Patrick K. Magyar, ehemaliger CEO der Fifa Marketing AG, der Leichtathletik-EM 2014, von Weltklasse Zürich, der Swiss Skills 2018 und General Manager von Alinghi
Immer weniger internationale Sportanlässe finden in der Schweiz statt, auch, weil die öffentliche Hand, im Unterschied zu anderen Ländern, sie zu wenig und ohne erkennbare Strategie für den Breiten- und Jugendsport unterstützt.
Dabei ist Sport heute wichtiger denn je. In einer Gesellschaft mit hoher Zuwanderung fördert er die soziale Integration effektiv. Er schafft direkte Begegnung, baut Vorurteile ab und vermittelt Zugehörigkeit. Zugleich hat er gesundheitliche Vorteile: 15 Prozent der 6- bis 19-Jährigen in der Schweiz sind übergewichtig oder fettleibig – mit Folgekosten in Milliardenhöhe. Sport kann hier entlasten.
Doch im Vergleich mit anderen, ähnlich grossen Ländern fehlt der Schweiz eine klare Förderstrategie und erst recht eine gezielte Schulsportpolitik. In den Niederlanden beispielsweise werden staatliche Zuschüsse nur vergeben, wenn ein Event nachweislich gesellschaftlichen Nutzen bringt, etwa durch höhere Sportbeteiligung. Norwegen investiert Lotterieerträge gezielt in Veranstaltungen, die Jugendsport und Vereinsstrukturen stärken. Und Schweden und Dänemark fördern Events, die mit Schulsport, für alle zugängliche Trainings oder sozialen Programmen verknüpft sind. Diese Länder nutzen Sportveranstaltungen also bewusst als Hebel für die gesellschaftliche Entwicklung.
Es braucht klare Förderkriterien – und den Willen, den Breiten- und Jugendsport mitzudenken.
Die Leichtathletik-EM 2014 in Zürich zeigte, wie es gehen kann. Sie gab dem Leistungssport und dem Nachwuchs einen kräftigen Schub. Seither glänzen unsere Leichtathletinnen international, und über 150’000 Kinder nehmen jährlich am UBS Kids Cup teil, einem niederschwelligen Dreikampf, der Begeisterung weckt und den Einstieg in den Vereinssport erleichtert. Ohne solche Erlebnisse sinkt das Sportinteresse – mit Folgen für Gesundheit, Integration und sozialen Zusammenhalt.
Der falsche Weg sind hingegen Millionen- oder gar Milliardeninvestitionen in Mega-Events wie Olympische Winterspiele oder die Multisports European Championships 2030, für die sich die Schweiz als Austragungsort beworben hat. Das Projekt soll rund 200 Millionen Franken kosten, an denen sich die öffentliche Hand namhaft beteiligen soll. Doch bei solchen Anlässen stehen TV-Quoten und Funktionärsinteressen im Vordergrund. Für den Jugend- und Breitensport bleibt oft nur ein Imagefilm.
Was tun? Die Schweiz sollte gezielt ein bis zwei kleinere oder mittlere Europa- oder Weltmeisterschaften pro Jahr ausrichten, immer mit der Verpflichtung an die Organisatoren, Mitmachprogramme, kostenlose Schulbesuche und Rahmenaktivitäten zu gestalten. Neben genügend Mitteln braucht es im Rahmen des Service public auch die Unterstützung durch SRF, RTS und RSI. Zusätzliche Wirkung kann und soll die enge Zusammenarbeit mit bestehenden Events entfalten. Beispielsweise mit unseren Top-Skirennen, dem Engadin-Skimarathon, den Schwimmmeetings in Uster und Genf, den Leichtathletik-Meetings in Lausanne und Zürich, der Rotsee-Regatta, der Tour de Suisse und der Tour de Romandie oder den Tennisturnieren in Basel, Genf und Gstaad.
Der Schlüssel dazu: Es braucht klare Förderkriterien – und den Willen, den Breiten- und Jugendsport mitzudenken. Das wäre nicht nur eine Investition in den Sport, sondern in die Zukunft unserer Gesellschaft.
Zitiervorschlag: Magyar, Patrick K. (2025). Mehr Wirkung, weniger Show – für eine neue Sportpolitik. Die Volkswirtschaft, 15. Juli.