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Österreich als Drehscheibe im Handel mit Osteuropa

Die enge Verflechtung mit Osteuropa macht Österreich zu einer wichtigen Drehscheibe des europäischen Handels. Davon profitiert auch die Schweiz.
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Die Blaue Banane: Ein dicht besiedeltes und wirtschaftlich aktives Gebiet, das sich bananenförmig von Nordengland bis nach Norditalien zieht. (Bild: Keystone)

Die Schweiz und Österreich verbindet mehr als die Flaggenfarben und die Alpen. Auch was den internationalen Handel angeht, gibt es Ähnlichkeiten: Beide Länder sind kleine offene Volkswirtschaften. Das zeigt sich auf der einen Seite an einem hohen Anteil der Waren- und Dienstleistungsexporte gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP). 2024 betrug die sogenannte Exportquote in der Schweiz 72,5 Prozent, in Österreich 52 Prozent.

Auf der anderen Seite zeigt sich die Offenheit aber auch an einem hohen Anteil importierter Vorleistungen zur Produktion von Gütern und Exportprodukten. Ein typisches Beispiel für die Schweiz sind etwa Kakaoimporte zur Herstellung von Schokolade, in Österreich sind es beispielsweise technische Vorprodukte in der Automobilproduktion oder elektronische Bauteile in der Elektronikindustrie.

Welche inländische Wertschöpfung steckt in Exporten?

Möchte man nun wissen, wie wichtig ein Exportland ist, ist die Exportquote allerdings irreführend. Denn sie stellt den Wert der Exporte der inländischen Wertschöpfung gegenüber, die das BIP misst. In den exportierten Gütern und Dienstleistungen steckt jedoch nicht nur inländische Wertschöpfung, sondern eben auch ausländische Wertschöpfung in Form von importierten Vorleistungen. Aussagekräftiger als die Exportquote ist daher der «Wertschöpfungsgehalt» der Exporte.

Gemäss dieser Kennzahl werden in der Schweiz fast 50 Prozent des BIP im Ausland erwirtschaftet, nicht 72,5 Prozent, wie es die Exportquote suggeriert. In Österreich sind es rund 30 Prozent anstatt der 52 Prozent (siehe Abbildung 1). [1]

Dennoch: Mit diesem Wertschöpfungsanteil der Exporte liegt die Schweiz weit vor ihren Nachbarländern. Zum Vergleich: Frankreich und Italien erwirtschaften etwa 22 Prozent des BIP mit Exporten, Deutschland etwa 27 Prozent. Die Schweiz positioniert sich damit aber auch vor den osteuropäischen Nachbarländern Österreichs: In Slowenien sind es 39 Prozent, in der Slowakei 38 Prozent, in Ungarn 37 Prozent und in Tschechien 35 Prozent. Österreich ist beim Wertschöpfungsanteil der Exporte immerhin vor seinen Nachbarn Italien und Deutschland.

Unter den Nachbarstaaten Österreichs ist die Schweiz drittgrösster Handelspartner

Österreich und auch die Schweiz sind beim Handel stark in europäische Wertschöpfungsketten integriert. Im Falle Österreichs wird oft die Verflechtung mit den osteuropäischen Nachbarländern betont. Gemessen an den Wertschöpfungsexporten rangiert die Schweiz jedoch vor diesen osteuropäischen Ländern.

Insgesamt ist die Schweiz der drittwichtigste Handelspartner unter den österreichischen Nachbarländern – nach Deutschland und Italien. 5,4 Prozent der österreichischen Exporte gehen in die Schweiz. Zum Vergleich: Kumuliert gehen 8,7 Prozent der österreichischen Exporte in die vier osteuropäischen Nachbarn Österreichs: Ungarn (3,7%), Tschechien (2,4%), Slowakei (1,5%) und Slowenien (1,1%). Auch beim Exportanteil ist die Schweiz für Österreich also bedeutend.

Abb. 1: Wertschöpfungsanteil der Exporte je Land (2023)

INTERAKTIVE GRAFIK
Anmerkung: Alle Nachbarstaaten Österreichs sind fett markiert (für Liechtenstein sind dazu keine Daten verfügbar).
Lesebeispiel: Die Schweiz erwirtschaftet mit seinen Exporten knapp die Hälfte des BIP. In Österreich beträgt dieser Anteil 30 Prozent.
Quelle: Eurostat/Figaro, eigene Berechnungen des Autors | Grafik: Die Volkswirtschaft

Umgekehrt machen Schweizer Güter und Dienstleistungen an den Gesamteinfuhren Österreichs 5,9 Prozent aus. Die Schweiz kommt nach Deutschland und Italien an dritter Stelle. Die vier osteuropäischen Nachbarn Österreichs kommen kumuliert auf einen Anteil von 9,4 Prozent.

Wie wichtig die Schweiz als Handelspartner für Österreich ist, zeigt sich auch aus einer detaillierten Firmenanalyse. Insgesamt exportieren nämlich mehr als 11’000 österreichische Firmen des verarbeitenden Gewerbes in die Schweiz. Das sind deutlich mehr als die 7000 Unternehmen, die in den grossen Nachbarn Deutschland exportieren.[2] Anders sieht es allerdings bei den Importen nach Österreich aus: Hier importieren rund 11’300 Firmen aus Deutschland, während es nur 10’500 sind, die aus der Schweiz importieren.

Gegenseitige Export-Booster

Unsere Kurzanalyse zeigt auch: Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Österreich sind intensiv, mit tiefer gegenseitiger Einbindung in globale Wertschöpfungsketten. Da beide Länder stark exportorientiert sind, sind die beiden Märkte füreinander wichtiger, als man aufgrund ihrer kleinen Staats- und Bevölkerungsgrösse erwarten würde. Die Schweiz ist, gemessen am Wertschöpfungsanteil ihrer Exporte, für Österreich der «globalste» Nachbarstaat.

Insgesamt steckten im Jahr 2023 3,4 Milliarden Euro österreichische Wertschöpfung in den österreichischen Waren- und Dienstleistungsexporten in die Schweiz.

Und auch umgekehrt stecken 3,8 Milliarden Euro Schweizer Wertschöpfung in österreichischen Exporten und damit (teilweise) auch in osteuropäischen Märkten. Denn etwa ein Zehntel der Exporte gehen von Österreich in die osteuropäischen Nachbarländer.

Link zwischen Europäischer Werkbank und Blauer Banane

Doch die Bedeutung der beiden Länder geht darüber hinaus. Denn die Schweiz und Österreich stellen durch ihren gegenseitigen Handel eine wichtige Verbindung her zwischen zwei europäischen Zonen: der sogenannten Blauen Banane, zu der die Schweiz gehört, und dem European Manufacturing Core, zu dem Österreich gezählt wird (siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Schweiz und Österreich: Verbindungsglied zweier Wirtschaftsräume

Grafik: Die Volkswirtschaft

Die Blaue Banane beschreibt ein dicht besiedeltes und wirtschaftlich aktives europäisches Zentrum, das sich bananenförmig von Nordengland über die Benelux-Staaten bis nach Norditalien zieht. Der European Manufacturing Core bezeichnet ein daran angrenzendes Gebiet, bestehend aus Deutschland, Österreich und den vier osteuropäischen Visegrad-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und Slowakei. Dieses Gebiet steht für einen hohen Anteil an industrieller Wertschöpfung.

Durch die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und der Schweiz verbinden sich diese beiden Zonen. Das macht die beiden Länder zu einem wichtigen Faktor für die Resilienz europäischer Lieferketten und der europäischen Industrie.

  1. Berechnungen basierend auf den Figaro-Daten von Eurostat. []
  2. Stehrer, R. (2026). Struktur und Dynamik von Firmen und Produkten im österreichischen Aussenhandel, wiiw Research Report in German language, No. 34. []

Zitiervorschlag: Stehrer, Robert (2026). Österreich als Drehscheibe im Handel mit Osteuropa. Die Volkswirtschaft, 14. April.