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KMU brauchen Grossunternehmen – und umgekehrt

Die Schweiz ist ein Land der KMU. Und dennoch: Grossunternehmen stellen knapp ein Drittel der Vollzeitstellen und erwirtschaften 41 Prozent der Wertschöpfung. Eine Befragung im Kanton Zürich zeigt, wie eng grosse und kleine Unternehmen miteinander verflochten sind.
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Gross und Klein sind eng verflochten: Grossunternehmen im Kanton Zürich beziehen mehr als die Hälfte ihrer Vorleistungen von KMU. (Bild: Keystone)

Bilden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft? Und wäre die Schweiz auch ohne ihre grossen multinationalen Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich? Klar ist: 99,7 Prozent der Unternehmen in der Schweiz sind KMU; 90 Prozent davon haben weniger als zehn Angestellte (siehe Abbildung 1). Die restlichen 0,3 Prozent sind hingegen Grossunternehmen. Zu dieser Kategorie gehören alle Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten.[1] Anders sieht das Bild beim Beschäftigungsanteil aus: Hier dominieren die wenigen Grossunternehmen. Sie stellen knapp ein Drittel aller Vollzeitstellen in der Schweiz.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Wertschöpfung: Grossunternehmen erwirtschaften zwei Fünftel der Wertschöpfung. Mittlere Unternehmen kommen auf rund ein Fünftel, während diese bei Klein- und Kleinstunternehmen etwas geringer ausfällt (siehe Abbildung 1). Ein Grund: Viele Klein- und Kleinstbetriebe sind in Dienstleistungsbranchen mit geringer Arbeitsproduktivität tätig.[2]

Noch grösser sind die Unterschiede bei den Gewinnsteuern: Schätzungen zufolge entfällt mehr als die Hälfte der Gewinnsteuererträge auf Grossunternehmen, während Kleinstunternehmen lediglich 11 Prozent beitragen.[3] Ein Grund ist, dass kleine Unternehmen deutlich seltener einen steuerbaren Gewinn ausweisen.

Abb. 1: Wenige mittlere und grosse Unternehmen, aber grosser Beitrag zur Wirtschaft (2023)

INTERAKTIVE GRAFIK
Anmerkung: Bei den Angaben zu den Einnahmen durch Gewinnsteuern handelt es sich um eine Schätzung.
Quelle: Statistik der Unternehmensstruktur (Statent), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR), Wertschöpfungsstatistik, Gemeinde- und Kantonssteuerfüsse, Berechnungen EBP Schweiz AG | Grafik: Die Volkswirtschaft

Klein und Gross sind eng verflochten

Die Bedeutung von Grossunternehmen ist also klar, obwohl KMU ihnen zahlenmässig überlegen sind. Doch wie hängen grosse und kleine Unternehmen wirtschaftlich zusammen? Sie beziehen voneinander zahlreiche Vorleistungen – von Rohstoffen und Vorprodukten über IKT und Beratung bis zur Gebäudetechnik. Ein IT-KMU etwa bezieht Hardware und Basisdienstleistungen von Grossunternehmen, erbringt eigene Leistungen für andere KMU und Grossunternehmen und arbeitet zugleich mit spezialisierten Zulieferern zusammen. So entsteht ein dichtes Netz über alle Unternehmensgrössen hinweg. Tendenziell sind die Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen ähnlicher Grösse jedoch etwas enger.

Öffentliche Statistiken wie die Statistik der Unternehmensstruktur (Statent), die Statistik der Unternehmensgruppen (Stagre) oder die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) liefern zwar Daten zu Grösse, Struktur und Umsatz von Unternehmen. Hingegen fehlen Daten zu den Verflechtungen der Wirtschaft und der verschiedenen Unternehmenstypen und der daraus entstehenden Wertschöpfung. Eine Befragung[4] von über 500 Unternehmen im Kanton Zürich schliesst diese Lücke. Sie zeigt, dass Unternehmen verschiedener Grössenklassen eng miteinander vernetzt sind: Zürcher Unternehmen erzielen fast zwei Drittel ihres Umsatzes mit anderen Unternehmen und nur gut ein Drittel im Endkundengeschäft.

Grossunternehmen sind wichtige Auftraggeber

Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen ähnlicher Grösse fallen tendenziell enger aus: Kleinstunternehmen beziehen Vorleistungen häufiger von anderen Kleinstunternehmen, Grossunternehmen stärker von anderen Grossunternehmen (siehe Abbildung 2). Gleichzeitig zeigt die Befragung die zentrale Rolle der Grossunternehmen im Wertschöpfungsnetz. Sie sind in absoluten Zahlen sowohl die bedeutendsten Anbieter als auch Abnehmer von Vorleistungen. Rund zwei Fünftel des gesamten Werts der Vorleistungen entfällt auf Grossunternehmen – sowohl für andere Grossunternehmen (49 Prozent) als auch für kleine und mittlere Unternehmen (29 Prozent) sind sie die wichtigsten Handelspartner.

Die Verflechtung mit den KMU ist dabei besonders augenfällig: Über 50 Prozent der von Grossunternehmen bezogenen Vorleistungen stammen von KMU. Umgekehrt beziehen KMU über 40 Prozent der von Grossunternehmen erbrachten Vorleistungen. Grossunternehmen sind damit nicht nur untereinander, sondern auch eng mit dem KMU-Sektor verflochten.

Abb. 2: Unternehmen aller Grössen sind eng verflochten (2023)

Anmerkung: Dargestellt sind die erbrachten Vorleistungen im Kanton Zürich nach Unternehmenstypen. Die Ströme stellen den wertmässigen Anteil der Vorleistungen der befragten Unternehmen unterteilt nach Grössenklassen der jeweiligen Abnehmenden dar.
Quelle: Amt für Wirtschaft (2026) | Grafik: Die Volkswirtschaft

Regionale Zulieferer sind wichtig

Betrachtet man statt des Wertanteils die Anzahl der Zulieferbeziehungen, zeigt sich eine noch stärkere Vernetzung der Wirtschaft. Grossunternehmen verfügen mit durchschnittlich über 300 Zulieferern erwartungsgemäss über die meisten Geschäftsbeziehungen – 80 Prozent davon sind KMU. Grundsätzlich gilt: Je grösser ein Unternehmen, desto mehr Zulieferbeziehungen unterhält es. Doch auch Kleinstunternehmen arbeiten im Durchschnitt mit 22 anderen Unternehmen zusammen.

Die Befragung zeigt zudem, dass die Unternehmen stark regional verankert sind. Rund 70 bis 80 Prozent der bezogenen Vorleistungen stammen aus der Schweiz. Ein grosser Teil davon wird direkt im Kanton Zürich bezogen. Kleinere Unternehmen beschaffen tendenziell etwas lokaler als grosse; die Unterschiede sind jedoch gering. Grossunternehmen erzeugen aufgrund ihrer bedeutenden Rolle als Abnehmer den grössten Teil der lokalen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen.

Die Analyse liefert eine differenzierte Antwort zur Bedeutung der unterschiedlichen Unternehmenstypen. So wie der Wirtschaftsstandort Schweiz auf seine vielen KMU angewiesen ist, braucht er auch seine wenigen Grossunternehmen: als bedeutende Arbeitgeberinnen, Steuerzahler, Auftraggeberinnen und Auftragnehmer. Sie sind zentrale Kundinnen und Zulieferer für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen – und umgekehrt.

  1. Berechnungen basierend auf der Statistik der Unternehmensstruktur (Statent) und der VGR (BFS), EBP. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2023. []
  2. Lauter und Nussbaumer (2025). []
  3. Moresi, E. (2022). Steuern der juristischen Personen. Statistik Luzern. []
  4. Siehe Amt für Wirtschaft (2026). []

Literaturverzeichnis

Bibliographie

Zitiervorschlag: Zobrist, Luc; Binz, Tobias; Knöpfel, Corinne; Hofer Frei, Simone (2026). KMU brauchen Grossunternehmen – und umgekehrt. Die Volkswirtschaft, 29. Oktober.