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Warum die Schweiz in den Weltraum investiert

Raumfahrt ist nicht nur Wissenschaft, sondern wichtig für Wohlstand und Sicherheit. Die Schweiz muss sich in diesem Bereich gut positionieren. Zentral sind die Umsetzung der Weltraumpolitik 2023 und die internationale Zusammenarbeit.
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Der Weltraum wird immer wichtiger – sowohl für zivile als auch militärische Anwendungen. (Bild: Keystone)

Die Schweiz ist eine Raumfahrtnation. Seit Beginn der Raumfahrt-Ära in den 1960er-Jahren ist sie im Weltraum präsent. So wurde bei der ersten Mondlandung ein Sonnenwindsegel der Universität Bern für Forschungszwecke auf dem Mond aufgestellt. Seither hat sich im Raumfahrtbereich vieles geändert. Immer mehr Akteure sind im Weltraum mit immer mehr Satelliten präsent.

Exzellenz in Wissenschaft und Industrie

Die Schweiz ist Gründungsmitglied der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), einer unabhängigen internationalen Organisation mit aktuell 23 Mitgliedsstaaten. Seit 50 Jahren bündelt die ESA Kompetenzen und Finanzmittel ihrer Mitglieder, um herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Alltagsanwendungen hervorzubringen. Dazu zählen zum Beispiel die Erkundung von Planeten inner- und ausserhalb unseres Sonnensystems sowie die Entwicklung der europäischen Satellitennavigation (Egnos/Galileo), die hochpräzise Daten unter anderem für den Flugverkehr und Rettungsdienste liefert.

Mit ihrem dynamischen Raumfahrt-Ökosystem aus exzellenten Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen ist die Schweiz für die europäische Raumfahrt eine verlässliche Partnerin. In Zusammenarbeit mit der ESA, der europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (Eumetsat) und der EU liefert sie Schlüsselbeiträge an grosse internationale Missionen und Raumfahrtprogramme. So war die Schweiz unter anderem an der Entwicklung von Instrumenten auf Raumsonden beteiligt (z. B. auf dem Solar Orbiter, der die Sonne und ihre Heliosphäre erforscht), und sie hat meteorologische Satelliten und Erdbeobachtungssysteme mitentwickelt (z. B. für das EU-Programm Copernicus). Mit der Weltraumpolitik 2023 des Bundesrats und der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2025–2028 bestehen dafür zukunftsgerichtete Grundlagen sowie gezielte Fördermassnahmen.

Dank des Prinzips des geografischen Rückflusses fliessen die Beiträge der Schweiz an die ESA ins Inland zurück und fördern damit Exzellenz in Forschung und Innovation. Das ist Teil der Industriepolitik, welche die ESA gemäss ihrem Gründungsübereinkommen betreibt. Sie fördert dadurch die Entwicklung der europäischen Raumfahrtindustrie in all ihren Mitgliedsstaaten. Mit kompetitiven Ausschreibungen sollen Europas Raumfahrtprogramme in höchster Qualität und effizient umgesetzt sowie die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gestärkt werden. Kleinere Staaten ohne nationale Raumfahrtagentur wie die Schweiz erhalten somit über die ESA auch Zugang zu grossen, technologisch anspruchsvollen Raumfahrtprogrammen und sichern sich gleichzeitig industrielle Wertschöpfung, Aufbau von Know-how und hochwertige Arbeitsplätze im Inland.

Steigende Investitionen in die Raumfahrt

Alle drei Jahre trifft sich der ESA-Rat auf Ministerebene, zuletzt im November 2025 in Bremen mit Beteiligung der Staatssekretärin Martina Hirayama. Dort haben die Mitgliedsstaaten neue Programme für die nächsten Jahre im Umfang von rund 22,3 Milliarden Euro beschlossen, davon 781 Millionen Euro aus der Schweiz – eine Rekordsumme, die den Handlungsbedarf widerspiegelt.

Auch andere Länder investieren kräftig. Gemäss ESA sind die weltweiten öffentlichen Investitionen zwischen 2023 und 2024 um 9 Prozent auf 122 Milliarden Euro gestiegen. Davon stammen nur rund 10 Prozent aus Europa, welches gegenüber 2023 um 2 Prozent zulegen konnte. Deutlich mehr investieren die USA und China (siehe Abbildung). Die privaten Investitionen in die Raumfahrt beliefen sich weltweit auf rund 7 Milliarden Euro, davon 1,5 Milliarden in Europa.[1]

Verteilung der institutionellen Raumfahrtausgaben (2024)

INTERAKTIVE GRAFIK
Quelle: ESA Space Economy Report 2025 | Grafik: Die Volkswirtschaft

Sicherheitspolitische Dimension wird wichtiger

In Bremen stand somit die Frage im Zentrum, ob Europa weiterhin eine globale Führungsrolle im Weltraum spielen kann. Mit den hohen Finanzierungszusagen wurde das bejaht. Massgebend dafür sind ein steigender Bedarf an satellitenbasierten Daten und Dienstleistungen sowie der Wille, beim rasanten technologischen Fortschritt nicht abgehängt zu werden. Dabei geht es nicht nur um Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Aussichten oder wissenschaftliche Durchbrüche.

Die sicherheitspolitische Dimension des Weltraums ist in den Vordergrund gerückt. Die ESA schreibt selber, der klare Auftrag zur Nutzung von Raumfahrtanwendungen für nicht aggressive Verteidigungszwecke markiere einen historischen Wandel für die Organisation.[2] Europa strebt mehr Autonomie im Weltraum an, mit einer eigenständigen satellitenbasierten Kommunikationsinfrastruktur, robusten Navigations- und Erdbeobachtungskapazitäten für zivile und militärische (Dual-Use-)Zwecke, weltraumgestützten Frühwarnsystemen und Lagebildern. Ebenso unverzichtbar bleibt der autonome Zugang zum All, den Europa letztes Jahr mit zwei funktionierenden Trägerraketen-Typen (Ariane 6 und Vega-C) wiedererlangt hat.

Die Schweiz unterstützt diesen Kurs und gestaltet ihn mit. Sie nutzt entsprechende Daten und Dienstleistungen und beteiligt sich an der Initiative «European Resilience from Space». Diese soll Dual-Use-Fähigkeiten für Erdbeobachtung, Navigation und sichere Konnektivität aufbauen. Das von der Schweiz initiierte Projekt Alpstar ermöglicht beteiligten Staaten, ihre Satellitensysteme und Bodeninfrastruktur bei Bedarf gegenseitig zugänglich zu machen, um Erdbeobachtungsdaten schneller auszutauschen. Dies verbessert Lagebilder, beschleunigt Krisenmanagement und erhöht die Effizienz.

Die Schweiz muss aktiv bleiben

Die Zusammenarbeit mit der EU ist zentral. Die ESA setzt wichtige Programme im Auftrag der EU um, indem sie die benötigten Satelliten entwickelt, wie zum Beispiel für das bereits erwähnte EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus oder Iris2, welches künftig eine sichere europäische Satellitenkommunikationsinfrastruktur bereitstellen soll. Diese Aufträge der EU entsprechen jährlich etwa einem Viertel der ESA-Einnahmen. Im mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 der EU wird sich zeigen, wie diese ihre Raumfahrtpolitik strategisch weiterentwickelt, auch im Lichte des neuen EU-Weltraumgesetzes, das die Europäische Kommission im Juni 2025 vorgeschlagen hat.

Denn auch die Regulierung der Raumfahrt wird zunehmend zum Standortfaktor. Investitionen fliessen dorthin, wo klare, innovationsfreundliche Regeln gelten. Mit dem geplanten Bundesgesetz über die Raumfahrt will der Bundesrat diese Rahmenbedingungen auch in der Schweiz stärken. Als Nicht-EU-, aber ESA-Mitglied gilt es für die Schweiz, politisch und fachlich eng eingebunden zu bleiben: über Beziehungen zur ESA und zur EU, eine programmbezogene Zusammenarbeit und eine vorausschauende nationale Gesetzgebung.

  1. Siehe ESA (2025). ESA Report on the Space Economy 2025. Die Daten zu den privaten Investitionen stammen vom European Space Policy Institute. []
  2. Siehe ESA Member States Commit to Largest Contributions at Ministerial, ESA, 27.11.2025: «The clear mandate for use of space applications for non-aggressive defence purposes signifies an historic change for ESA». []

Zitiervorschlag: Kropf, Catherine; Schwab, Martina (2026). Warum die Schweiz in den Weltraum investiert. Die Volkswirtschaft, 27. Januar.

Boom in der Raumfahrt?

Oft ist von einem «Boom» und zunehmender Privatisierung der Raumfahrt die Rede.a Gemeint ist hier das «Downstream Segment» (Marktwert 408 Mrd. Euro in 2024): Unternehmen nutzen Satellitendaten, um Dienste anzubieten – von Geolokalisierung über Telekommunikation bis hin zur Logistikoptimierung. Diese Daten sind häufig frei verfügbar oder werden zu marginalen Zusatzkosten bezogen. Die Wertschöpfung entsteht unter anderem durch Datenintegration und Software. In diesem Segment finden sich viele Start-ups und schnell wachsende Scale‑ups.

Strategisch unverzichtbar ist das «Upstream Segment» (Marktwert 63 Mrd. Euro in 2024): die Entwicklung, der Start und der Betrieb der Satelliteninfrastruktur. Satelliten und Trägerraketen sind kapitalintensiv und mit langen Entwicklungszyklen verbunden. Staatliche Beschaffungen respektive öffentliche Investitionen bestimmen hier die Nachfrage. Es dominieren grosse, langjährige, teils (halb)staatliche Unternehmen. Die sogenannte Kommerzialisierung des Weltraums bedeutet deshalb nicht unbedingt weniger Staat, sondern einen gezielten Einsatz öffentlicher Investitionen, um private Innovation und Skalierung im «Downstream Segment» auszulösen.

 


a Zahlen aus ESA Report on the Space Economy 2025. Der globale Weltraummarkt wird teilweise auf weit über 600 Milliarden Dollar geschätzt (siehe z. B. Space Foundation Space Report 2025).