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Wie wichtig sind praktische Fähigkeiten beim Berufseinstieg?

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Junge Menschen, die besonders ausgeprägte praktische Fähigkeiten haben, sind auf dem Arbeitsmarkt am gefragtesten. (Bild: SwissSkills / Michael Zanghellini)
Sie analysieren in Ihrer neuen Studie, welche Fähigkeiten für den späteren Arbeitsmarkt entscheidend sind. Grundlage sind Lehrabschlussprüfungen in über 170 Berufen. Zu welcher Erkenntnis kommen Sie?

Junge Berufsleute mit besonders ausgeprägten praktischen Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt am gefragtesten. Dies zeigt sich in höheren Löhnen, in der Bereitschaft der Betriebe, sie weiterzubeschäftigen, und in einem geringeren Risiko, erwerbslos zu werden.

Gilt das für alle Berufe?

Ja, das lässt sich bei allen Berufen beobachten. Besonders interessant ist, dass praktische Fähigkeiten nicht nur in Berufen mit überwiegend manuellen Tätigkeiten von Bedeutung sind, sondern ebenso in Lehrberufen mit hohen kognitiven Anforderungen wie zum Beispiel Automatikerin oder Informatiker.

Was bedeutet das für das duale Bildungssystem?

Unsere Ergebnisse zeigen, dass das duale Bildungssystem eine zentrale Ergänzung des Bildungswesens darstellt. Die Ausbildung an zwei verschiedenen Lernorten – Betrieb und Berufsschule – ermöglicht jungen Menschen mit praktischer Begabung, ihre praktischen Fähigkeiten schon sehr früh zu entfalten. In einem rein schulischen System wie der Maturität und anschliessendem Studium würden sie in ihrer Entwicklung häufig gebremst und hätten kaum Gelegenheit, ihre praktischen Talente zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Die Maturität ist nicht das Problem, sondern das Wachstum bei vollschulischen Angeboten – auch in der Berufsbildung.

Je höher die Maturitätsquote, desto höher die Jugendarbeitslosigkeit. Wird die Schweiz ein Problem bekommen, wenn immer mehr junge Menschen die Matura machen?

Die Maturität ist nicht das Problem, sondern das Wachstum bei vollschulischen Angeboten – auch in der Berufsbildung. Das duale, betrieblich organisierte Bildungssystem fördert einen guten «Match» zwischen individuellen Talenten und den berufs- und betriebsspezifischen Anforderungen, sowohl quantitativ als auch qualitativ. In schulischen Systemen können junge Menschen zwar länger ihren beruflichen Wünschen folgen. Häufig führt es aber dazu, dass es in ihrer Spezialisierung dann entweder zu wenige Arbeitsstellen gibt oder sie zu spät erkennen, dass ihre Begabungen nicht zu den Stellenprofilen passen.

Fehlt den Akademikern die Praxis, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können?

Es war schon immer so, dass Akademikern beim Eintritt in den Arbeitsmarkt praktische Erfahrung fehlt. Die ersten Berufsjahre dienen deshalb auch dazu, diese zu erwerben. Aber auch hier gilt, was wir in unserer Studie beobachten: Wer beides mitbringt, also sehr gute theoretische Kenntnisse gepaart mit praktischer Begabung, hat die besten Voraussetzungen. Wenn das Begabungspendel jedoch stärker in Richtung Theorie oder Praxis ausschlägt, dann ist die Praxis im Vorteil.

Interview: Die Volkswirtschaft

Zitiervorschlag: Nachgefragt bei Stefan C. Wolter, Universität Bern (2026). Wie wichtig sind praktische Fähigkeiten beim Berufseinstieg? Die Volkswirtschaft, 02. September.

Interviewpartner

Stefan C. Wolter ist Professor für Bildungsökonomie und Leiter Forschungsstelle für Bildungsökonomie, Universität Bern