Emmanuelle Danichert-Zanters, CEO Veolia Arc Alpin, Basel
Veolia ist seit 2000 in der Schweiz. Unser Unternehmen ist hier in den Bereichen Wasser-, Energie- und Abfallmanagement tätig und unterstützt seine Industriekunden bei ihren Nachhaltigkeitszielen. So haben wir kürzlich für einen Kunden aus der Pharmabranche ein Konzept entwickelt, um seinen Wasserkreislauf zu optimieren. Dazu wurde ein geschlossener Kühlkreislauf geschaffen, in dem das Wasser zirkuliert, bevor es in die natürliche Umgebung abgeleitet wird – 11 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Im Bereich Abfall entwickelt Veolia unter anderem lokale Lösungen für Bioabfälle, die direkt vor Ort wiederverwendbaren Kompost erzeugen.
Unsere historischen Wurzeln in der Schweiz liegen in Basel, einer strategisch wichtigen Region am Schnittpunkt der Wirtschaftsströme zwischen Frankreich und der Schweiz. Dort beschäftigen wir 70 Mitarbeitende. Kürzlich haben wir eine Unternehmenseinheit gegründet, die unsere Aktivitäten in Basel, im benachbarten Frankreich und im deutschen Baden-Württemberg bündelt. Ziel ist es, unserer Kundschaft noch mehr Fachkompetenz zur Verfügung zu stellen, auf lokale Bedürfnisse einzugehen und gleichzeitig vermehrt grenzüberschreitend zu denken. Die stabilen rechtlichen Rahmenbedingungen, die qualitativ hochwertige Infrastruktur und die Reaktionsfähigkeit der institutionellen Akteure sind grosse Stärken der Schweiz, die uns zugutekommen.
In der Schweiz zu arbeiten, bedeutet, sich auf ein stark strukturiertes Umfeld mit hohen Anforderungen bezüglich Qualität, Sicherheit und Kundennähe einzustellen. Die kantonale Vielfalt und die stark dezentralisierten Entscheidungsprozesse erfordern von Veolia eine hohe Flexibilität. Dies mindert unsere Innovationsfähigkeit nicht, im Gegenteil: Es zwingt uns, immer wieder massgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.
Die Weiterbildung der grenzüberschreitend tätigen Arbeitskräfte muss verstärkt werden, und es muss mehr für ihre Anpassung an die Besonderheiten des Schweizer Markts getan werden.
Das Fachkompetenzniveau in der Schweiz ist hoch, wir können auf sehr gut qualifizierte Arbeitskräfte zurückgreifen. Trotzdem ist es oft schwierig, Fachleute mit bestimmten technischen Profilen zu finden, insbesondere im Bereich Betrieb und Wartung, also beispielsweise Elektriker, Automatikerinnen und Mechaniker. Grenzgängerinnen und Grenzgänger spielen hier eine wichtige Rolle. Sie wohnen in der Nähe, sind mit der Kultur vertraut und bilden so eine wertvolle Brücke zwischen unseren beiden Ländern. Doch die Weiterbildung der grenzüberschreitend tätigen Arbeitskräfte muss verstärkt werden, und es muss mehr für ihre Anpassung an die Besonderheiten des Schweizer Markts getan werden.
Frankreich und die Schweiz haben unterschiedliche Ansätze, wenn es um Arbeit, Organisation und Entscheidungsfindung geht. In der Schweiz steht der Dialog mit allen Beteiligten im Vordergrund, insbesondere mit Kunden, kantonalen Behörden und Arbeitnehmervertretungen. Entscheidungen werden dezentral getroffen und Probleme pragmatisch gelöst. Diese Kultur passt perfekt zu unserem Anspruch, gemeinsam mit unseren Industriekunden massgeschneiderte Lösungen zu entwickeln – etwa im Rahmen eines Prozesses zur Dekarbonisierung ihrer Produktionsstätten. Manchmal bedeutet das, einen Gang zurückzuschalten, um besser voranzukommen.
Als französisches Unternehmen mit Sitz in der Schweiz verbinden wir operative Exzellenz mit lokaler Anpassung. Diese grenzüberschreitende Partnerschaft ist anspruchsvoll und bereichernd. Sie spornt uns an, uns ständig neu zu erfinden, um den ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden.
Zitiervorschlag: Danichert-Zanters, Emmanuelle (2025). Die Schweiz: Ein anspruchsvoller und inspirierender Markt. Die Volkswirtschaft, 13. Mai.