Die Volkswirtschaft

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Der Standort Schweiz – insbesondere «La Genève Internationale» – beherbergt eine grosse Anzahl von internationalen Organisationen. Zudem ist unser Land in über 100 dieser Institutionen als Mitglied vertreten. In seinem aussenpolitischen Bericht aus dem Jahre 2000 betrachtete der Bundesrat die internationalen Organisationen als Instrumente der multilateralen Interessenwahrung der Schweiz. Zu seiner Strategie gehört auch die Förderung der schweizerischen Präsenz in den Organen dieser Gremien. Seit dem UNO-Beitritt im Jahre 2002 konnte die Schweiz ihre Präsenz in den internationalen Organisationen sukzessive ausbauen.

Intensivierung der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit

Die Schweiz verfolgt ihre in der Bundesverfassung verankerten aussenpolitischen Ziele im Rahmen bilateraler und multilateraler Beziehungen sowie durch ihre Mitgliedschaft bei internationalen Organisationen. Ihre Schwerpunkte setzt sie dabei auf die Bereiche «Friedens- und Demokratieförderung», «Achtung der Menschenrechte», «Interessenwahrung der Schweizer Wirtschaft im Ausland», «Linderung von Not und Armut in der Welt» sowie auf die «Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen». Zum schweizerischen Engagement gehören die Teilnahme in den politischen Organen der internationalen Organisationen, die Beitragszahlungen sowie die Präsenz von schweizerischen Vertretern in den Leitorganen und von Schweizer Personal in den Sekretariaten bzw. Vollzugsorganen.  Durch die zunehmende Globalisierung von aussenpolitischen Problemen haben sich die multilateralen Beziehungen der Schweiz seit 1950 stark entwickelt und eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Staaten bewirkt. Die internationalen Organisationen nehmen dabei eine wichtige Funktion bei der Umsetzung des Völkerrechts ein und tragen dank ihrer bedeutenden finanziellen Mittel und ihrer inhaltlichen Richtungen massgeblich zur Lösung globaler Probleme bei.

Schweizer Mitgliedschaften in internationalen Organisationen

Weltweit sind rund 300 zwischenstaatliche Organisationen zu verzeichnen. Als Mitglied ist die Schweiz in rund 100 solcher Gremien vertreten. Ein Drittel dieser Organisationen gehört dem UNO-System an. Der Schwerpunkt der Schweizer Mitgliedschaften liegt im Wirtschafts- und Finanzbereich. Vor dem Beitritt der Schweiz in die Vereinten Nationen (UNO) im Jahre 2002 war sie als Mitglied in den Institutionen von Bretton Woods – im Internationalen Währungsfonds (IMF) sowie in der Weltbank (WB) – vertreten und spielte auch eine wichtige Rolle bei der Welthandelsorganisation (WTO). Die Schweiz ist zudem vielen internationalen Organisationen im Bereiche der Wissenschaft beigetreten, so etwa der Europäischen Weltraumagentur (ESA) oder dem Europäischen Laboratorium für Teilchenphysik (Cern). Im Weiteren zeichnet sich die Schweiz auch durch ihre Mitgliedschaft in Organisationen im Bereiche der Sicherheit aus, wie namentlich in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Durch die Mitgliedschaft in diesen Institutionen wird das internationale Engagement der Schweiz wahrgenommen, welches nicht zuletzt zur Erreichung ihrer aussenpolitischen Ziele beiträgt. Das wichtige Ereignis in diesem Zusammenhang ist sicherlich der Schweizer Beitritt zur UNO vom 3. März 2002. Als einzige universelle Organisation umfasst die UNO alle 192 Staaten der Welt. Ihre Zielsetzungen stimmen mit den aussenpolitischen Aufgaben der Schweiz überein, sodass die UNO ein ideales Forum für die Erreichung der aussenpolitischen Ziele der Schweiz darstellt. Als Mitglied kann sich die Schweiz bei der UNO sowohl als Wählerin beteiligen als auch selber Kandidaturen für Führungsorgane oder hochrangige Positionen in der Organisation einreichen.

Entwicklung des Personalbestandes

Die Verstärkung der multilateralen Interessenwahrung bedingt sowohl ein stärkeres Engagement der Schweiz in den Leitungsorganen als auch eine erhöhte Präsenz von Schweizer Personal in den Vollzugsorganen bzw. Sekretariaten der internationalen Organisationen. Als internationale Bedienstete in den Regierungsorganisationen können Schweizerinnen und Schweizer eine gute Arbeitsstelle finden und dadurch schweizerische Überzeugungen und Werte in die internationalen Organisationen einbringen. Im Gegenzug kann die Schweiz von deren Know-how profitieren. Bei einer allfälligen Rückkehr zu einem Arbeitgeber in die Schweiz – sei es in die Privatwirtschaft oder in die öffentliche Verwaltung – können die gesammelten Erfahrungen wertvoll eingesetzt werden. Die Schweiz hat somit ein grosses Interesse an einer guten personellen Vertretung in den internationalen Organisationen allgemein und der UNO im Speziellen.

Im Jahr 2005 waren in den rund 100 zwischenstaatlichen Organisationen, welchen die Schweiz als Mitglied beigetreten ist, insgesamt rund 112000 Personen beschäftigt (siehe Tabelle 1). Dem akademisch ausgebildeten Personal – dem so genannten «Höheren Dienst» – gehörten rund 41000 Personen an. Insgesamt arbeiteten 1124 Schweizerinnen und Schweizer in internationalen Organisationen. 754 Angestellte schweizerischer Herkunft brachten eine akademische Ausbildung mit, von denen knapp die Hälfte (311 Personen) im Wissenschaftssektor tätig war. Eine konzentrierte Vertretung von Schweizer Personal ist beim Cern anzutreffen: 260 Schweizerinnen und Schweizer mit einem Universitätsdiplom waren 2005 dort angestellt. Rund 650 Personen arbeitete in der Schweiz und in den europäischen Nachbarländern. Ein Vergleich mit der personellen Situation im Jahre 2002 zeigt, dass der Anteil des akademischen Personals in dieser Zeit einen relativ grossen Anstieg von 1,3% auf 1,8% erfuhr.  Die UNO und die dem UNO-System angehörenden Organisationen beschäftigten im Jahre 2002 insgesamt 66064 Personen und 2005 82201 Personen. Der schweizerische Anteil am akademisch ausgebildeten Personal betrug 0,6% im Jahre 2002 und 1,2% im Jahre 2005. Daraus wird ersichtlich, dass die Schweiz seit ihrem Beitritt zur UNO die personelle Vertretung in den UNO-Institutionen substanziell zu erhöhen vermochte. Der UNO-Beitritt führte zu einer Zunahme des Schweizer Personals im UN-Sekretariat, das im Beitrittsjahr 2002 insgesamt 171 Schweizerinnen und Schweizer (rund 1%) beschäftigte. Drei Jahre später erhöhte sich der Personalbestand auf 186 Schweizerinnen und Schweizer, was 1,1% des Gesamtpersonals entspricht. Proportionale Untervertretung der Schweiz in der UNO…

Mit der Quote der so genannten «geografischen Verteilung» stellt das UNO-Sekretariat die Proportionalität der Vertretungen der verschiedenen Staaten fest. Diese Anspruchsquote, der total 2634 Stellen unterstehen, wurde von der UNO für die Schweiz anlässlich ihres Beitritts auf 0,96% festgesetzt. Für die Schweiz ergibt sich daraus ein Anspruch von minimal 21 bis maximal 30 Stellen der geografischen Verteilung. Diese Quote wurde im Jahre 2006 nicht erreicht, konnten doch lediglich 18 Stellen durch Schweizerinnen und Schweizer besetzt werden. Im Vergleich mit dem Schweizer Personalbestand von 11 Personen im Jahre 2002 bei der UNO ist dennoch ein markanter Anstieg zu verzeichnen. Um der Untervertretung bezüglich der geografischen Verteilung entgegenzuwirken, wurde der Schweiz seit dem UNO-Beitritt die Möglichkeit eingeräumt, am Nachwuchswettbewerb des UN-Sekretariates – dem National Competitive Recruitment Exam (NCRE) – teilzunehmen. Dank diesem Wettbewerb konnten in den letzten vier Jahren 40 Schweizer Nachwuchskräfte rekrutiert werden, 2003: 9; 2004: 4; 2005: 17; 2006: 10. die in die UNO-Liste, den so genannten «Roster», aufgenommen wurden. In der Zwischenzeit hat die UNO einige dieser Bewerber angestellt. Weil derzeit noch über 30 Schweizerinnen und Schweizer in der erwähnten Liste auf eine Stelle bei der UNO warten, ist der Schweiz die Teilnahme am NCRE 2008 verwehrt. Eine gewisse Untervertretung der Schweiz ist auch im Vergleich der personellen Vertretung der Schweiz mit den konkreten Beitragszahlen der Schweiz, feststellbar: Im Jahre 2005 betrugen die Schweizer Beitragszahlungen an die UNO 24328177 US-$, was zu einer Personalvertretung von 1,2% berechtigen würde. Der reelle Schweizer Anteil der Beschäftigten bei der UNO liegt momentan aber nur gerade bei 0,9%.

…und in den anderen internationalen Organisationen

Der Trend der Untervertretung der Schweiz ist auch in den Exekutivorganen verschiedener internationaler Gremien feststellbar. Im Jahre 2002 hat die Schweiz Beiträge von insgesamt rund 1,13 Mrd. Franken an die internationalen Organisationen geleistet und ist dadurch international die zwölftgrösste Beitragszahlerin überhaupt. Bei der ESA stünden der Schweiz aufgrund der Beitragszahlungen von 125 Mio. Fr. im Jahre 2002 70 Stellen zu, wovon jedoch lediglich 28 durch Schweizerinnen und Schweizer besetzt werden. Beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) ist die Schweiz die siebtgrösste Beitragszahlerin; bezüglich der personellen Präsenz liegt sie hingegen lediglich auf dem 34. Rang. Auch bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hatte die Schweiz in den letzten fünf Jahren generell eine Untervertretung des Anteils an Schweizer Personal zu verzeichnen. Speziell beim «Staff to Capital Share» ist die Situation mit einem Anteil von lediglich 0,4% als besonders alarmierend zu bezeichnen. Schliesslich ist auch bei der Efta im Jahre 2005 eine zahlenmässig unterproportionale Vertretung ersichtlich; der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer beim oberen und mittleren Kader ist – verglichen mit anderen Staaten – jedoch hoch. Die Schweiz betreibt weiterhin eine aktive Personalpolitik, um eine Stärkung ihrer Präsenz zu bewirken.

Präsenzförderung der Schweiz

Die Hauptgründe für die relative Untervertretung der Schweiz liegen in der ständig wachsenden Konkurrenz auf dem Gebiete der Globalisierung der Kommunikationsmittel, in einer ständig wachsenden Anzahl von Mitgliedstaaten in den internationalen Organisationen sowie in der höheren Qualität der Ausbildungen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zudem steht einem zunehmend strengeren Auswahlverfahren ein reduziertes Stellenangebot gegenüber.  Der Bundesrat hat eine Strategie entwickelt, welche die Förderung der Präsenz der Schweiz in den internationalen Organisationen zum Ziel hat. Ein wichtiger Aspekt bildet dabei die Unterstützung von Schweizer Staatsangehörigen, die sich für eine Stelle in einer multilateralen Organisation bewerben. Eine solche Unterstützung erfolgt über die Sektion «Präsenz der Schweiz bei den internationalen Organisationen» der Politischen Direktion des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und über das Vertretungsnetz der Schweiz im Ausland. Zudem sensibilisieren Informationskampagnen an den Schweizer Universitäten Studierende frühzeitig auf Anforderungen und Einstiegsmöglichkeiten in internationalen Organisationen. Ein strategisch wichtiges und effizientes Instrument zur Präsenzförderung bilden die Nachwuchsprogramme, die so genannten «Junior Professional Officer» (JPO), welche von der Schweiz mitfinanziert werden. Informationen zur Schweizer Präsenzförderung sind unter www.eda.admin.ch/iojobs abrufbar.

Fazit

Trotz der feststellbaren Schweizer Untervertretung kann bei der Präsenz der Schweiz in den internationalen Organisationen von einem Erfolg gesprochen werden: Der UNO-Beitritt im Jahre 2002 hat in einem grossen Ausmass dazu beigetragen, dass die Schweiz ihre Präsenz im UN-Sekretariat ausbauen konnte. Zudem ist es gelungen, die zahlreichen pensionierungsbedingten Abgänge von Schweizerinnen und Schweizern in den letzten Jahren durch Neuanstellungen zu kompensieren und so die Schweizer Präsenz in den internationalen Organisationen auf einem annehmbaren Niveau zu stabilisieren.

Tabelle 1 «Personalbestand und Anteil Schweizerinnen und Schweizer in internationalen Organisationen mit Schweizer Mitgliedschaft»

Leiter Sektion Präsenz der Schweiz in internationalen Organisationen, Politische Abteilung III, Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Bern

Leiter Sektion Präsenz der Schweiz in internationalen Organisationen, Politische Abteilung III, Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Bern