Alle Daten an einem Ort: Basel-Stadt wird digitaler
Basel-Stadt setzt auf das Once-Only-Prinzip: Bürgerinnen und Bürger müssen persönliche Daten gegenüber Behörden künftig nur noch einmal angeben. (Bild: Keystone)
Der Alltag ist digital: Immer mehr Menschen erledigen Bankgeschäfte und Einkäufe online. So sind auch die Erwartungen an digitale Behördendienste gestiegen. Darauf reagiert der Kanton Basel-Stadt im Jahr 2022 mit einer umfassenden Digitalstrategie. Digitalisierung ist mehr als die papierlose Variante. Es geht darum, Daten, Erfahrungen, Kompetenzen und Potenziale zu vernetzen und verstärkt behördenübergreifend zusammenzuarbeiten.
Parallel zur Digitalstrategie wurde die Datenstrategie erarbeitet. Denn der Umgang mit Daten ist entscheidend für eine erfolgreiche Digitalisierung. Daten sollen datenschutzkonform und von Verwaltungseinheiten gemeinsam nutzbar sein und damit die Grundlage für zukunftsfähige, datengestützte Verwaltungslösungen schaffen. Umgesetzt wird die kantonale Datenstrategie über das Programm data.bs. Es bündelt die Massnahmen zur Umsetzung der kantonalen Datenstrategie und setzt Prioritäten für datenbezogene Projekte.
Der Kanton Basel-Stadt verfolgt das Ziel Once-Only. Egal ob Einwohnerinnen und Einwohner einen Umzug melden, ein Kind bei der Schule anmelden oder Unternehmen eine Bewilligung beantragen – künftig sollen alle ihre Daten nur noch einmal erfassen müssen (siehe Abbildung). Die Verwaltung nutzt die Daten anschliessend dort, wo sie dazu berechtigt ist. Wenn also das Kind später bei der Tagesbetreuung angemeldet wird, müssen die Eltern Angaben wie Name, Adresse, Geburtsdatum nicht erneut erfassen. Das bedeutet weniger Formulare, weniger Doppelspurigkeiten und weniger Aufwand für Bevölkerung, Wirtschaft und Verwaltung.
Beim Once-Only-Prinzip müssen Einwohnerinnen und Einwohner ihre Daten nur noch einmal erfassen
Viele Projekte, ein Ziel
Es gibt derzeit viele Projekte, die am Ziel Once-Only arbeiten. Ein erster wichtiger Schritt ist die Einführung des kantonalen Datenkatalogs Ende Januar 2026. Darin werden alle Datenbestände im Kanton mit ihren Metadaten erfasst: Welche Daten existieren? In welchem System? Mit welchen Zugriffsrechten? Der Datenkatalog schafft damit eine transparente Übersicht über vorhandene Daten. So erhält jede Dienststelle im Kanton Klarheit, welche Daten vorhanden sind und wie sie rechtssicher genutzt werden dürfen. Dadurch können doppelte Erhebungen und Dateninkonsistenzen vermieden werden.
In Zukunft soll der Datenkatalog auch mit der nationalen Interoperabilitätsplattform I14Y verbunden werden. Das ist ein nationales E-Government-Programm, das die Interoperabilität und den standardisierten Datenaustausch zwischen Verwaltungsbehörden in der Schweiz fördert. So werden kantonale Datenbestände auch auf föderaler Ebene auffindbar. Damit digitale Verwaltung und Once-Only nicht nur technisch machbar, sondern auch institutionell verankert werden, hat Basel-Stadt zudem die Einführung einer kantonalen Data-Governance beschlossen. Sie legt fest, wer im Kanton für Daten welche Verantwortung trägt, welche Gremien Entscheidungen treffen und nach welchen Grundsätzen Daten bewirtschaftet werden.
Daten automatisch teilen
Neben dem Datenkatalog tragen insbesondere der Kantonale Datenmarkt (KDM) als zentrale Datendrehscheibe sowie das E-Portal zur praktischen Umsetzung von Once-Only bei: Sobald die Daten erfasst sind, können sie über den Kantonalen Datenmarkt automatisiert an relevante Stellen im Kanton verteilt werden. Wer zum Beispiel auf der E-Umzugs-Plattform eine neue Adresse meldet, stösst automatisch die Aktualisierung im Einwohneramt an. Von dort sollen die Daten über den Datenmarkt kantonsweit verteilt werden – etwa damit die nächste Steuererklärung ohne weiteres Zutun rechtzeitig zugestellt wird.
Das E-Portal ist der digitale Zugang zu kantonalen Dienstleistungen und übernimmt über das Log-in des Authentisierungsdiensts für staatliche Onlineverfahren (Agov) hinterlegte Basisdaten direkt in zahlreiche Formulare und Prozesse. So müssen diese nicht immer wieder neu eingegeben werden. Das erleichtert viele Behördenprozesse.
Neu entwickelt Basel-Stadt auch eine mobile App, die mit wenigen Klicks schnellen Zugang zu Behördendiensten bietet und die nötigen Daten dafür direkt aus den zuständigen Stellen bezieht, um etwa Wohnsitzbestätigungen automatisch zu generieren. Sie befindet sich in der Proof-of-Concept-Phase und wird mit Agov sowie künftig mit der Schweizer E-ID nutzbar sein.
Dank klarer Strategie, starker Datenbasis und mutiger Umsetzung macht Basel-Stadt vor, wie Once-Only Wirklichkeit werden kann. Das langfristige Ziel ist eine Verwaltung, die Daten als strategische Ressource versteht und sie effizient, sicher und konsequent nutzerorientiert einsetzt.
Zitiervorschlag: Kolbe-Guyot, Melanie (2026). Alle Daten an einem Ort: Basel-Stadt wird digitaler. Die Volkswirtschaft, 20. Januar.
