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Arbeitsmarkt: Das unterschätzte Potenzial von Frauen ab 50

Frauen ab 50 weisen bei der Arbeit die höchste Leistungsbereitschaft auf. Trotzdem bleibt ihr Potenzial oft ungenutzt. Eine neue Studie zeigt, was Unternehmen tun können.
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Mit flexiblen Arbeitsmodellen sind Frauen ab 50 eher bereit, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. So könnte der Fachkräftemangel entschärft werden, zum Beispiel im Gesundheitswesen. (Bild: Keystone)

Mit der demografischen Alterung verändert sich der Schweizer Arbeitsmarkt grundlegend. Die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer verschärft den strukturellen Fachkräftemangel in den kommenden fünf Jahren spürbar. Parallel dazu nimmt der Wunsch vieler Erwerbstätiger zu, ihr Arbeitspensum zu reduzieren, was den Druck auf den Arbeitsmarkt zusätzlich erhöht.[1]

Personen zwischen 50 und 64 Jahren machen in den kommenden Jahrzehnten etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter aus. Sie verfügen über umfangreiches Erfahrungs- und Branchenwissen, das oft betriebsspezifisch geprägt und kurzfristig kaum ersetzbar ist. Daher werden sie für den Arbeitsmarkt immer wichtiger.

Hohe Arbeitsmotivation und Loyalität

Eine aktuelle, repräsentative Studie von Swissstaffing und GFS-Zürich mit 1242 Befragten zeigt: Erwerbstätige ab 50 weisen die höchste Arbeitsmotivation aller Altersgruppen auf. 63 Prozent engagieren sich überdurchschnittlich, deutlich mehr als die 18- bis 29-Jährigen (45%) und die 30- bis 49-Jährigen (55%). Besonders ausgeprägt ist das Engagement von Frauen ab 50: 70 Prozent leisten bei der Arbeit mehr, als von ihnen erwartet wird. Das ist rund doppelt so viel wie bei den 18- bis 29-jährigen Männern (siehe Abbildung 1).

Neben der hohen Leistungsbereitschaft fällt auch die starke Loyalität dieser Gruppe auf. 71 Prozent der Frauen ab 50 wollen ihre Stelle nicht wechseln. Ein klarer Gegensatz zu jüngeren Erwerbstätigen, von denen mehr als die Hälfte bei Gelegenheit einen Stellenwechsel in Betracht zieht. Die Stabilität spiegelt sich auch in der Arbeitszufriedenheit wider: 80 Prozent der Frauen ab 50 sind mit ihrer Arbeit zufrieden – mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Abb. 1: Über zwei Drittel der Frauen ab 50 geben an, sich bei der Arbeit stärker zu engagieren, als von ihnen erwartet wird  (2025)

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Anmerkung: Die Basis bilden erwerbstätige Befragte (n=1072).
Quelle: Swissstaffing, GFS-Zürich | Grafik: Die Volkswirtschaft

Ungenutztes Potenzial

Mit über 345’000 Personen bilden Nichterwerbstätige im Alter von 50 bis 64 Jahren die grösste potenzielle Arbeitskräftereserve der Schweiz. Die Befragung zeigt, dass 58 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer dieser Altersgruppe grundsätzlich bereit wären, (wieder) eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Daher könnten rund 200’000 Personen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden – mit steigender Tendenz bis zum Jahr 2050 (siehe Abbildung 2). 62 Prozent von ihnen sind Frauen. Damit stellt jene Gruppe, die im Erwerbsleben die höchste Leistungsbereitschaft zeigt, zugleich das grösste ungenutzte Arbeitskräftepotenzial der Schweiz dar.

Abb. 2: Die Anzahl nicht erwerbstätige Personen zwischen 50 und 64 Jahren, die arbeiten möchten, steigt

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Anmerkung Berechnung: Anzahl Nichterwerbstätige zwischen 50 und 64 Jahren gemäss Sake 2024 multipliziert mit dem Anteil der Nichterwerbstätigen, die arbeiten möchten. Die Jahre 2025–2050 basieren auf einem Szenario.
Quelle: Swissstaffing, GFS-Zürich, Bundesamt für Statistik; Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (Sake) 2024 | Grafik: Die Volkswirtschaft

Flexibilität als Schlüssel

Flexible Arbeitsmodelle helfen, dieses Potenzial besser auszuschöpfen. Sie tragen dazu bei, den Wiedereinstieg zu erleichtern, Motivation zu erhalten und die Erwerbsbeteiligung zu verlängern. Für Frauen ab 50 sind insbesondere flexible Arbeitszeiten (82%) und Teilzeitmodelle (81%) entscheidend. Auch Homeoffice und Jobsharing spielen eine wichtige Rolle. Männer derselben Altersgruppe bevorzugen häufiger projektbasierte oder freiberufliche Tätigkeiten.

Bemerkenswert ist, dass rund die Hälfte der nicht erwerbstätigen Frauen ab 50 eine Erwerbstätigkeit aufnehmen würde, wenn sie Arbeitszeit oder Arbeitsvolumen flexibel gestalten könnte. Dies deutet darauf hin, dass nicht die mangelnde Arbeitsbereitschaft, sondern die fehlende Verfügbarkeit passender Arbeitsmodelle die Ursache für die Nichterwerbstätigkeit ist.

Die zentrale Herausforderung besteht darin, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören flexible Arbeitsmodelle, altersneutrale Rekrutierungsprozesse und eine stärkere Anerkennung nicht linearer Erwerbsbiografien. Damit lässt sich das Potenzial von Frauen ab 50 besser nutzen. Gelingt dies, kann ein wesentlicher Beitrag zur Entschärfung des Fachkräftemangels geleistet werden – bei gleichzeitiger Stärkung der inländischen Erwerbsbasis.

  1. Siehe Swissstaffing (2024). Mehr Arbeitskräfte dank Selbstbestimmung. Erwerbstätige wollen grössere Flexibilität. White Paper. []

Zitiervorschlag: Baer, Ariane M. (2026). Arbeitsmarkt: Das unterschätzte Potenzial von Frauen ab 50. Die Volkswirtschaft, 30. Juni.

Studiendesign: Befragung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter

Das Institut GFS-Zürich befragte im Auftrag von Swissstaffing 1242 Personen in der Schweiz im Alter von 18 bis 65 Jahren (bzw. nicht Pensionierte bis 70 Jahre). Die Umfrage wurde online und telefonisch durchgeführt. Sie ist repräsentativ hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bildung und Sprachregion. Die Befragung fand vom 15. September bis zum 8. Oktober 2025 statt.