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8 Mrd. (kumulierte) Fernsehzuschauer, bis zu 6 Mio. Gäste und 1 Mio. Fans in den Stadien – die UEFA EURO 2008(TM) wird Massen bewegen. Die Fussball-Europameisterschaft ist weit mehr als ein reiner Sportanlass und erreicht auch Menschen, die sich sonst kaum für Fussball interessieren. Gemäss einer Studie ist zu erwarten, dass rund 6300 neue Vollzeitjobs (auf ein Jahr gerechnet) und 540000 zusätzliche Hotel-Übernachtungen generiert werden. Der erste mediale Grossevent wird die Gruppenauslosung sein, die am 2. Dezember 2007 in Luzern stattfindet.

Sieben Monate vor Anpfiff der Euro 2008 am 7. Juni 2008 in Basel weisen in den Austragungsstädten ein paar Dutzend blauer Fahnen auf das bevorstehende Grossereignis hin. Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm – aber nicht mehr lange. Für den 2. Dezember, wenn im Kultur- und Konferenzzentrum Luzern die Auslosung über die Bühne geht, werden 1000 Journalisten vor Ort erwartet; mehr als100 Mio. Zuschauerinnen und Zuschauer werden das 45-minütige Prozedere am Fernsehen mitverfolgen. Die Schweizer Fussball-Fans werden an diesem Sonntag, kurz vor 13 Uhr, heiss ersehnte Antworten bekommen: Welche drei Teams werden in die Gruppe A mit der Schweizer Nationalmannschaft gelost? Welche Nationen werden in den Austragungsstädten Basel, Bern, Genf und Zürich spielen? Nach der Auslosung wird auch der Schweizerische Fussballverband mit dem Verkauf seiner Quoten-Tickets beginnen.

Längst mehr als ein reines Fussballturnier

Die Euro 2008 ist längst mehr als ein Fussballturnier, an dem 16 Nationalteams 23 Tage lang um den Titel kämpfen. Die 31 Spiele bleiben natürlich oberste Priorität – aber die Begleitgeräusche nehmen von Turnier zu Turnier zu. Längst interessieren sich auch Personen, die während des Jahres mit Fussball nicht viel zu tun haben, für ein Grossereignis dieser Art. Die öffentlichen Übertragungen auf Grossbild-Leinwänden liegen im Trend. Mehr als 18 Mio. Personen – darunter bemerkenswert viele Frauen und Jugendliche – haben 2006 in Deutschland die Spiele in den so genannten offiziellen Fan-Zonen mitverfolgt und konnten so auch ohne Match-Ticket am WM-Feeling teilhaben. Man kann davon ausgehen – ein bisschen Wetterglück vorausgesetzt -, dass auch hierzulande drei Wochen lang Feststimmung herrscht, selbst wenn die Besucherzahlen aus Platzgründen und aufgrund der geringeren Bevölkerungszahl der beiden Gastgeber-Länder nicht an jene in Deutschland heranreichen werden.

Vielseitige Verwendung der Erträge

Für die Uefa ist die Fussball-Europameisterschaft zum einen eine Prestigeangelegenheit, zum anderen die wichtigste Einnahmequelle. Die Zahlen aus Portugal sprechen für sich: Die Gesamteinnahmen betrugen 1,3 Mrd. Franken. Nicht weniger als 200 Mio. Franken gingen in Form von Prämien direkt an die 16 teilnehmenden Teams. 490 Mio. Franken wurden an die 53 Mitgliedsverbände ausgeschüttet, teils in Form von Fixzahlungen, teils als Projektförderung. 263 Mio. Franken wurden für die Euro 2004 selbst eingesetzt; 271 Mio. decken den administrativen Betrieb bis 2008, inklusive Nachwuchs- und Frauenbewerbe. 86 Mio. Franken wurden als Nettoergebnis ausgewiesen. Speziell für die kleineren europäischen Fussballverbände sind diese Solidaritätszahlungen und Projektförderungen (lebens-)notwendig. In Litauen wurde ein Nachwuchs-Trainingszentrum finanziert, in Weissrussland ein Kunstrasenplatz samt Heizung und neuer Anzeigetafel, in Andorra sechs Kleinspielfelder für Kinder und Jugendliche und in Slowenien eine Flutlichtanlage für den FC Celje. In der Schweiz unterstützt die Uefa zwei Nachwuchsprojekte in Huttwil und Emmen, wo 40 Nachwuchstalente im Alter zwischen 14 und 16 Jahren schulische und sportliche Ausbildung erfahren.

Welcher Umsatz und Gesamtnutzen ist zu erwarten?

Der Umsatz einer Fussball-Europameisterschaft lässt sich in vier Einnahmenbereiche aufschlüsseln:  – Fernsehübertragungsrechte; – Kommerzielle Rechte (Sponsoreinnahmen und Lizenzprodukte); – Eintrittskartenverkauf; – Corporate Hospitality (Sitzplätze der ersten Kategorie, verbunden mit Gastronomie, persönlicher Betreuung und einem Extra-Unterhaltungsangebot).   Für 2008 erwartet die Uefa einen Einnahmenanstieg von etwa 45% (geschätzter Gesamtumsatz: 2 Mrd. Fr.). Das ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Medienrechte für die kommende Endrunde erstmals von der Uefa selbst vermarktet werden. Der Gesamtnutzen für die Schweiz lässt sich noch nicht konkret voraussagen: Eine Studie von Rütter+Partner prognostiziert Umsätze in der Höhe von 1,3 Mrd. und eine Bruttowertschöpfung von rund 700 Mio. Franken. Es wird erwartet, dass die Europameisterschaft rund 6300 neue Vollzeitjobs (auf ein Jahr gerechnet) und 540000 zusätzliche Hotel-Übernachtungen generiert. Allein 140000 davon hat die Uefa für den Eigenbedarf reserviert – sprich für teilnehmende Teams, Schiedsrichter, Funktionäre, Mitarbeitende, Medien und Sponsoren. Der Grossteil dieser Zielgruppen wird nächsten Juni mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Schweiz und Österreich reisen. Die Akkreditierung (Zutrittsberechtigung) für das Turnier gilt zugleich als Generalabonnement für das gesamte öffentliche Streckennetz. Nicht nur alle akkreditierten Personen, auch die Fans werden während des Turniers gratis reisen können: Die Euro-Eintrittskarte berechtigt 36 Stunden lang zur Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Der Uefa ist dieses Bekenntnis zum Umweltschutz nicht weniger als 8 Mio. Franken wert.

Vorbereitungen laufen nach Plan

Was die Vorbereitungsarbeiten betrifft, läuft alles nach Plan. Anfang Mai 2008 übernimmt die Uefa die acht Euro-Stadien, wird mit den letzten Tätigkeiten vor Ort begonnen. Bleiben knapp fünf Wochen, ehe am 7. Juni, punkt 18 Uhr, im Basler St.-Jakob-Park das Eröffnungsspiel der Fussball-Europameisterschaft angepfiffen wird. Spätestens dann wird die Euphoriewelle auch die Schweiz erfasst haben.

Kasten 1: Zur Person
Die Karriere von Martin Kallen bei der Uefa begann 1994. Zunächst war er als Leiter für Corporate Identity und Event Manager in der Marketingabteilung tätig. Nach seiner Beförderung zum Senior Manager der neu geschaffenen Abteilung Event-Management im Jahr 2000 zeichnete der Berner Oberländer für die erfolgreiche Durchführung aller Uefa-Endspiele und -Endrunden verantwortlich. Im Jahr 2002 wurde Kallen zum COO der Euro 2004 SA ernannt und übersiedelte nach Portugal. Dort organisierte er die beste Fussball-Europameisterschaft aller Zeiten. Diesen Erfolg will er an der Euro 2008 möglichst noch übertreffen.

Kasten 2: UEFA EURO 2008(TM) – die wichtigsten Fakten zum Turnier
Die 13. Endrunde der Fussball-Europameisterschaft wird vom 7.-29. Juni 2008 in Österreich und der Schweiz ausgetragen. Es ist erst die zweite Endrunde (nach Belgien/Niederlande im Jahr 2000), die von zwei Ländern gemeinsam veranstaltet wird. 16 Nationalteams kämpfen in 23 Tagen und 31 Spielen um den Europameistertitel. Gespielt wird in acht Städten, je vier in Österreich und der Schweiz (aufgelistet von Osten nach Westen): Wien, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck, Zürich, Basel, Bern und Genf. Die Distanz zwischen Wien und Genf beträgt 1032 km. Nicht weniger als 1050 Mio. Fans werden in die Stadien pilgern. Ungefähr 1500 Personen sorgen im Stadion (pro Spiel) für Spielbetrieb, Sicherheit und Organisation.

Kasten 3: Der Countdown – eine Terminübersicht
– 21. November 2007: Abschluss der Qualifikationsspiele, letzter Spieltag (50 Nationen ermittelten in sieben Gruppen und insgesamt 308 Spielen die 14 freien Plätze);- 2. Dezember 2007: Auslosung der Endrunde in Luzern und Präsentation des offiziellen Matchballs;- 14. Dezember 2007: Stichtag für die teilnehmenden Teams, ihre Mannschaftsquartiere zu buchen;- Januar 2008: Start der Promotionstour – die Henri-Delaunay-Trophäe (im Bild links) gastiert in den wichtigsten europäischen Städten bzw. in den Gastgeberländern;- 12./13. März 2008: Team-Workshop mit den 16 teilnehmenden Verbänden in Wien;- Mai 2008: Workshop der 12 Endrunden-Schiedsrichter (in der Schweiz, genauer Ort noch nicht festgelegt);- 7. Juni 2008: Eröffnungsspiel (mit der Schweiz) in Basel;- 29. Juni 2008: Endspiel in Wien.

COO der Euro 2008 SA

COO der Euro 2008 SA