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Wann lohnt sich eine breitere Stellensuche?

Arbeitslosen wird häufig empfohlen, möglichst viele Berufe und Regionen bei der Stellensuche in Betracht zu ziehen. Neue Forschung mit Schweizer Daten zeigt: Entscheidend ist nicht, wie breit man sucht, sondern, wo. Für manche Stellensuchende ist eine engere Suche besser.
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Die Stellensuche auf andere Regionen oder Berufe auszuweiten, kann sich lohnen. (Bild: Keystone)

Arbeitslosen zu empfehlen, ihre Suche auf verwandte Berufe und benachbarte Regionen auszuweiten, ist ein beliebtes Instrument der internationalen Arbeitsmarktpolitik.[1] Zum Beispiel könnte eine arbeitslose Fabrikarbeiterin aus Solothurn auch nach Stellen als Lageristin im Aargau suchen. Die Begründung leuchtet ein: Stellensuchende wissen eventuell nicht, dass sich Pendeln lohnen kann oder in welchen anderen Berufen ihre Fähigkeiten auch gefragt sind. Wer mehr Optionen in Betracht zieht, hat bessere Chancen, eine neue Stelle zu finden.

Die Forschung zeigt jedoch kein einheitliches Bild. Empfehlungen zu breiterer Suche helfen gewissen Gruppen von Stellensuchenden.[2] Auf alle Stellensuchenden angewendet, bleiben solche Empfehlungen jedoch ohne Wirkung. [3] Wo eine breitere Suche nicht bloss empfohlen, sondern vorgeschrieben oder finanziell gefördert wurde, waren die Betroffenen durchschnittlich sogar länger arbeitslos. [4] Das deutet darauf hin, dass noch andere Informationslücken im Spiel sind. Eine naheliegende: Stellensuchende wissen oft nicht, in welchen Berufen und Regionen die Nachfrage nach Arbeitskräften gerade hoch ist. Dann ist breiter nicht automatisch besser – wer etwa die Nachfrage im eigenen Beruf oder in der eigenen Region unterschätzt, könnte bereits zu breit suchen und wäre mit einer engeren Suche besser bedient.

Entscheidend ist die Konkurrenz pro Stelle

Welcher Markt gute Chancen bietet, hängt von der Konkurrenz pro Stelle ab. Mit Markt ist dabei die Kombination aus Beruf und Region gemeint. Entscheidend ist, wie viele Stellensuchende auf eine offene Stelle in einem Markt kommen. Die ökonomische Theorie spricht dafür, die Suche an dieser Grösse auszurichten. Wer von einem Markt mit viel Konkurrenz in einen mit wenig wechselt, verbessert nicht nur die eigenen Chancen, sondern entlastet zugleich den umkämpften Markt.

Deskriptiv zeigen die Daten, dass eine Ausrichtung der Stellensuche nach der Konkurrenzsituation vielversprechend ist. Die Konkurrenz pro Stelle unterscheidet sich selbst zwischen ähnlichen Berufen mit vergleichbarem Lohnniveau und zwischen angrenzenden Regionen teilweise massiv: Im weniger umkämpften Markt kommen auf 100 Stellensuchende durchschnittlich rund 150 offene Stellen, im umkämpften nur 65. Diese Unterschiede können von den Stellensuchenden ausgenützt werden.

Was passiert also, wenn die Arbeitslosenberatung die Stellensuchenden gezielt in Märkte mit wenig Konkurrenz lenkt? Dieser Frage geht eine aktuelle Studie nach.[5] Sie verknüpft das Schweizer Arbeitslosenregister mit Klickdaten der offiziellen Stellenplattform Job-Room. Letztere zeigen, in welchen Märkten Stellensuchende suchen. Die Daten decken rund 300’000 Arbeitslose und 2500 Personalberatende der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) ab. Manche Beratende lenken die Suche ihrer Kundschaft systematisch stärker in Märkte mit wenig Konkurrenz als andere. Diese Tendenz hängt nicht mit anderen Eigenschaften zusammen, etwa ihrer Strenge oder der Zahl der Gespräche. Die Studie isoliert den Einfluss der Beratenden auf die Suchrichtung. Weil Stellensuchende innerhalb eines RAV zufällig einer beratenden Person zugeteilt werden, entsteht ein natürliches Experiment: Es zeigt, was passiert, wenn Arbeitslose ihre Suche aufgrund der Beratendenzuteilung stärker auf Märkte mit wenig Konkurrenz richten.

Die Lenkung zeigt Wirkung. Wer einer beratenden Person zugeteilt wird, die stark in Märkte mit wenig Konkurrenz lenkt, findet mit um 2,7 Prozent erhöhter Wahrscheinlichkeit innert sechs Monaten eine Stelle. Der Effekt ist vergleichbar mit einer Erhöhung der monatlichen Bewerbungsanforderungen um zwei Bewerbungen, kostet aber praktisch nichts. Einbussen bei Lohn oder Stabilität der Erwerbstätigkeit findet die Studie keine.

Ob eine breitere Stellensuche hilfreich ist, hängt vom Ausgangsmarkt ab (siehe Tabelle). Das erklärt, warum frühere Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Wer in einem Markt mit viel Konkurrenz arbeitslos wird, profitiert davon, in einen Markt mit wenig Konkurrenz zu wechseln. Somit ist eine breitere Suche erfolgversprechend. Wer dagegen in einem Markt mit wenig Konkurrenz startet, profitiert vom Gegenteil: Ein Fokus auf Märkte mit wenig Konkurrenz verlagert die Suche von der Breite hin zum bisherigen Markt. Dank der guten Bedingungen dort wird schneller eine Stelle gefunden.

Stärker auf Märkte mit wenig Konkurrenz ausgerichtete Suche: Wie verändert sich die Wahrscheinlichkeit, eine Stelle zu finden, je nach Ausgangsmarkt?

Stelle gefunden in Markt mit mehr Konkurrenz Stelle gefunden im Ausgangsmarkt Stelle gefunden in Markt mit weniger Konkurrenz
Ausgangsmarkt mit viel Konkurrenz pro Stelle −0,6% +0,3% +4,1%*
Ausgangsmarkt mit wenig Konkurrenz pro Stelle +1,0% +7,5%** +2,2%

Lesebeispiel: Stellensuchende, die in einem Markt mit wenig Konkurrenz pro Stelle arbeitslos werden und ihre Suche stärker auf Märkte mit wenig Konkurrenz ausrichten, finden wahrscheinlicher innerhalb von sechs Monaten eine Stelle (alle Effekte sind null oder positiv). Der Erfolg kommt von einer engeren Suche: Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von sechs Monaten eine Stelle im Ausgangsmarkt zu finden, ist um 7,5 Prozent erhöht.

Anmerkung: Signifikanz: ** = auf dem 5-Prozent-Niveau, * = auf dem 10-Prozent-Niveau statistisch signifikant; ohne Stern = nicht signifikant.

Quelle: Klaeui (2026), Staatssekretariat für Wirtschaft, X28 AG | Grafik: Die Volkswirtschaft

Breiter suchen heisst oft, den Beruf zu wechseln. Ob das gelingt, entscheiden nicht nur die Stellensuchenden, sondern auch die Firmen. Eine zweite Studie untersucht, wann Rekrutierende berufsfremde Kandidierende berücksichtigen.[6] Auf der Plattform Job-Room suchen Rekrutierende aktiv in einer Datenbank registrierter Stellensuchender. Das Plattformdesign, kombiniert mit statistischen Methoden, erlaubt es, Profile mit sonst gleicher Qualifikation zu vergleichen.

Berufsfremde werden bei gleicher sonstiger Qualifikation seltener kontaktiert. Rund 80 Prozent dieses Nachteils gehen darauf zurück, dass Rekrutierende aus dem letzten Beruf einer Kandidatin schliessen, wie viele der geforderten Fähigkeiten sie im Erwartungswert mitbringt. Wechsel in ähnliche Berufe sind also häufig auch ohne Umschulung möglich. Zudem passen sich Firmen der Knappheit an: Finden sie in einem Beruf wenig Kandidierende pro offene Stelle, kontaktieren sie deutlich mehr Berufsfremde.

Das spricht dafür, in der Beratung die Konkurrenz pro Stelle zu berücksichtigen, statt pauschal eine breitere Suche zu fordern: Bei viel Konkurrenz im Ausgangsmarkt lohnt es sich eher, Alternativen aufzuzeigen, bei wenig Konkurrenz eher, den Fokus zu bestärken. Die nötigen Zahlen liegen den Arbeitsvermittlungen grösstenteils vor.

  1. Siehe Belot, Kircher und Muller (2019). []
  2. Siehe Altmann et al. (2026) und Belot et al. (2025). []
  3. Siehe Belot, Kircher und Muller (2019) sowie Altmann et al. (2026). []
  4. Siehe Van der Klaauw und Vethaak (2022) sowie Caliendo, Künn und Mahlstedt (2026). []
  5. Siehe Klaeui (2026) und den Kasten. []
  6. Siehe Klaeui et al. (2026). []

Literaturverzeichnis

Bibliographie

Zitiervorschlag: Klaeui, Jeremias (2026). Wann lohnt sich eine breitere Stellensuche? Die Volkswirtschaft, 22. September.

Nationales Forschungsprogramm «Digitale Transformation»

Der Schweizerische Nationalfonds förderte die in diesem Artikel vorgestellte Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Digitale Transformation» (NFP 77). Dieses untersucht die Auswirkungen der digitalen Transformation in der Schweiz. Die Forschung konzentriert sich auf drei Bereiche: «Bildung, Lernen und digitaler Wandel», «Ethik, Vertrauenswürdigkeit und Governance» sowie «Digitale Wirtschaft und Arbeitsmarkt». Das Programm umfasst 46 Forschungsprojekte, die zwischen 2020 und 2025 durchgeführt wurden.