Alisha Lehmann mit Fans. Die Frauenfussball-EM in der Schweiz generiert zusätzliche Wertschöpfung in verschiedenen Branchen. (Bild: Keystone)
Vom 2. bis zum 27. Juli 2025 liegen sich Fussballfans wieder in den Armen, singen, trinken und schauen fern. Der Grund: In der Schweiz findet die 14. Fussball-Europameisterschaft der Frauen statt. Dabei kämpfen 16 Nationalteams in acht Städten um den Titel, rund 700’000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden erwartet. Der Wettbewerb ist eines der sportlichen Highlights des Jahres 2025. Doch ist er auch für die Schweizer Wirtschaft von Bedeutung?
Die EM-Organisatorin, die Union Europäischer Fussballverbände (Uefa), budgetiert für den Event Gesamteinnahmen von 120 Millionen Franken. Das ist rund doppelt so viel wie bei der letzten Ausgabe in England, die coronabedingt ein Jahr später als geplant im Jahr 2022 stattfand. Auch kostenseitig dürften sich die Zahlen gegenüber dem Anlass von vor drei Jahren praktisch verdoppeln.[1] Als Ausgaben budgetiert die Uefa insgesamt gut 150 Millionen Franken. Dazu zählen die Organisation, die Preisgelder und Entschädigungen für Vereine, deren Spielerinnen von den teilnehmenden Nationalteams aufgeboten wurden.
Männer-Fussball-EM deutlich grösser
Der Frauenfussball hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Trotzdem bleibt seine ökonomische Bedeutung immer noch um ein Vielfaches hinter jener des Männerfussballs zurück. Zum Vergleich: Die letzte Männer-Europameisterschaft der Uefa, die 2024 in Deutschland stattfand, generierte Einnahmen von 2,4 Mrd. Franken bei Kosten von rund 1,2 Mrd. Franken. Während die letzte EM der Männer also einen satten Gewinn von 1,2 Mrd. Franken einbrachte, rechnet die Uefa bei der Frauenfussball-EM mit einem leichten Defizit.
Die Einnahmen der Uefa folgen einem zyklischen Muster, mit Spitzenwerten in Jahren der Fussball-Europameisterschaft der Männer (siehe Abbildung 1). Das ist typisch für internationale Sportverbände wie die Uefa, den Weltfussballverband (Fifa) oder das Internationale Olympische Komitee (IOC), deren Geschäftsmodell auf einem Vierjahreszyklus beruht und die allesamt ihren Hauptsitz in der Schweiz haben.
Bei allen drei Organisationen geht ein Grossteil der Einnahmen auf den Verkauf von Medienrechten zurück. Ein weiterer grosser Einnahmenanteil entfällt auf die kommerziellen Rechte, also beispielsweise auf die Einnahmen durch den Verkauf von Werbeflächen. Hingegen machen die Einnahmen durch den Ticketverkauf und das sogenannte Hospitality, das VIP-Tickets, Loungebereiche und weitere Annehmlichkeiten ausserhalb des Stadionerlebnisses umfasst, nur einen vergleichsweise geringen Teil aus.
Auch beim diesjährigen Frauenfussball-Turnier werden gut 100 von insgesamt 120 Mio. Franken budgetierten Einnahmen auf den Verkauf von Medienrechten und kommerziellen Rechten zurückgeführt.
Abb. 1: Medienrechte machen den Grossteil der Uefa-Einnahmen aus (2016–2026)
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Frauenfussball‑EM erhöht Schweizer BIP
Die Wertschöpfung, welche die Fussballturniere bei der Uefa generieren, wird aufgrund des Hauptsitzes der Uefa in Nyon im BIP der Schweiz verbucht. Neben der Uefa betrifft das auch die Fifa und das IOC, die ihren Sitz in Zürich beziehungsweise in Lausanne haben. Die Wertschöpfung dieser Sportorganisationen fällt in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in den Wirtschaftszweig «Erbringung von Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und der Erholung» (kurz: «Sport, Unterhaltung und Erholung»). Die durch die Frauenfussball-EM generierte Wertschöpfung bei der Uefa wird 2025 ebenfalls in dieser Branche verbucht.
Doch weil die Frauenfussball-EM in diesem Jahr in der Schweiz stattfindet, entsteht die Wertschöpfung nicht nur bei der Uefa. Der Event generiert indirekt Wertschöpfung in diversen weiteren Branchen. Vom Anlass profitieren beispielsweise auch die lokale Gastronomie und Hotellerie, der Detailhandel, das Transportwesen und die Logistikbranche.
Die Erfahrungen aus früheren Grossveranstaltungen wie der Fussball‑EM der Männer von 2008, der Eishockey-WM von 2009 oder dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest zeigen zudem, dass nicht nur unmittelbare Branchen profitieren. Es entsteht zusätzliche Nachfrage in vor- und nachgelagerten Bereichen wie dem Bauwesen, den Kommunikationsdienstleistungen, sonstigen Dienstleistungsbereichen wie der Immobilienbewirtschaftung und sogar in der öffentlichen Verwaltung. So kann das erhöhte Besucheraufkommen auch temporäre Beschäftigungsimpulse und zusätzliche Einkommen in den Regionen schaffen.[2]
Bereinigtes BIP für Konjunkturanalyse
Insgesamt dürften die ökonomischen Auswirkungen der Frauen-Fussball-EM trotz zunehmender Popularität und teilweise ausverkaufter Spiele im Vergleich zu einer Männer-EM jedoch marginal sein. Eine Männer-EM oder Olympische Spiele verursachen temporär erhebliche Wertschöpfungszuwächse. Die Ausschläge, welche alle vier Jahre bei der Uefa sichtbar sind, gibt es in vergleichbarer Weise auch bei der Fifa und dem IOC.[3] Und: Sie zeigen sich sogar alle zwei Jahre im BIP der Schweiz – beispielsweise 2022 anlässlich der Fussballweltmeisterschaft in Katar oder 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris.
In einem Jahr mit solchen internationalen Sportgrossanlässen liegt die Wertschöpfung der Schweiz rund 2 Mrd. Franken höher als sonst. Die Wertschöpfung in der Branche «Sport, Unterhaltung und Erholung» schwankt entsprechend stark: Zwischen 2022 (WM Katar) und 2023 (kein Sportevent) ging sie um 45 Prozent zurück.
Abb. 2: Die Wertschöpfung in der Branche «Sport, Unterhaltung und Erholung» schlägt wegen Sportgrossevents alle zwei Jahre aus (2016–2025)
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Die Schwankungen sind so stark, dass sie sich auf das Schweizer BIP‑Wachstum übertragen und die Konjunkturanalyse erschweren können. Aus diesem Grund bereinigt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) das Schweizer BIP um den Effekt der regelmässig stattfindenden Grossanlässe von Uefa, Fifa und IOC. Das auffällige zweijährige «Zackenmuster» in der Branche «Sport, Unterhaltung und Erholung» und abgeschwächt auch im BIP verschwindet dadurch, was die Analyse der Zahlen im Hinblick auf die Konjunkturentwicklung vereinfacht.[4] Die Wertschöpfung, welche hingegen indirekt in den anderen genannten Branchen generiert wird, kann zumindest zwischenzeitlich zusätzliche Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen. Deshalb ist sie im BIP sichtbar, sowohl im Sportevent-bereinigten wie auch im unbereinigten.
Der Effekt der Sportevent-Bereinigung zeigt sich am einfachsten anhand eines aktuellen Beispiels: Im 1. Quartal 2025 ging die Wertschöpfung in der Branche «Sport, Unterhaltung und Erholung» ohne Sportevent-Bereinigung das zweite Quartal in Folge stark zurück. Da 2025 keine internationalen Sportgrossanlässe stattfinden, fällt die damit verbundene Wertschöpfung tiefer aus als 2024, als Paris die Olympischen Spiele austrug (siehe Abbildung 2). Dieser negative «Sportevent-Effekt» verringerte das BIP-Wachstum im 1. Quartal 2025 um rund 0,3 Prozentpunkte. Sportevent-bereinigt resultierte im 1. Quartal 2025 hingegen ein überdurchschnittliches Wachstum von 0,6 Prozent. Diese Zahl ist für die Konjunkturprognose relevant. Denn der starke Rückgang in der Branche ist erklärbar aufgrund der internationalen Sportgrossanlässe und deutet nicht auf eine Schwäche der Schweizer Wirtschaft hin.
In Summe dürfte die Frauenfussball-EM 2025 somit zwar Impulse in ausgewählten Branchen setzen, im Gegensatz zu anderen internationalen Grossveranstaltungen insgesamt jedoch nur bedingt gesamtwirtschaftliche Effekte auf das BIP erzeugen.
- Quelle: Annual & Financial Reports | UEFA.com. []
- Siehe auch den Artikel «Lohnen sich Sportgrossanlässe volkswirtschaftlich?» []
- Siehe auch den Artikel «Warum die WM in Katar das Schweizer BIP erhöht». []
- Die methodischen Details dazu finden Sie in diesem PDF. []
Zitiervorschlag: Wegmüller, Philipp (2025). Wie stark beeinflusst die Frauenfussball-EM 2025 das BIP der Schweiz? Die Volkswirtschaft, 03. Juli.