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Handel kostet – wo sind diese Kosten für die Schweiz hoch?

Der Zugang für Firmen zu fremden Märkten kostet. Neben Zöllen umfassen diese Handelskosten auch Transport, Versicherung sowie regulatorische und administrative Hürden. Eine Analyse untersucht die Schweizer Handelskosten und gibt Hinweise auf mögliche Verbesserungspotenziale.
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Uhren im Wasser an der Genfer Uhrenmesse: Neben Zöllen verteuern auch Transport, Versicherung und Regulierung den Marktzugang. (Bild: Keystone)

Uhren und Schokolade aus der Schweiz sind weltweit bekannt – und beliebt. Das Handwerk ist schweizerisch, doch die Rohstoffe dafür kommen meist nicht aus der Schweiz, und auch die Absatzmärkte liegen überwiegend im Ausland. Insgesamt erwirtschaftet die Schweiz rund jeden dritten Franken im Ausland.

Diese Beobachtungen zeigen: Als mittelgrosse, offene Volkswirtschaft ist die Schweiz auf einen möglichst reibungslosen internationalen Marktzugang angewiesen. Dieser ermöglicht es den Schweizer Unternehmen, sich auf wertschöpfungsstarke Industrie- und Dienstleistungssektoren wie etwa Pharma, Maschinen oder eben Uhren zu spezialisieren und Skalenerträge zu realisieren. Gleichzeitig können Unternehmen dank eines gut ausgebauten Netzes an Freihandelsabkommen ihre Beschaffungsquellen diversifizieren und sich in internationale Wertschöpfungsketten integrieren.

Diese Hürden hemmen den Handel

Ökonomen und Unternehmen sind sich einig: Internationaler Handel steigert Produktivität und Wohlstand. In der Praxis wird er aber durch zahlreiche Barrieren behindert. Ein Beispiel sind die aktuellen US-Zölle. Aber auch andere Faktoren, welche den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr erschweren oder verteuern, gehören dazu: so auch Kosten für Versicherung und Fracht, Geschäftsanbahnungskosten oder die Kosten für die Anpassung von Produkten an die jeweiligen regulatorischen Anforderungen des Zielmarkts, die sogenannten technischen Handelshemmnisse.

Diese Handelsbarrieren erhöhen die Kosten des Handels und führen zu weniger grenzüberschreitendem Warenverkehr. Das bewirkt, dass Länder sich trotz komparativer Vorteile und Skalenerträgen nicht stärker im internationalen Handel spezialisieren und die verbundenen Wohlfahrts- und Produktivitätsgewinne nicht vollumfänglich ausschöpfen.[1]

Gewisse Handelsbarrieren sind aber von Natur aus hoch und nur schwer veränderbar – beispielsweise die physische Distanz zu einem Handelspartner, Sprachbarrieren oder Unterschiede in den Rechtssystemen. Wie die US-Zölle sowie nicht tarifäre regulatorische Massnahmen zeigen, sind die Handelsschranken aber auch teilweise durch die Politik beeinflusst.

Wie haben sich die Handelskosten für Schweizer Firmen entwickelt? Wo sind sie im internationalen Vergleich besonders hoch? Und hat die Schweizer Aussenwirtschaftspolitik dazu beigetragen, Handelshemmnisse zu beseitigen?

Handelskosten schätzen

Da Handelskosten aus verschiedenen Komponenten bestehen und je nach Produkt teilweise stark variieren, lassen sie sich nicht direkt beobachten. Wie in der Literatur üblich greifen wir daher auf einen Schätzansatz mittels sogenannter Gravity Equation zurück.

In dem von uns verwendeten Modell werden Handelskosten anhand der beobachteten Handelsströme approximiert.[2] Als Grundlage dient beispielsweise das Handelsvolumen zwischen den USA und der Schweiz. Ist dieses hoch, so ist dies ein Indiz für tiefe Handelskosten zwischen den beiden Ländern. Dabei ist es jedoch wichtig, der jeweiligen Exportstärke und der Marktattraktivität der beiden Länder Rechnung zu tragen. So ist aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Grösse beispielsweise zu erwarten, dass die Schweiz mit den USA mehr handelt als mit Kanada – unabhängig von den genauen Handelskosten.

Bei der von uns verwendeten Methode wird diesen Unterschieden Rechnung getragen, indem die bilateralen Handelsströme zwischen zwei Ländern ins Verhältnis zu den Verkäufen im jeweiligen Heimmarkt gesetzt werden. Ist die so «normalisierte» Handelsintensität verhältnismässig hoch, deutet dies auf tiefe bilaterale Handelskosten. Zu beachten ist, dass diese Schätzmethode die Kosten auf die Schweizer Ex- und Importe mit dem jeweiligen Partnerland gleichzeitig erfasst.

Schweizer Handelskosten insgesamt rückläufig

Aufgrund der Datenlage können wir die Handelskosten nur bis 2019 analysieren. Die geschätzten Handelskosten der Schweiz sind zwischen 2004 und 2019 markant zurückgegangen (siehe Abbildung 1). Der Rückgang verlief weitgehend kontinuierlich, abgesehen von 2009 bis 2011, als der Handel infolge der globalen Finanzkrise, der anschliessenden Schuldenkrise im Euroraum und der Aufwertung des Schweizer Frankens einbrach. Nach 2011 verlangsamte sich der Rückgang der Handelskosten. Der Grund ist die sogenannte Slowbalisation – eine allgemein beobachtbare Abschwächung der globalen Handelsdynamik ab etwa 2010. Insgesamt lagen die geschätzten Handelskosten der Schweiz 2019 dennoch rund ein Viertel tiefer als 2004.

Die Gründe dafür sind vielfältig: rückläufige Transportkosten[3], abnehmende Zölle[4] oder die Verbreitung globaler Wertschöpfungsketten während der 2000er-Jahre infolge der Digitalisierung und rückläufiger Kommunikationskosten[5] dürften eine Rolle gespielt haben.

Abb. 1: Schweizer Handelskosten sind deutlich zurückgegangen (2004–2019)

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Anmerkung: Die Abbildung zeigt den gewichteten Durchschnitt der Handelskosten für alle Handelspartner pro Jahr. Die Partnerländer wurden nach ihrem Gesamthandel (Importe und Exporte) mit der Schweiz im Jahr 2019 gewichtet.
Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung der Autoren auf Basis der International Trade and Production Database for Simulation (ITPD-S) | Grafik: Die Volkswirtschaft

Auch die Schweizer Aussenwirtschaftspolitik hat die Handelskosten gesenkt, wie unsere Analyse zeigt. Wir haben dazu den Einfluss der Freihandelsabkommen auf die bilateralen Handelsströme mithilfe einer Regressionsanalyse untersucht. Im Einklang mit der Literatur zeigt die Analyse, dass die Handelsströme mit einem Freihandelsabkommen überdurchschnittlich zunehmen. Interessanterweise ist dieser Effekt für die Schweiz besonders ausgeprägt.[6]

Schweizer Handelskosten im Vergleich

Unsere Schätzmethode gibt zudem Aufschluss darüber, wie hoch die Schweizer Kosten nach Handelspartner im Vergleich mit unseren Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich sind.[7] Ein Vergleich mit den Nachbarländern bietet sich deshalb an, weil deren physische Entfernung von Drittstaaten im Durchschnitt ähnlich ist wie diejenige der Schweiz und weil unsere Nachbarstaaten die Schweizer Amtssprachen abdecken. Der Vergleich kann somit unveränderliche Handelsbarrieren teilweise berücksichtigen und Hinweise auf möglicherweise bestehende Verbesserungspotenziale bei den Schweizer Handelskosten geben.

Verglichen mit den Nachbarstaaten waren die geschätzten Schweizer Handelskosten 2019 beispielsweise tief gegenüber den USA, China und Indien (siehe Abbildung 2). Hingegen waren die Schweizer Handelskosten mit vielen europäischen und nordafrikanischen Staaten höher als für unsere direkten Nachbarn. Der Grund dürfte die stärkere Integration unserer Anrainerstaaten in den EU-Binnenmarkt sein.

Abb. 2: Schweizer Handelskosten im Vergleich zu den Schweizer Nachbarländern (2015–2019)

INTERAKTIVE GRAFIK
Lesehilfe: Mit grün eingefärbten Ländern hat die Schweiz im Vergleich zu ihren Nachbarländern (Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich) tiefere geschätzte Handelskosten. Umgekehrt sind die geschätzten Handelskosten mit violett eingefärbten Ländern für die Schweiz höher als für die Nachbarländer.
Quelle: Eigene Darstellung der Autoren | Grafik: Die Volkswirtschaft

Mögliche Kostensenkungspotenziale

Die vorgenommene Schätzung der Handelskosten basiert ausschliesslich auf beobachteten Handelsströmen und unterliegt Messungenauigkeiten. Auch kann sie aufgrund des untersuchten Zeitrahmens jüngste Entwicklungen beispielsweise im Zusammenhang mit den US-Zöllen nicht erfassen. Dennoch kann die Analyse erste Hinweise liefern, wie die Schweiz möglicherweise ihre Handelsbeziehungen weiterentwickeln könnte. So unterstreichen etwa die vergleichsweise hohen Handelskosten gegenüber EU-Staaten die Bedeutung des aktuell debattierten EU-Vertragspakets, mit dem nicht tarifäre Handelshemmnisse weiter abgebaut würden. Zudem dürfte das 2025 abgeschlossene Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten zur Reduktion der Handelskosten etwa mit Brasilien, Uruguay und Bolivien beitragen. Auch gegenüber Staaten in Nordafrika, Staaten des Golf-Kooperationsrats oder Südkorea bestehen Anzeichen für Verbesserungsmöglichkeiten.

Insgesamt zeigt die Analyse: Der internationale Marktzugang der Schweiz hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert – nicht zuletzt dank einer aktiven und vorausschauenden Aussenwirtschaftspolitik. Dennoch besteht Verbesserungspotenzial. Gerade in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen und protektionistischer Tendenzen bleibt klar: Der Ausbau und die Vertiefung des Netzes an Freihandelsabkommen werden auch künftig zentrale Erfolgsfaktoren für die Schweizer Volkswirtschaft sein.

  1. Siehe Costinot und Andrés Rodríguez-Clare (2014), Head und Mayer (2014), Arkolakis et al (2012). []
  2. Siehe Head und Ries (2001). []
  3. Siehe Daudin et al. (2022). []
  4. Siehe Bureau et al. (2019). []
  5. Siehe Baldwin (2016). []
  6. Siehe auch Müller und Nussbaumer (2016). []
  7. Der Vergleich bezieht sich jeweils auf den einfachen Durchschnitt der Handelskosten der Nachbarstaaten. []

Literaturverzeichnis

Bibliographie

Zitiervorschlag: Beeler, Leo; Schetter, Ulrich (2026). Handel kostet – wo sind diese Kosten für die Schweiz hoch? Die Volkswirtschaft, 24. Februar.