Heinz Habegger, Mitbegründer von Blue Summit Switzerland und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Water Excellence, Hilterfingen
Wasser ist eine der zentralen Ressourcen des 21. Jahrhunderts – auch für die Schweiz. Obwohl wir als «Wasserschloss Europas» gelten, steht unsere Wasserwirtschaft vor grossen Herausforderungen: Klimabedingte Extremereignisse nehmen zu, die Infrastruktur altert, und die Landwirtschaft muss sparsamer mit Wasser umgehen. Der Blue Summit Switzerland (BSS) fordert Politik und Wirtschaft auf, diese Aufgaben endlich entschlossen anzugehen.
Im Gegensatz zu anderen Fachveranstaltungen der Wasserbranche, die sich primär an ein Fachpublikum richten, bringt der BSS Forschende, Politikerinnen und Politiker sowie Personen aus der Wirtschaft zusammen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse frühzeitig in politische Entscheidungen einfliessen zu lassen. Denn noch immer fehlt es in der Politik häufig am nötigen Wissen, um Wasserfragen langfristig zu steuern. Der Dialog am BSS soll das ändern – und konkrete Lösungen auf die politische Agenda bringen.
Noch immer fehlt es in der Politik häufig am nötigen Wissen, um Wasserfragen langfristig zu steuern.
Nach zwei erfolgreichen Veranstaltungen in den Jahren 2021 und 2025 wurden insbesondere drei zentrale Forderungen von der Politik aufgenommen.
Erstens: Mit dem Klimawandel kommt es in der Schweiz vermehrt zu Starkregen und Trockenperioden. Städte und Gemeinden brauchen deshalb mehr Spielraum und Mittel, um sich darauf vorzubereiten. Multifunktionale Bauten, die grosse Regenmengen ableiten, auffangen und speichern können, müssen gezielt gefördert werden.
Zweitens: Tiefpegelstände in Flüssen und Bächen waren in den letzten Jahren keine Seltenheit. Um die Gewässer zu schützen, wurden Landwirte, die daraus ihr Wasser zur Bewässerung beziehen, vermehrt mit Wasserentnahmeverboten belegt. Für eine nachhaltige Lösung braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen für eine Wasserzirkulation in der Landwirtschaft. Die Nutzung von aufbereitetem Abwasser aus Abwasserreinigungsanlagen (ARA) darf kein Tabu bleiben. So könnte Wasser mehrfach zur Bewässerung genutzt werden – besonders in trockenen Regionen der Schweiz.
Drittens: Unser Konsum fördert den Wasserverbrauch nicht nur hier, sondern vor allem in anderen Ländern – etwa beim Anbau von Kaffee, Baumwolle oder Futtermitteln. Dieser sogenannte Wasserfussabdruck im Ausland bezeichnet die Wassermengen, die in anderen Staaten für unsere Importe eingesetzt werden. Die Schweiz muss in ihrer Entwicklungszusammenarbeit verbindliche «Best Practices» erarbeiten, um dortige Wasserressourcen zu schützen und den Wasserverbrauch zu reduzieren.
Der Blue Summit Switzerland zeigt: Wissen allein reicht nicht. Erst wenn Forschung, Politik und Wirtschaft gemeinsam handeln, kann die Schweiz ihre Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser wahrnehmen – im Inland und weltweit. Der nächste Blue Summit ist für Januar 2027 geplant. Bis dahin bleibt viel zu tun.
Zitiervorschlag: Habegger, Heinz (2025). Wasserpolitik mit Weitblick. Die Volkswirtschaft, 11. Dezember.