise das Werbeverbot für Tabakprodukte, Rauchverbote in öffentlichen Räumen oder gut ausgebaute Fahrradwege.

Engagement des BAG

Im Bereich der Gesundheitsförderung und der Prävention engagiert sich das BAG vor allem in der Gesetzgebung und deren Vollzug. Darüber hinaus erhebt das Amt Daten, erarbeitet fachliche Grundlagen, informiert und sensibilisiert die Bevölkerung. So veröffentlicht das BAG über das Monitoringsystem Sucht und nicht übertragbare Krankheiten (Monam) relevante Daten und schliesst durch Ressortforschung bestehende Wissenslücken. Fachpersonen finden auf thematischen Portalen wie der Onlineplattform Prevention.ch oder Familienzentrierte-vernetzung.ch bewährte Beispiele aus der Praxis. Zudem fördert das BAG den Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren der Gesundheitsförderung und der Prävention – etwa durch thematische runde Tische oder etablierte Austauschgremien.

Die Nationale Strategie Prävention nicht übertragbarer Krankheiten 2017–2028 des BAG konzentriert sich aktuell auf folgende Themen: Tabak und Nikotin, psychische Gesundheit sowie Übergewicht und Adipositas. Das sind drei Schwerpunkte mit grossem Handlungsbedarf. Die Ergebnisse der Kostenstudie zeigen, dass der heutige Fokus in der Prävention und der Gesundheitsförderung richtig ist. Sie liefern zudem wichtige Hinweise dafür, welche Prioritäten in der Nachfolgestrategie ab 2029 gesetzt werden sollten.

Als Antwort auf die steigenden Kosten braucht es schliesslich ein Engagement auf mehreren Ebenen: So arbeiten das Eidgenössische Departement des Innern und das BAG seit Jahren daran, die Kosten im Bereich der Krankenversicherung zu senken. Ohne die in den letzten Jahren beschlossenen Massnahmen von Bundesrat und Parlament wäre das Kostenwachstum noch höher ausgefallen. Kostendämpfung bleibt eine Daueraufgabe.

Zitiervorschlag: Baeriswyl, Petra; Fahr, Annette (2025). Nicht übertragbare Krankheiten kosten. Die Volkswirtschaft, 09. Dezember.