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Die CS ist weg – wer springt ein?

Seit der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS gibt es in der Schweiz nur noch eine einheimische Grossbank. Dadurch verändert sich potenziell der Wettbewerb unter den Banken. Eine Studie zeigt, welche Marktsegmente besonders betroffen sind und warum.
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Die UBS ist für ehemalige CS-Kundinnen und -Kunden die geeignetste Alternative in der Schweiz: UBS-Chef Sergio Ermotti. (Bild: Keystone)

Im Jahr 2023 hat die UBS die taumelnde Credit Suisse (CS) übernommen. Wo bislang zwei global tätige Schweizer Grossbanken die entsprechenden Finanzdienstleistungen bereitstellten, gibt es heute nur noch eine. Dies könnte den Wettbewerb im Bankenmarkt schwächen. Die Wettbewerbskommission hat im September 2023 im Rahmen ihrer Stellungnahme zum Zusammenschluss in gewissen Teilmärkten des Bankengeschäfts entsprechende Anzeichen gefunden.[1] Doch wie hat sich seither das Angebot für Bankdienstleistungen verändert? Wo bestehen Lücken? Wer kann in die Bresche springen? Bestehen Markteintrittshürden oder Hemmnisse für ein verstärktes Engagement anderer Banken?

Studie von BAK Economics

Um diese Fragen zu beleuchten, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bei BAK Economics eine umfassende Studie in Auftrag gegeben. Diese analysiert die Sichtweise von Unternehmen und Pensionskassen, der Nachfrageseite von Bankdienstleistungen. Ebenfalls untersucht die Studie die Sicht der Anbieterseite, namentlich jene der Kantonal- und Auslandsbanken.

Im April und Mai 2025 wurden Onlineumfragen bei Finanzchefs von über 1100 mittelgrossen und grossen Unternehmen sowie bei den Mitgliedern des Schweizerischen Pensionskassenverbands durchgeführt. Sie repräsentieren jene Marktsegmente, in denen die UBS gemäss Wettbewerbskommission potenziell eine dominante Stellung aufweist. Seitens Banken gehören die Mitglieder des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken sowie des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz zu den Befragten. Ergänzt wurden die Umfragen durch Expertengespräche mit ausgewählten potenziellen Konkurrenten der UBS sowie mit anderen Fachpersonen.

Keine flächendeckenden Probleme

Die Resultate zeigen: Der Wettbewerbsdruck unter den Banken hat sich generell nur unwesentlich verringert. Es gibt jedoch spezifische Lücken in Marktsegmenten, welche etwa eine hohe Risikofähigkeit, spezialisiertes Wissen oder eine gewisse Bilanzgrösse des Anbieters voraussetzen. In diesen Segmenten erscheint die UBS häufig als nahezu einzige Alternative.

Besonders ehemalige CS-Kunden, aber auch das Gros der teilnehmenden Unternehmen monieren etwa eine geringere Verfügbarkeit sowie höhere Preise bei substanziellen Firmenkrediten – Kredite oft im zweistelligen Millionenbereich, die speziell auf ein Unternehmen zugeschnitten und für die Bank mit einem höheren Risiko verbunden sind. Ebenfalls häufig genannt werden Verschlechterungen im Bereich Konsortialfinanzierungen. Das sind Kredite, die von mehreren Banken gemeinsam vergeben werden, wobei in der Regel eine grosse Bank als Leadbank auftritt, die den Kredit koordiniert und das höchste Risiko übernimmt. Vereinzelt betroffen ist auch das Emissionsgeschäft mit Anleihen in Franken. Als Verschlechterung bemängelt werden auch hier hauptsächlich die Verfügbarkeit und der Preis der Bankdienstleistungen, nicht die Qualität.

Experten bestätigen, dass der Wegfall der CS gerade bei komplexen Finanzierungen Lücken hinterlassen hat, die bislang nicht geschlossen werden konnten. Solche Engpässe in spezifischen Bankdienstleistungen betreffen vor allem international tätige, innovative mittelgrosse Unternehmen, die auf komplexe Finanzierungslösungen angewiesen sind. Derweil berichten Pensionskassen vor allem im Bereich Global Custody – der Verwahrung von globalen Wertschriften – von einer geringeren Verfügbarkeit an Anbietern der Dienstleistung.

UBS als geeignetste Alternative zur CS

Sowohl die befragten Unternehmen als auch die Pensionskassen stufen die UBS als die geeignetste Alternative zur CS ein, um deren Geschäftsanteile in den genannten Marktsegmenten zu übernehmen. Die UBS schneidet in den Bewertungen zur Eignung als Ersatzbank durchwegs am besten ab (siehe Tabelle). Nur bei den substanziellen Firmenkrediten werden Kantonalbanken als geeignetere Alternative zur CS angesehen.

Im Bereich substanzieller Firmenkredite und strukturierter Konsortialfinanzierungen wird die UBS von einer deutlichen Mehrheit der befragten Unternehmen als mindestens gleichwertig mit der CS angesehen. Bei Pensionskassen im Global Custody ist die UBS die einzige Bank, die von einer Mehrheit als mindestens gleichwertig bewertet wird. Fast alle Pensionskassen, die zuvor nur mit der CS in diesem Bereich zusammenarbeiteten, wählen nach dem Zusammenschluss die UBS.

Eignung verschiedener Bankengruppen als Alternative zur CS (2025, Differenz in Prozentpunkten)

Bankengruppe Substanzielle Firmenkredite Strukturierte Konsortialfinanzierungen Emissionsgeschäft in CHF
UBS 23 29 88
Kantonalbanken 30 –29 25
Auslandsbanken mit Ableger –9 –13 –7
Raiffeisenbanken –5 –38 –60
Postfinance –59 –71 –86
Lesebeispiel: Für substanzielle Firmenkredite beträgt der Wert für die UBS +23 Prozentpunkte. Das bedeutet, dass der Anteil der Unternehmen, welche die UBS im Vergleich zur früheren CS als mindestens gleichwertige Alternative einschätzen, um 23 Prozentpunkte höher ist als der Anteil, der sie als schlechter einstuft.
Quelle: BAK Economics

Auf der Anbieterseite werden bei den Kantonalbanken und den Auslandsbanken verschiedene Gründe identifiziert, weshalb diese nur zögerlich oder gar nicht in die Marktlücken vorstossen, die durch den Wegfall der CS entstanden sind. Kantonalbanken sind zwar im Firmenkredit- und Konsortialgeschäft nahezu flächendeckend aktiv, treten aber laut Experten seltener in der Rolle des Leaders und Hauptrisikoträgers auf. Generell sind gemäss Marktkennern viele Banken nach den Turbulenzen rund um die CS vorsichtiger bei der Kreditvergabe geworden. Das heisst, sie verlangen mehr Sicherheiten und vermeiden riskantere Projekte.

Kantonalbanken selber nennen strategische Überlegungen als wichtigsten Grund für ihre Zurückhaltung (siehe Abbildung). Gemäss Experten gibt es mehrere Gründe, warum Kantonalbanken nur begrenzt bereit oder in der Lage sind, komplexe Finanzierungen zu übernehmen: zum einen politische Vorgaben der Kantone als Eigentümer der Kantonalbanken, welche den geografischen Fokus sowie den Risikoappetit beschränken. Zum anderen die starke Position der Kantonalbanken im Geschäft mit gedeckten Krediten. Teilweise spielt auch die geringe Bilanzgrösse eine Rolle.

Strategische Überlegungen sind der wichtigste Grund, warum Kantonalbanken komplexe Finanzierungen nicht übernehmen (2025)

INTERAKTIVE GRAFIK
Anmerkung: Die Tabelle zeigt den Durchschnittswert über alle 14 spezifische Bankdienstleistungsbereiche, wie oft der jeweilige Grund von den Kantonalbanken als der wichtigste Hinderungsgrund für ein (verstärktes) Engagement genannt wurde.
Quelle: BAK Economics | Grafik: Die Volkswirtschaft

Die Auslandsbanken konzentrieren sich gemäss den Aussagen der Experten primär auf Nischenmärkte, etwa auf die Betreuung etablierter Grosskunden, sowie auf das Kommissionsgeschäft. Sie selbst begründen die Zurückhaltung bei einem breiteren Leistungsangebot vorrangig mit internen strategischen Prioritäten und der starken Marktstellung etablierter Anbieter.

Als zentraler Hinderungsgrund für ein breiteres Engagement im Kreditmarkt wird von den Experten die Tatsache genannt, dass Auslandsbanken zu wenig Kundengelder in Schweizer Franken haben, um damit Kredite in Schweizer Franken zu finanzieren. Die starke Position der Kantonalbanken bezüglich Kundeneinlagen erschwert somit einen möglichen Angebotsausbau der Auslandsbanken. Damit würde selbst ein hypothetischer Rückzug der UBS wohl kaum zu einem breiteren Engagement der Auslandsbanken in der Schweiz führen.

Die Studie findet zwar keine regulatorischen Hürden, die verhindern, dass andere Institute in die Lücke springen, welche die CS hinterlassen hat. Die Anbieterseite nennt hingegen mehrere Gründe, die gegen einen Markteintritt in die Schweiz oder einen Ausbau des bisherigen Engagements sprechen: Für alle potenziellen Konkurrenten stellen hohe Fixkosten für den Markteintritt und die kleine Marktgrösse der Schweiz die grössten Hürden dar. Auch dass Kundinnen und Kunden in der Schweiz etablierte heimische Banken bevorzugen, wirkt wie eine Marktzutrittsbarriere.

Bei den Ergebnissen handelt es sich um eine Momentaufnahme. Doch scheint das Marktgefüge derzeit derart starr zu sein, dass ökonomisch tragfähige Alternativen kaum entstehen. Die Folge ist ein funktionierender, aber in für die Innovation wohl wichtigen Segmenten einseitiger Markt, in dem komplexe Finanzierungsfunktionen faktisch auf einen Anbieter konzentriert bleiben.

  1. Siehe Stellungnahme der Wettbewerbskommission gemäss Artikel 10 Abs. 3 KG und Empfehlungen gemäss Artikel 45 Abs. 2 KG vom 25. September 2023. []

Zitiervorschlag: Maurer, Claude (2026). Die CS ist weg – wer springt ein? Die Volkswirtschaft, 26. Januar.