Suche

Abo

Schriftgrösse
100%

Nadine Kessler, Geschäftsführende Direktorin Frauenfussball, Union Europäischer Fussballverbände (Uefa), Nyon, und ehemalige Weltfussballerin aus Deutschland

Nach dem Erfolg der Uefa-Frauen-Europameisterschaft 2022 in England ist die EM 2025 in der Schweiz weit mehr als nur ein Fussballturnier. Sie ist ein wichtiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Hebel, um den Frauenfussball weiterzuentwickeln. Zahlreiche Rekorde wurden bereits gebrochen – zum Beispiel bei den Preisgeldern –, und es wird erwartet, dass bis zum Endspiel am 27. Juli in Basel weitere aufgestellt werden.

Dieser Erfolg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis der Frauenfussball-Strategie «Unstoppable», mit der die Uefa Fussball bis 2030 zum beliebtesten Mannschaftssport bei Frauen und Mädchen machen und die Professionalisierung des Frauenfussballs beschleunigen will.

Mit einer Reichweite von über 190 Ländern und einem TV-Publikum von geschätzt 500 Millionen wird die EM 2025 voraussichtlich alle bisherigen Zuschauerrekorde brechen.

Die Uefa investiert deutlich mehr in Wettbewerbsorganisation, Teameinrichtungen und das Preisgeld. Letzteres beträgt rekordmässige 41 Millionen Euro und damit zweieinhalbmal so viel wie bei der letzten EM. 30 bis 40 Prozent dieses Betrags gehen direkt an die Spielerinnen. Auch die Klubs der Teilnehmerinnen erhalten mit insgesamt 9 Millionen doppelt so viel wie noch 2022.

 

Frauenfussball wird nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm sein.

 

Die Gesamteinnahmen werden sich gegenüber 2022 mehr als verdoppeln. Grund dafür ist vor allem der starke Anstieg beim Verkauf der Medien- und kommerziellen Rechte, der das wachsende Interesse von Sendepartnern und Sponsoren widerspiegelt.

Rekordverdächtig sind auch die über 600’000 Zuschauer, die in den Stadien erwartet werden, und die Rekordzahl an verkauften Tickets im Ausland. Damit dürfte die EM 2025 der Schweizer Wirtschaft eine Bruttowertschöpfung von 180 Millionen Franken bescheren und knapp 2000 Vollzeitstellen schaffen. Die acht Austragungsstädte profitieren direkt von dieser Dynamik.

Aber der wirtschaftliche Nutzen geht über das Turnier hinaus. Die Investitionen der Uefa, des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), des Bundes und der lokalen Behörden betragen 246 Millionen Euro. Sie wirken sich langfristig positiv auf Infrastruktur, Tourismus und Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort aus.

Zudem soll ein nationales Programm die in der Schweiz registrierten Spielerinnen bis November 2027 verdoppeln, 4800 Trainerinnen und 200 Schiedsrichterinnen ausbilden, die Geschlechterparität in Führungspositionen in Fussballklubs fördern und die Zuschauerzahlen in der höchsten Schweizer Frauenliga verdoppeln.

Mit 97 Initiativen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance ist die EM 2025 auch ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit. So können Ticketinhaber beispielsweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos von einem beliebigen Ort in der Schweiz an den Austragungsort und wieder zurück reisen.

Die Uefa Frauen-Europameisterschaft 2025 steht für das Versprechen, dass der Frauenfussball nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm sein wird. Sie ist eine grosse wirtschaftliche Chance, ein gesellschaftliches Projekt und ein Symbol des Fortschritts. Getreu dem Motto des Turniers «The Summit of Emotions» können wir neue Höhen erreichen. Denn zusammen mit Nationalverbänden, Vereinen, Spielerinnen, Fans, Partnern, Medien und Austragungsstädten sind wir unaufhaltsam!

Zitiervorschlag: Kessler, Nadine (2025). Eine Europameisterschaft der Rekorde. Die Volkswirtschaft, 15. Juli.