Die Volkswirtschaft

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Während der letzten Jahre sind viele Länder Afrikas überdurchschnittlich gewachsen. Auch wenn Afrika von der globalen Wirtschaftskrise nicht verschont blieb, waren viele Länder besser auf die Krise vorbereitet und fanden schnell wieder auf ihren Wachstumspfad zurück. Afrika verfügt auch zukünftig über vielversprechende Wachstumsaussichten. Um die Chancen der Globalisierung wahrnehmen und deren Risiken bewältigen zu können, sind aber wichtige Hindernisse zu überwinden, und der Aufrechterhaltung von stabilen makroökonomischen Rahmenbedingungen ist weiterhin eine hohe Bedeutung beizumessen. Nur so kann eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung längerfristig gewährleistet werden.

Während des grössten Teils der letzten 45 Jahre sind die Volkswirtschaften Afrikas nur unstet gewachsen und haben mehrheitlich stagniert. Im Gegensatz zu diesen enttäuschenden Entwicklungen war die jüngste Vergangenheit geprägt von Anzeichen tief greifender wirtschaftlicher Veränderungen. Schliesst Afrika endlich zu den anderen Wachstumsregionen auf?

Ausgedehnte Wachstumsphase seit 2000

Seit Mitte der 1990er-Jahre verzeichnete Afrika im Durchschnitt ein jährliches Wirtschaftswachstum von rund 5% (siehe Grafik 1). Ebenso stieg das Pro-Kopf-Einkommen in dieser Periode stetig um durchschnittlich 2% bis 3% pro Jahr, was mit Erfolgen in der Armutsminderung einher ging. Die jüngste Wachstumsphase, die nunmehr über ein Jahrzehnt dauert, betraf nicht nur ressourcenreiche und Erdöl exportierende Länder, welche um durchschnittlich 6,5% pro Jahr wuchsen, sondern auch ressourcenarme Länder mit Wachstumsraten von durchschnittlich über 4% pro Jahr. Nur wenige Länder – wie Simbabwe und einige fragile Staaten − verharrten weiterhin auf tiefem Niveau.Zurückzuführen ist diese ausgedehnte Wachstumsphase auf mehrere Faktoren: − Erstens profitierte Afrika von günstigen globalen Rahmenbedingungen, namentlich dem ausgeprägten globalen Wirtschaftswachstum der letzten Jahre. Dies äusserte sich unter anderem in einer stark steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und der zunehmenden Bedeutung des Süd-Süd Handels, insbesondere engeren Handels- und Investitionsbeziehungen mit den Wachstumsregionen in Asien und Lateinamerika.− Zweitens wurde das Wachstum durch die Zunahme privater ausländischer Kapitalflüsse und offizieller Entwicklungshilfegelder begünstigt. Zwischen 2002 und 2007 stiegen die privaten Kapitalflüsse von 10 Mrd. auf über 53 Mrd. US-Dollar an. Direktinvestitionen machten dabei den grössten Anteil aus: Sie betrugen 2007 6% bis 7% des BIP, was ungefähr dem Niveau von China und Brasilien zu Beginn der 1990er-Jahre entsprach. Ebenso stieg die öffentliche Entwicklungshilfe zwischen 2000 und 2008 von 8 Mrd. auf 24 Mrd. US-Dollar an. Gleichermassen sind auch Rimessen angestiegen, welche 2008 im Durchschnitt rund 2,5% des BIP der Empfängerländer ausmachten. − Drittens wirkten sich institutionelle und wirtschaftliche Reformen, welche auf die Förderung des Privatsektors, den Abbau von Handelshemmnissen und die Stärkung der staatlichen Handlungsfähigkeit abzielten, wachstumsfördernd aus und begünstigten ausländische Investitionen. Auch wenn diese Reformen nur mit Verzögerung zu strukturellen Veränderungen führen und der Leistungsausweis vieler Länder in dieser Hinsicht höchstens durchschnittlich ist, zeichnet sich in einigen Ländern eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft ab. Sie ist geprägt durch schnell wachsende einheimische Dienstleistungssektoren (z.B. Telekommunikation oder Tourismus) oder den Aufbau von einfachen Exportindustrien mit nachgelagerten Wertschöpfungsketten (z.B. in Kenia).− Viertens ging das Wachstum einher mit grösserer politischer und makroökonomischer Stabilität und einer merklichen Stärkung der Geld- und Fiskalpolitik (siehe Grafik 2). Seit 2002 fiel die jährliche Inflation auf durchschnittlich unter 10%, und die Anzahl Länder mit Inflationsraten von über 50% pro Jahr hat sich merklich verringert. Gleichermassen hat sich auch die Fiskalsituation verbessert. Lag das durchschnittliche Haushaltsdefizit in den 1980er- und 1990er-Jahren noch bei 5,7% des BIP, so sank dieses auf 2,9% zwischen 2000 und 2006. Auch ressourcenreiche Länder auferlegten sich grössere Zurückhaltung im Umgang mit höheren Exporteinnahmen. Ebenso trug die Konsolidierung der öffentlichen Schulden zur Stärkung der Fiskalposition bei. Hochverschuldete Länder profitierten dabei auch vom Schuldenerlass im Rahmen der multilateralen Entschuldungsinitiativen. Diese neugefundene Stabilität erlaubte es zudem einigen Ländern wie Ghana, erstmals Staatsanleihen am internationalen Kapitalmarkt zu platzieren.

Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise drohte dieser Wachstumsphase ein Ende zu setzen. Zwar trafen die Verwerfungen im globalen Finanzsystem viele Länder nur in geringem Ausmass, da afrikanische Banken kaum amerikanischen Subprime-Hypotheken ausgesetzt waren. Dennoch war Afrika durch den starken Einbruch des Welthandels und den Fall der Rohstoffpreise erheblich von den realwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise betroffen. Ebenso litten viele Länder unter privaten Kapitalabflüssen und dem Rückgang der Rimessen. Private Kapitalflüsse gingen 2009 um rund 57% auf rund 23 Mrd. US-Dollar zurück. Das Wachstum verlangsamte sich 2009 merklich auf knapp über 2%. Länder mittleren Einkommens und erdölexportierende Länder, welche stärker in die Weltwirtschaft integriert waren, spürten die Auswirkungen der Krise besonders und verzeichneten 2009 noch ein Wachstum von 0,5%, wohingegen in einkommensschwächeren und rohstoffarmen Länder die Wachstumseinbussen mit einem Wachstum von 3,5% geringer ausfielen, aber sich dennoch erheblich auf die Armutsreduktion auswirkten.Angesichts der beispiellosen Tragweite der Krise und der Tatsache, dass insbesondere rohstoffimportierende Länder bereits 2007 und 2008 von den nachteiligen Auswirkungen steigender Nahrungsmittelpreise betroffen waren, zeigten sich die afrikanischen Volkswirtschaften ausgesprochen robust. Auch wenn die geringere Integration vieler afrikanischer Länder in die Weltwirtschaft die Auswirkungen teilweise gemildert hat, so hatten frühere, schwächere wirtschaftliche Abkühlungen oftmals weit negativere Folgen für die Wachstumsperspektiven Afrikas. Der Kontinent ging besser vorbereitet in die Krise – d.h. mit tieferer Inflation, höheren Währungsreserven und niedrigeren Zahlungsbilanz- und Fiskaldefiziten − als während früheren Wachstumseinbrüchen. Grössere makroökonomische Stabilität und eine bessere Wirtschafts- und Fiskalpolitik im Vorfeld der Krise begünstigten nicht nur das breite Wachstum der letzten Jahre, sondern schufen auch die Voraussetzungen, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen zu stärken. Erstmals verfügten viele Länder über genügend fiskalpolitischen Spielraum, um antizyklisch auf eine Krise zu reagieren, konjunkturstabilisierende Massnahmen einzuleiten und armutsrelevante öffentliche Ausgaben aufrechtzuerhalten. Ebenso führte die Krise nicht zu einer Abkehr von Reformen, welche in den letzten Jahren das Wachstum begünstigt haben.

Wachstumspotenziale freisetzen und Risiken bewältigen

Afrika scheint im Gegensatz zu früheren Krisen, in denen die wirtschaftliche Erholung oftmals erst mit reichlicher Verzögerung eingesetzt hat, schnell wieder auf den Wachstumspfad zurückzufinden. Angetrieben von stabilen makroökonomischen Rahmenbedingungen, der Verschiebung der Handelsströme nach Asien und Lateinamerika, der weiterhin ungebrochenen Nachfrage dieser Regionen nach Rohstoffen und der wachsenden Attraktivität Afrikas für ausländische Kapitalinvestitionen (siehe Kasten 1

Erstmals besteht ein echtes Interesse von Investoren an Direktinvestitionen oder Kapitalanlagen in ganz Afrika. Dabei ist den regionalen Disparitäten Rechnung zu tragen. Die Gruppe der Erdöl produzierenden und ressourcenstarken Länder (z.B. Nigeria, Gabun) sowie die diversifizierten Volkswirtschaften (z.B. Südafrika) werden weiterhin Kapital anziehen, wodurch neue Unternehmen finanziert werden können. Innerhalb dieser Länder sind grosse Gruppen in den Sektoren Banken, Verteilung und Telekommunikation zu beobachten.Auf der anderen Seite sollten die ressourcenärmeren Länder, die Transitionsländer (z.B. Senegal, Uganda) sowie die Länder vor dem Transitionsprozess (z.B. Mali, Äthiopien) unbedingt Kapitalflüsse und Direktinvestitionen anziehen, indem sie sich an eine entwickeltere regionale Wachstumslokomotive anhängen und so einen regionalen Handel zu etablieren. Die Schaffung und Neuordnung regionaler Börsen, die sich an der Entwicklung von öffentlichen oder privaten Investitionsfonds beteiligen, könnten Kapitalflüsse in Gang setzen, die Finanzierung der lokalen Unternehmen begünstigen sowie die Unzulänglichkeiten der Banknetze auffangen.Alle diese Länder können heute von einem internationalen Run auf Investitionen in Afrika profitieren. Die sehr gute Performance der afrikanischen Börsen zieht das Interesse der Investoren auf sich, da so hohe Renditen auf den Märkten der entwickelteren Volkswirtschaften kaum mehr zu erzielen sind. Die Erfahrung aus den traditionellen Schwellenländern hat gezeigt, dass es enorm interessant sein kann, vor allen anderen in diesen Regionen präsent zu sein. Die Investoren sind sich denn auch der grösseren Komplexität und des hohen Risikos, die sich aus der Begrenztheit und der fehlenden Liquidität in diesen Märkten ergeben, voll bewusst. Der positive Kreislauf von Investitionen und Wachstum ist aber kein Selbstläufer. Damit er sich weiter fortsetzt, müssen alle afrikanischen Ländern noch gewisse strukturelle Defizite überwinden.

) dürfte der Kontinent 2010 wieder mit einem Wachstum von knapp unter 5% rechnen – mit einer Beschleunigung in den Folgejahren. Allerdings ist die weitere Entwicklung auch abhängig von der globalen Konjunkturerholung, welche weiterhin für Unsicherheit sorgt und sich entsprechend nachteilig auf die Wachstumsaussichten auswirken könnte.

Die grossen Herausforderungen Afrikas

Trotz der Errungenschaften der letzten Jahre und den günstigen Wachstumsaussichten steht Afrika auch in Zukunft vor grossen Herausforderungen. Bedingt durch die grosse Verschiedenheit der afrikanischen Volkswirtschaften hängt deren Bewältigung massgeblich von länderspezifischen Eigenschaften ab. Die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit kann hier einen situationsgerechten Beitrag leisten (siehe Kasten 2

Ghana gehört zu den sogenannten Frontier Markets. Dazu zählen die wachstumsstarken, reformorientierten, aber immer noch einkommensschwachen Volkswirtschaften. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) unterstützt den Reformprozess Ghanas in vier Interventionsbereichen:− Gesunde makroökonomische Rahmenbedingungen und transparente öffentliche Finanzen: Das Seco unterstützt direkt die Umsetzung des landeseigenen Reformprogramms und die Reform des öffentlichen Finanzwesens über die Beteiligung am Budgethilfeprogramm. Ein thematischer Schwerpunkt bildet die Reform der Steuerpolitik und -verwaltung, mit dem Ziel, das Steuerpotenzial besser auszunutzen und die privatwirtschaftliche Aktivität zu begünstigen. Mit Blick auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen − insbesondere der kürzlich erschlossenen Erdölvorkommen − drängen sich auch Anpassungen in der Steuererhebung und Einnahmentransparenz auf. − Entwicklung und Vertiefung des lokalen Finanzsektors: Das Seco unterstützt die Stärkung der Finanzmarktinfrastruktur und der institutionellen Kapazitäten zur Regulierung und Aufsicht des Finanzsystems. Durch weitere Massnahmen werden die Vertiefung des Finanzsektors und die Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungen für KMU gefördert.− Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und des internationalen Marktzugangs: Mit verschiedenen Massnahmen fördert das Seco handelsfreundliche Rahmenbedingungen und die Verbesserung des Investitionsklimas, um die Entwicklung einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft zu unterstützen. − Stärkung der wirtschaftlichen Infrastruktur: Über das Reformprogramm im Energiesektor unterstützt das Seco die Stärkung der regulatorischen Rahmenbedingungen im Infrastrukturbereich und leistet mit gezielten Investitionen einen Beitrag zu einer breiteren, verlässlicheren und effizienteren Energieversorgung.

).Die erste grosse Herausforderung in den Ländern Afrikas sind die schwach entwickelten marktwirtschaftlichen Strukturen, d.h. die physischen Infrastrukturen – wie Transport- und Energienetze – sowie Finanzsysteme, institutionelle Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Gouvernanz-Systeme, welche das Wachstum eines wettbewerbsfähigen Privatsektors behindern. Der Mangel an physischer Infrastruktur und ihre schlechte Qualität führt zu Einschränkungen im Warenhandel, erhöht die Produktionskosten und hemmt die Erschliessung regionaler Märkte. Viele Länder haben in der Vergangenheit grosse Anstrengungen zur Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen für den Privatsektor und des Investitionsklimas unternommen und führten Reformen des Finanzsektors durch. Dennoch sind die indirekten Kosten für die private Geschäftstätigkeit immer noch 20% bis 40% höher als in anderen Wirtschaftsregionen. Die Geschäftstätigkeit ist auch mit grossen Unsicherheiten bezüglich Rechtssicherheit, Eigentumsrechten und Transparenz verbunden. Abgesehen von einigen wenigen Finanzmärkten – wie Südafrika und Ägypten – sind die Märkte grösstenteils schwach entwickelt und illiquide, was eine effiziente Kapitalallokation erschwert und den Zugang zu Finanzmitteln − gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) − verunmöglicht. Um eine längerfristige wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen, welche sich in einer Verbesserung der Lebensumstände – und somit einer Erhöhung des der Wirtschaft zugänglichen Humankapitals – niederschlägt, ist eine nachhaltige Stärkung staatlicher Institutionen und eine bessere Regierungsführung unabdingbar. Wenngleich eine Reihe von Indikatoren auf soziale Verbesserungen hindeuten und erste Erfolge in der Armutsreduktion zu verzeichnen sind, hinkt Afrika anderen Regionen hinterher. Auch haben sich im Zuge der jüngsten Wachstumsphase die Unterschiede zwischen Einkommensgruppen noch verstärkt. Der Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen in Bereichen wie Gesundheit, Wasserversorgung und Bildung ist beschränkt, und die Qualität der erbrachten Dienstleistungen ist oftmals schwach. Für die weitere Entwicklung kommt daher der Erhöhung von Effizienz und Wirksamkeit staatlicher Ausgaben unter gleichzeitiger Einhaltung der mittelfristigen Fiskaldisziplin sowie der Steigerung und effizienteren Verwaltung von Eigeneinnahmen eine hohe Bedeutung zu.Als weitere Herausforderung führt die starke Rohstoffabhängigkeit vieler afrikanischer Volkswirtschaften zu grösseren wirtschaftlichen Verletzlichkeiten und birgt eine Reihe von zusätzlichen Gouvernanzrisiken. Rohstoffpreise tendieren zu grösserer Volatilität als andere Güterpreise. Dies verursacht häufige und unerwartete Schwankungen von Export- und Fiskaleinnahmen mit nachteiligen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und die Armutsreduktion. Ebenso kann die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf Rohstoffausfuhren über die Aufwertung des realen Wechselkurses längerfristig die Wettbewerbsfähigkeit anderer Exportsektoren benachteiligen und somit die Rohstoffabhängigkeit noch verstärken. Auch wenn diese makroökonomischen Risiken über die Geldpolitik teilweise abgeschwächt werden können, braucht es letztlich strukturelle Anpassungen, um die Produktivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit anderer Sektoren zu erhalten. Ressourcenreichtum ging in der Vergangenheit oftmals auch mit einer längerfristig schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung sowie grösserer politischer Instabilität und Korruption einher. In den letzten Jahren haben sich eine Reihe von Ländern der Extractive Industries Transparency Initiative angeschlossen, welche die Verifizierung von Geldströmen des Rohstoffsektors zum Ziel hat. Weitere Reformen zur Schaffung stabiler institutioneller Gouvernanz- und Budgetstrukturen – einschliesslich transparenterer Haushaltsführung, verbesserter Rechenschaftslegung von Rohstoffeinnahmen und deren sinnvollen Verwendung – sind aber nötig, damit der Ressourcenreichtum zur wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsreduktion beiträgt. Herausforderungen ergeben sich schliesslich auch aus der wachsenden Integration Afrikas in das globale Finanzsystem. Einerseits können ausländische Kapitalflüsse zu Wachstumssteigerungen beitragen, indem sie den direkten Zugang zu fehlendem Kapital erleichtern, oder indirekt durch die Vertiefung lokaler Finanzmärkte, grösserer makroökonomischer Disziplin und einer Stärkung jener Institutionen, die grösserer Marktdisziplin unterworfen sind. Andererseits kann die Integration − in Abwesenheit von geeigneten Ausgangsbedingungen − zu höheren Verletzlichkeiten führen und die Volkswirtschaften dem Risiko plötzlicher Kapitalabflüsse aussetzen, ohne dass die eigene wirtschaftliche Situation – wie während der jüngsten Krise geschehen – der Grund dafür wäre. Eine gesunde Fiskal- und Geldpolitik sowie ein starker Finanzsektor sind daher Grundvoraussetzungen, um die wirtschaftlichen Handlungsspielräume zu bewahren und die Risiken zu verringern, welche sich für die Volkswirtschaft aufgrund von plötzlichen Schwankungen ergeben können.

Fazit

Besseres wirtschaftliches Management und die Durchführung von wachstumsfreundlichen Reformen vor und während der Wirtschaftskrise − gepaart mit günstigen globalen Rahmenbedingungen − haben die Voraussetzungen für die ausgeprägte Wachstumsphase der letzten Jahrzehnte und die gestärkte Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen geschaffen. Dennoch steht Afrika weiterhin vor gewaltigen Herausforderungen. Zum einen gilt es, strukturelle Schwächen abzubauen und das Wachstumspotenzial der Region freizusetzen, um längerfristig zu den Wachstumsregionen Asiens und Lateinamerikas aufzuschliessen. Zum anderen ist der Öffnungsprozess in die Weltwirtschaft weiterhin vorsichtig anzugehen, um die Chancen wahrzunehmen, aber auch deren Herausforderungen zu bewältigen. Die Dauerhaftigkeit des Wachstums und die Verbesserung der Lebensumstände aller Bevölkerungsschichten hängen entscheidend von diesen Entwicklungen ab.

Grafik 1: «Afrika: Wirtschaftswachstum, 1991–2011»

Grafik 2: «Afrika: Schulden, Haushaltsdefizit, Inflation, 1991–2011»

Kasten 1: Afrikas wachsende Attraktivität für ausländische Investitionen

Erstmals besteht ein echtes Interesse von Investoren an Direktinvestitionen oder Kapitalanlagen in ganz Afrika. Dabei ist den regionalen Disparitäten Rechnung zu tragen. Die Gruppe der Erdöl produzierenden und ressourcenstarken Länder (z.B. Nigeria, Gabun) sowie die diversifizierten Volkswirtschaften (z.B. Südafrika) werden weiterhin Kapital anziehen, wodurch neue Unternehmen finanziert werden können. Innerhalb dieser Länder sind grosse Gruppen in den Sektoren Banken, Verteilung und Telekommunikation zu beobachten.Auf der anderen Seite sollten die ressourcenärmeren Länder, die Transitionsländer (z.B. Senegal, Uganda) sowie die Länder vor dem Transitionsprozess (z.B. Mali, Äthiopien) unbedingt Kapitalflüsse und Direktinvestitionen anziehen, indem sie sich an eine entwickeltere regionale Wachstumslokomotive anhängen und so einen regionalen Handel zu etablieren. Die Schaffung und Neuordnung regionaler Börsen, die sich an der Entwicklung von öffentlichen oder privaten Investitionsfonds beteiligen, könnten Kapitalflüsse in Gang setzen, die Finanzierung der lokalen Unternehmen begünstigen sowie die Unzulänglichkeiten der Banknetze auffangen.Alle diese Länder können heute von einem internationalen Run auf Investitionen in Afrika profitieren. Die sehr gute Performance der afrikanischen Börsen zieht das Interesse der Investoren auf sich, da so hohe Renditen auf den Märkten der entwickelteren Volkswirtschaften kaum mehr zu erzielen sind. Die Erfahrung aus den traditionellen Schwellenländern hat gezeigt, dass es enorm interessant sein kann, vor allen anderen in diesen Regionen präsent zu sein. Die Investoren sind sich denn auch der grösseren Komplexität und des hohen Risikos, die sich aus der Begrenztheit und der fehlenden Liquidität in diesen Märkten ergeben, voll bewusst. Der positive Kreislauf von Investitionen und Wachstum ist aber kein Selbstläufer. Damit er sich weiter fortsetzt, müssen alle afrikanischen Ländern noch gewisse strukturelle Defizite überwinden.

Kasten 2: Die Rolle der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit: Der Beitrag des Seco in Ghana

Ghana gehört zu den sogenannten Frontier Markets. Dazu zählen die wachstumsstarken, reformorientierten, aber immer noch einkommensschwachen Volkswirtschaften. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) unterstützt den Reformprozess Ghanas in vier Interventionsbereichen:− Gesunde makroökonomische Rahmenbedingungen und transparente öffentliche Finanzen: Das Seco unterstützt direkt die Umsetzung des landeseigenen Reformprogramms und die Reform des öffentlichen Finanzwesens über die Beteiligung am Budgethilfeprogramm. Ein thematischer Schwerpunkt bildet die Reform der Steuerpolitik und -verwaltung, mit dem Ziel, das Steuerpotenzial besser auszunutzen und die privatwirtschaftliche Aktivität zu begünstigen. Mit Blick auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen − insbesondere der kürzlich erschlossenen Erdölvorkommen − drängen sich auch Anpassungen in der Steuererhebung und Einnahmentransparenz auf. − Entwicklung und Vertiefung des lokalen Finanzsektors: Das Seco unterstützt die Stärkung der Finanzmarktinfrastruktur und der institutionellen Kapazitäten zur Regulierung und Aufsicht des Finanzsystems. Durch weitere Massnahmen werden die Vertiefung des Finanzsektors und die Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungen für KMU gefördert.− Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und des internationalen Marktzugangs: Mit verschiedenen Massnahmen fördert das Seco handelsfreundliche Rahmenbedingungen und die Verbesserung des Investitionsklimas, um die Entwicklung einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft zu unterstützen. − Stärkung der wirtschaftlichen Infrastruktur: Über das Reformprogramm im Energiesektor unterstützt das Seco die Stärkung der regulatorischen Rahmenbedingungen im Infrastrukturbereich und leistet mit gezielten Investitionen einen Beitrag zu einer breiteren, verlässlicheren und effizienteren Energieversorgung.

Kasten 3: Literaturhinweise

− African Development Bank und OECD (2010). African Economic Outlook 2010.− Arbache, J., D. S. Go und J. Page (2008). Is Africa’s Economy at a Turning Point? World Bank, Policy Research Working Paper 4519.− Devarajan, S. und S. Shetty (2010). Africa: Leveraging the Crisis into a Development Takeoff. World Bank, Economic Premise Nr. 30.− Kose, M.A., E. Prasad, K. Rogoff und S. Wei (2006). Financial Globalization: A Reappraisal. International Monetary Fund, Working Paper WB/06/189.− IMF (2010). Regional Economic Outlook 2010: Sub-Saharan Africa.− Sachs, J.D. und A. Warner (1995). Natural Resource Abundance and Economic Growth. National Bureau of Economic Research, Working Paper 6398.

Ressort Makroökonomische Unterstützung, Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Bern

Finanzanalyst und Mitglied der Direktion, Bordier & Cie, Genf

Ressort Makroökonomische Unterstützung, Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Bern

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