Konjunkturnews im Klassenzimmer
Das Unterrichtsmodul Konjunktur von Iconomix richtet sich an Mittelschülerinnen und Mittelschüler. (Bild: Keystone)
Die US-Zölle, die Donald Trump auf Importe aus der Schweiz verhängt hat, sind seit Monaten in aller Munde. Sie wirken sich unmittelbar auf die Produktionsauslastung und die Margen der Exporteure aus – und damit auf die Konjunkturentwicklung.
Das Zusammenspiel von globalem Handel und Schweizer Wirtschaft ist eines von vielen Beispielen, wie konjunkturelle Faktoren die tägliche Lebensqualität der Menschen in der Schweiz beeinflussen. So bewegen sich etwa auch Löhne, Zinsen und der Frankenkurs mit der Konjunktur und beeinflussen indirekt Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Inflation und die Kosten für Auslandferien.
Vor allem in wirtschaftlich unsicheren Zeiten werden diese Themen zum Tagesgespräch. Gilt es jedoch, vertieft zu erklären, was Konjunktur bedeutet, gerät das Gespräch schnell einmal ins Stocken: Alle reden davon, doch nur wenige verstehen die ökonomischen Konzepte dahinter. Denn die vielseitigen Wechselwirkungen sind komplex.
Saisonale «Konjunkturtendenzen»
Verstehen, wie Konjunktur unseren Alltag prägt, ist ein Kernaspekt der ökonomischen Allgemeinbildung. Dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist es deshalb ein Anliegen, Konjunkturwissen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ein wichtiges Instrument dieser Arbeit ist die Seco-Publikation «Konjunkturtendenzen», die einmal pro Quartal erscheint. Sie liefert Zahlen und Fakten zur aktuellen Konjunkturlage sowie Prognosen und Szenarien, wie sich die Konjunktur kurz- und mittelfristig entwickelt. Auf den Erkenntnissen des Seco baut das gleichnamige Unterrichtsmodul von Iconomix auf, dem webbasierten Bildungsangebot der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zur Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge.
Inhalte von Iconomix werden von Lehrpersonen an berufsbildenden Schulen und Maturitätsschulen der ganzen Schweiz genutzt und ergänzen so die Basislehrmittel. Konjunkturfragen sind zwar in fast jedem Lehrplan enthalten. Im Unterricht kann es jedoch herausfordernd sein, das Thema lebensnah zu vermitteln. Lehrbücher stellen es häufig schematisch dar, wodurch Bezüge zur eigenen Lebenssituation und zur aktuellen Konjunktur zu kurz kommen.
Vorzieheffekte und Sportgrossanlässe
Das von Iconomix angebotene Unterrichtsmodul «Konjunkturtendenzen» (siehe Kasten) setzt genau hier an. Es bietet eine stets aktuelle, praxisnahe Möglichkeit, das Thema Konjunktur im Unterricht mit Leben zu füllen. Das Modul deckt jeweils vier Themenbereiche ab: internationales und monetäres Umfeld, Wirtschaftslage Schweiz, Konjunkturprognose Schweiz sowie Konjunkturrisiken. Das Modul wird vierteljährlich neu herausgegeben. Jede Ausgabe enthält einen Fachtext mit Lernaufträgen zu den neusten Konjunkturaussichten des Seco (siehe Kasten). Das erleichtert es den Schulklassen, die Lerninhalte mit ihren eigenen aktuellen Erfahrungen zu verknüpfen.
Jedes Kapitel im Fachtext enthält eine Reihe von Lernaufträgen, die das Verstehen fördern und zum Weiterdenken anregen. So sind die Lernenden etwa gefordert, ökonomische Begriffe wie konjunkturneutrale Arbeitslosenquote, Sportevent-bereinigtes BIP oder Vorzieheffekte in eigenen Worten zu erklären. Dazu gibt es ergänzende Materialien wie Grafiken und Tabellen des Seco oder Hintergründe zur Entstehung von Konjunkturprognosen. Je nach Schulstufe und Anzahl Lektionen sind die Elemente flexibel kombinierbar.
Konjunkturwissen für Mittelschulen: Hätten Sie es gewusst?
Allein schon die Definition von Konjunktur ist keineswegs trivial. Der Begriff umfasst kurzfristige Schwankungen der wirtschaftlichen Entwicklung. In der Hochkonjunktur sind die Produktionskapazitäten einer Volkswirtschaft ausgelastet, die Nachfrage nach Arbeitskräften ist stark, Löhne und Preise steigen. In Phasen der Konjunkturschwäche zeigt sich hingegen eine Unterauslastung, Arbeitsstellen gehen verloren, der Preisdruck lässt nach.
Konjunktur mit Covid-Fieberkurve
Langfristig gleichen sich Hoch- und Tiefkonjunktur aus. Trotzdem sind die Bewegungen nicht nur für Ökonominnen und Ökonomen interessant, denn sie haben unmittelbar spürbare Auswirkungen auf das Wohlergehen der Bevölkerung.
Ein Blick auf die letzten Jahre führt dies eindrücklich vor Augen. Die Coronapandemie brachte eine der tiefsten Wirtschaftskrisen der jüngeren Geschichte. Das Bruttoinlandprodukt brach ein, die Arbeitslosigkeit stieg rasch an. Nur der Einsatz von Kurzarbeit in einem historischen Umfang konnte den Arbeitsmarkt stabilisieren: In der Schweiz war im April 2020 eine von vier arbeitstätigen Personen in Kurzarbeit. Die Krise belastete Arbeitnehmende und Unternehmen ausserordentlich stark. Deshalb wurden historisch einmalige wirtschaftliche Abfederungsmassnahmen ergriffen, darunter die Covid-Solidarbürgschaften oder die kantonalen Härtefallprogramme.
Auf den wirtschaftlichen Einbruch folgte eine kräftige Erholung, die jedoch nicht von Dauer war. Der Krieg in der Ukraine gefährdete die Gasversorgung in Europa und führte zu massiven Anstiegen der Energiepreise. Die Inflation kletterte auf die höchsten Stände seit Jahren. Die Konjunktur kühlte sich in vielen europäischen Ländern ab. Heute trübt insbesondere die US-Handelspolitik die Aussichten. Das unterdurchschnittliche Wachstumstempo der Schweizer Wirtschaft dürfte sich in absehbarer Zeit fortsetzen.
Wie kann Bildung helfen?
Die gegenwärtige Entwicklung verdeutlicht: Konjunktur ist kein abstraktes Phänomen, sondern eng verbunden mit dem Leben, gerade auch junger Menschen. So haben Lernende, die ihre Ausbildung in einer Phase hoher Arbeitslosigkeit abschliessen, in der Regel grössere Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. Die Suche nach einer Arbeitsstelle dauert länger, und der Einstiegslohn ist tendenziell niedriger. Dies kann die gesamte berufliche Entwicklung negativ beeinflussen und sogar gesundheitliche Folgen haben.
Schon 1978 erteilte das Stimmvolk dem Bund den Auftrag, Massnahmen für eine ausgeglichene Entwicklung der Konjunktur zu treffen.[1] Dass sowohl das Seco als auch die SNB und Iconomix dem Thema Konjunktur hohe Priorität beimessen, ist deshalb nachvollziehbar. Das gemeinsame Engagement der beiden Institutionen, ökonomisches Grundwissen in die Schule zu tragen, ist integraler Bestandteil davon. Dieses Wissen kann das Auf und Ab der Konjunktur zwar nicht verhindern. Dennoch befähigt es dazu, sich durch kluge Entscheide besser vor negativen Folgen zu schützen.
- Bundesbeschluss über den Konjunkturartikel der Bundesverfassung. []
Zitiervorschlag: Kemeny, Felicitas; Wälti, Manuel (2026). Konjunkturnews im Klassenzimmer. Die Volkswirtschaft, 12. März.
Das kostenlose Unterrichtsmodul «Konjunkturtendenzen» von Iconomix basiert auf der gleichnamigen Seco-Publikation. Die Lösungshinweise stehen nur Lehrpersonen offen; der Fachtext mit den Lernaufträgen und das Hintergrundmaterial sind auch ohne Log-in zugänglich. Das Modul ist in vier Sprachen verfügbar: Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch – Letzteres speziell für den bilingualen Unterricht.