Droht 2026 die Rückkehr der Negativzinsen?
Abstieg ins Ungewisse: Unter Negativzinsen leiden vor allem Sparer und Pensionskassen. (Bild: Keystone)
Auch nach der jüngsten Aufwertung des Schweizer Frankens rechne ich nicht mit Negativzinsen. Ein Grund ist, dass die Schweiz dank der Reduktion der US-Zölle von 39 auf 15 Prozent wohl ein moderates Wirtschaftswachstum verzeichnen wird. Ein anderer Grund ist die Inflation in der Schweiz. Sie ist zwar tief, dürfte aber knapp im Zielband der SNB zwischen 0 und 2 Prozent bleiben. Die SNB hat klargemacht: Auch eine kurzfristige Inflationsrate unter null würde die negativen Effekte von Negativzinsen nicht aufwiegen.
Vor allem die Sparer und die Guthaben von Vorsorgewerken wie Pensionskassen leiden unter den Negativzinsen. Anleger werden dadurch in risikoreichere Geldanlagen getrieben. Zudem setzen Negativzinsen Anreize, sich mehr zu verschulden. Das treibt die Immobilienpreise an, aber der positive Effekt auf die Realwirtschaft scheint gering.
Ich bin positiv gestimmt für 2026.
Das europäische Umfeld ist ein dritter Grund, weshalb ich nicht von Negativzinsen ausgehe: Ich erwarte dort einen konjunkturellen Aufschwung, dank dem sich die Inflation im Euroraum nicht viel unter 2 Prozent bewegen und die Europäische Zentralbank die Zinsen nicht weiter senken dürfte.
Nach der jüngsten Aufwertung erwarte ich nicht, dass der Franken gegenüber dem Euro 2026 noch deutlicher an Wert zulegt. Wahrscheinlicher ist, dass der Euro wieder etwas an Stärke zurückgewinnt. Eine positive Wachstumsentwicklung und konstante Leitzinsen in der Eurozone sollten den Euro stützen. Bei einer weiteren Frankenaufwertung wird die SNB wohl Währungsinterventionen einsetzen, was die US-Regierung tolerieren dürfte. All dies sollte die SNB davor bewahren, 2026 auf Negativzinsen zu schalten.
Die globale Wirtschaft hat sich 2025 erstaunlich stabil entwickelt. Das gilt insbesondere für den Welthandel – trotz den höheren US-Zöllen. Da die neue US-Handelspolitik nun bekannt und grösstenteils verdaut ist, erwarte ich für 2026 ein relativ gutes globales Wachstum, ausser der Handelsstreit beginnt von Neuem. Zusammen mit den kommenden staatlichen Mehrausgaben in den USA, in China und Deutschland sowie den 2025 weltweit gesunkenen Leitzinsen dürfte die wirtschaftliche Nachfrage zunehmen.
Die geopolitische Rivalität zwischen China und den USA. Sie dürfte weit über 2026 andauern. Der Zugang zu Ressourcen wie Öl oder seltene Erden, der normalerweise über den Preis stattfindet, wird zurzeit wieder verstärkt durch die Geopolitik gestört. Werden diese Einflüsse zu stark, beeinträchtigt das die globale Produktion und führt zu einem ineffizienten Ressourceneinsatz. Zusätzlich sind geopolitische Massnahmen oft mit gewaltigen finanziellen Ausgaben verbunden, was die bereits angespannte Schuldenlage vieler Länder weiter anheizen dürfte. Generell hat aber die US-Regierung im Jahr der Zwischenwahlen wenig Anreiz, die Lage eskalieren zu lassen. Ich bin darum positiv gestimmt für 2026.
Interview: «Die Volkswirtschaft»
Zitiervorschlag: Nachgefragt bei Reto Cueni, Bank Syz (2026). Droht 2026 die Rückkehr der Negativzinsen? Die Volkswirtschaft, 02. Februar.
